"Brot wird immer mehr verramscht!"

München - Es gehört zu den wichtigsten Grundnahrungsmitteln – aber wie viel ist gutes Brot unserer Gesellschaft heutzutage überhaupt noch wert?

Im tz-Interview prangert der Chef der Bayerischen Bäcker, Heinrich Traublinger, vor allem den Lebensmittelhandel scharf an: „Brot wird immer mehr zum Werbeartikel. Viele Discounter bieten es zu Billigstpreisen an, bei denen die Handwerksbetriebe nicht mehr mithalten können – und das nur, um Kunden in ihre Supermärkte zu locken. So wird Brot regelrecht verramscht.“

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Der Staat habe zwar bereits mehrere Anläufe unternommen, um diese Geschäftsstrategie zu unterbinden, erläutert Traublinger, der für die CSU im Landtag sitzt. Doch unterm Strich seien alle Initiativen ­gescheitert: „Letztlich ist der Gesetzgeber in dieser Frage ein zahnloser Tiger.“ So bleibe den Handwerksbetrieben nichts anderes übrig, als auf das Qualitätsbewusstsein ihrer Kunden zu setzen – und darauf zu hoffen, dass die wieder verstärkt in Handwerksbäckereien gehen: „Lebensmitteleinkauf ist Vertrauenssache“, sagt Landesinnungs-Geschäftsführer Dr. Wolfgang Filter, „jeder Verbraucher kann mit den Füßen darüber abstimmen, wem er vertraut.“

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Im knall­harten Verdrängungswettbewerb mit der Backwaren-Industrie kämpfen immer mehr Traditionsbäcker ums Überleben. In München gibt es noch 87 Betriebe, die in der Innung organisiert sind, oberbayernweit sind es 703 und im gesamten Freistaat 3039. Bei ihnen stehen rund 49 000 Beschäftigte in Lohn und Brot. Allein die Personalkosten fressen laut Landesinnung durchschnittlich 38 bis 54 Prozent des Umsatzes auf. Die Backwaren-Industrie hat es bei diesem Faktor leichter. Sie kauft ihre Teiglinge oft in Ländern ein, in denen Arbeit weniger kostet als in Deutschland – etwa in Osteuropa. „Das kann sich auch in der Qualität niederschlagen“, kritisiert Filter, „es gibt gute und schlechte Teiglinge.“ Allerdings betont der Innungs-Geschäftsführer auch, dass die Handwerksbetriebe ihre Konkurrenten nicht pauschal herabwürdigen wollen. In München messen sich die Traditionsbäcker unter anderem mit Großfilialisten wie Müller-Brot, Ihle oder Bachmeier.

 

Andreas Beez

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