Geschützte Tiere

Wespen-Alarm in München: Darum plagen uns die Viecher grad so sehr

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Wespen-Alarm in München - darum plagen uns die Viecher grad so sehr.

In München gibt es in diesem Jahr so viele Wespen wie nie. Das nervt - und hat einen ganz bestimmten Grund. 

München - Bei Jan-Erik Ahlborn steht das Telefon seit Anfang Juli nicht mehr still. Am anderen Ende der Leitung: von Wespen geplagte Münchner. „Wir hatten in dieser Saison schon über 570 Anfrufe“, sagt der Wespenberater. Die schwarz-gelben Hautflügler haben München fest im Griff: In der Stadt gibt es dieses Jahr so viele Wespen wie nie!

Auch Erich Deger (69) und seine Familie sind betroffen – Wespen haben ein Nest hinter der Jalousie in der Dachgaube des Hauses gebaut. Bekämpfungsversuche mit Bauschaum blieben bislang erfolglos. Vielleicht hilft ein Hausmittel: „Wir haben jetzt in der Wohnung Zitronen mit Nelkenspitzen aufgestellt“, hofft der Feldmochinger.

Geplagter Hausherr: „Wir haben ein Wespennest in der Dachgaube“, sagt Erich Deger aus Feldmoching.

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Vor allem zwei Wespenarten machen uns das Leben schwer: Die Deutsche und die Gemeine Wespe treten wegen der Größe ihrer Völker besonders häufig auf – sie können Volksstärken von bis zu 10 000 Tieren erreichen. „Bedingt durch das warme Frühjahr haben wir ein besseres Wespenjahr als in den letzten Jahren“, so Ahlborn. 

Wespen bereiten den Menschen Sorgen.

Außerdem führten die zunehmenden Monokulturen in der Stadt dazu, dass die Wespen vermehrt zu ungeliebten Gästen bei Grillfesten und in Biergärten werden. „Die Wespen haben Hunger. Wenn das ganze Stadtgebiet kahl an Blüten ist, dann kommen sie schneller und penetranter zu Tisch.“ Weil es in München kaum Beratungsstellen gebe, komme er jedes Mal aus dem Unterallgäu angefahren, um zu beraten und Nester umzusetzen.

Wespen töten - ein Skandal

Der Tierschützer ist alarmiert: „Wir helfen dem Bund Naturschutz, wo es geht. Aber wir kommen gar nicht mehr nach. Wespen und Hornissen müssen sterben, weil es keine Fachstellen gibt, die helfen können.“ Viele Kammerjäger würden die Nester mit Chemie bekämpfen. Aus Ahlborns Sicht ein Skandal: „Die Tiere sind überaus wichtig für den ökologischen Haushalt. Wir haben 80 Prozent Insektensterben! Je mehr Insekten sterben, desto mehr leiden auch Insektenfresser draunter.“

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Christoph Günther von den Kammerjäger-Profis betont, dass Nester nur mit Erlaubnis der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) der Stadt entfernt würden. „Der Kunde muss eine Genehmigung einholen.“ Auch bei den Schädlingsbekämpfern laufen momentan die Drähte heiß. „Mindestens 60 Mal am Tag ruft jemand an. Oft wegen Wespennestern in Hohlräumen wie Rolladenkästen.“

Hornissen stehen unter besonderem Schutz

Anders als Hornissen, die besonders geschützt sind, stehen zwar auch Wespen laut Paragraf 39 Bundesnaturschutzgesetz unter Schutz – man sollte sie nicht „ohne vernünftigen Grund“ töten. „Der Grund wird aber nicht näher beschrieben. Es handelt sich um eine rechtliche Grauzone“, so Ahlborn, der dringend für die Ausbildung von Wespenberatern plädiert. „Das Umweltministerium müsste den Weg für den Aufbau eines Netzwerks aus ehrenamtlichen Wespenberatern frei machen!“

Auch bei der UNB verzeichnet man einen „gesteigerten Bedarf an Beratung zum Thema Wespen“. Um das Angebot zu verbessern, vertiefe die UNB ihre Kenntnisse durch Fortbildungsmaßnahmen, teilt die Behörde mit. 

So schützen Sie sich

Wer ein gemütliches Grillfest im Grünen abhalten will, sollte es mit Kaffee auf dem Tisch probieren: Einfach Kaffeepluver oder -bohnen in einem feuerfesten Gefäß anzünden. Der Kaffeeduft vertreibt Wespen effektiv. Sinnvoll kann es auch sein, an einer entfernten Ecke des Gartens eine Schale mit Lebensmitteln wie etwa reifen Bananen aufzustellen, damit die Früchte die Wespen ablenken. 

Eine Alternative ist nach Angaben der Deutschen Wildtierstiftung übrigens Schokoladenkuchen – denn Wespen mögen (oh Wunder) keine Schokolade. Wer etwas farblos am gedeckten Tisch sitzt, hat mehr Ruhe: Wespen mögen bunte Kleidung. Außerdem fliegen sie auf Gerüche wie von Parfüms, Cremes und der Politur für Holzmöbel. Diese sollten also vermieden werden. Blattläuse sollten Hobbygärtner frühzeitig bekämpfen. Denn deren süße Ausscheidungen ziehen Wespen an.

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Doris Schmitt/Glomex

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