"Wenn jemand gehen muss, dann unser Management!"

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München - Die Wut und die Enttäuschung stehen ihnen ins Gesicht geschrieben. 2000 Mitarbeiter von Nokia Siemens Networks (NSN) demnonstrierten am Mittwoch gegen den geplanten Arbeitsplatzabbau.

Die Wut und die Enttäuschung stehen ihnen ins Gesicht geschrieben. Bei sechs Grad minus und eisigem Ostwind demonstrieren am Mittwochfrüh mehr als 2000 Mitarbeiter von Nokia Siemens Networks (NSN) aus der Münchner Zentrale, aber auch aus anderen Niederlassungen vor dem Firmenkomplex an der Sankt-Martin-Straße in Giesing gegen den geplanten Arbeitsplatzabbau, bei dem unter anderem die Münchner Zentrale mit 3600 Arbeitsplätzen dicht gemacht werden soll.

Die NSN-Mitarheiter harren mehr als eine Stunde in der Kälte aus, machen ihrem Unmut immer wieder mit Pfeifkonzerten Luft und halten Transparentehoch, auf denen sie an das Schicksal anderer Ex-Siemens-Betriebe erinnern, wie den Handy-Hersteller BenQ. Auf einem Plakat heißt es: „Rettet auch unseren Standort und nicht nur Banken.“

Protest gegen die Schließung: Nokia-Siemens-Arbeiter wehren sich

Protest gegen die Schließung: Nokia-Siemens-Arbeiter wehren sich

Der Münchner NSN-Betriebsratsvorsitzende Horst Schön fordert vom Siemenskonzern, Verantwortung für die Mitarbeiter zu übernehmen „und uns nicht auf die Straße zu werfen und zu entsorgen“. Unter dem Beifall der Demonstranten schreit Schön ins Mikro: „Wenn jemand gehen muss, dann ist es unser Management.“ Betriebsratsmitglied Carsten Riedl attackiert die Unternehmensleitung scharf: „NSN fährt seit Jahren einen Kurs, den keiner nachvollziehen kann.“

„Was wir hier heute erleben, ist ein Alptraum“, ruft Gewerkschaftssekretär Michael Leppek von der IG Metall in die Menge. Die Gewerkschaft kündigt erbitterten Widerstand gegen die Schließungen an. „Das hier heute ist erst der Auftakt. Wir werden kämpfen und streiken“, sagt Leppek. Schwere Vorwürfe richtet er an die Adresse des Siemenskonzerns, der dem Schicksal des Gemeinschaftsunternehmens mit Nokia tatenlos zusehe. Besonders verbittert sind viele Mitarbeiter, weil Siemens sie auf der einen Seite loswerden will, auf der anderen erst am Montag für 300 Millionen Euro einen kanadischen IT-Betrieb gekauft hat, der ähnliche Produkte und Dienstleistungen anbietet.

K.H. Dix

Siemens: 40 000 Stellen weg

Einst war Siemens einer der größten Arbeitgeber in München. Das war einmal..„Seit den 80er Jahren sind am Standort München rund 40 000 Arbeitsplätze abgebaut oder aus dem Konzern ausgelagert worden. Alleine seit dem Jahr 2001 dürften es mehr als 10 000 Stellen sein. Von der Produktion ist heute nichts mehr da“, sagt Michael Leppek, zuständiger Sekretär der Industriegewerkschaft Metall in München. Leppek erinnert an den Standort Hoffmannstraße, wo vor 20 Jahren noch 24 800 Siemensianer arbeiteten. Leppek: „Heute sind es noch 500“. Scheibchenweise wurden immer mehr Produktionsstätten dicht gemacht oder ausgelagert oder beides. Der Gewerkschafter verweist auf Qimonda an der Balanstraße, die 2009 dicht machte, an BenQ, dessen Ende 2006 kam, sowie an das Chipwerk in Perlach, wo 2005 Schluss war und den Verlust von 850 Jobs zur Folge hatte. Aber auch bei Infineon wurden kräftig Stellen gestrichen.

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