Klimawandel für München wird erforscht

Der Wetterbericht fürs Jahr 2050

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Heiligabend 2012: Die Münchner schlürfen bei 20,7 Grad Kaffee

München - Wie trifft der Klimawandel die Stadt München? Das untersuchen der Deutsche Wetterdienst und das Umweltreferat der Stadt . Am Dienstag gab es erste ernüchternde Ergebnisse.

Es wird heiß – der Klimawandel kommt! Das bestreitet kaum ein Forscher. Die Fragen sind nur: Wie warm wird es? Und wie kann man sich darauf einstellen? Darum untersuchen der Deutsche Wetterdienst und das Umweltreferat der Stadt seit einem Jahr, wie der Klimawandel München trifft. Am Dienstag gab es erste, ernüchternde Ergebnisse zum bisherigen Verlauf und einen kleinen Ausblick. Im Winter gibt es immer weniger Schnee: Auf Wiedersehen, weiße Weihnacht! Dramatisch können dagegen die Sommer werden: München ist schon jetzt eine Wärme-Insel – künftig drohen tropische Temperaturen. Gefahr für den Kreislauf!

David Costanzo

Warme Winter

Heiligabend in München: Die Menschen sitzen draußen und genießen bei 20,7 Grad Kaffee in der Sonne. So wie letzte Weihnachten wird es durch den Klimawandel häufiger kommen. Leider, sagen die Freunde von Ski und Rodel.

Heiligabend 2012: Die Münchner schlürfen bei 20,7 Grad Kaffee

Beispiel Schnee: Früher gab es viel mehr, wissen die Älteren unter uns. Keine Nostalgie, das bestätigt der Deutsche Wetterdienst im Klimaprojekt für München (siehe Grafik). In den 50er-Jahren gab es in der Stadt im Schnitt noch rund 60 Tage mit einer Schneedecke von mehr als einem Zentimeter – also volle zwei Monate pro Winter. Dieser Zeitraum schmolz bis zum vergangenen Jahr im Schnitt auf rund 40 Tage zusammen – fast nur noch einen Monat.

Das gleiche Bild bei den wärmsten und kältesten Wintern: An die milden können sich viele noch erinnern – acht von zehn gab es seit Ende der 80er-Jahre. Der wärmste Winter war 2006/07 mit einer mittleren Temperatur von 4,6 Grad Celsius.

Von den frostigen Wintern gab es neun von zehn vor Mitte der 80er-Jahre – der kälteste war 1962/63 mit minus 5,6 Grad Celsius. Der absolute Tiefpunkt der Temperaturen in der Stadt war am 28. Dezember 1962 mit minus 20,7 Grad! Lang, lang ist’s her.

Dank des Klimawandels hat die Zahl der Frosttage mit Minustemperaturen von über 100 auf unter 80 abgenommen. Auch die Eistage werden weniger – das sind die Bibber-Tage, an denen das Thermometer gar nicht über den Nullpunkt klettert. Sie verringerten sich von mehr als 30 auf etwas über 20 Tage. Der Winter ist also auch nicht mehr das, was er einmal war …

Tropische Sommer

Der 27. Juli war heuer nur ein Vorgeschmack: 36,8 Grad Celsius hatte es da, der viertheißeste Tag überhaupt. Dazu gab es sieben tropische Tage mit mehr als 30 Grad. „Die Häufung in den letzten Jahren sind als Zeichen des sich wandelnden Klimas zu bewerten“, sagt Meteorologe Tobias Fuchs vom Deutschen Wetterdienst. Die Gefahr: Wenn auch in den Nächten das Thermometer kaum unter 20 Grad sinkt, läuft der Kreislauf heiß. Am 27. Juli mussten 30 Münchner allein in die fünf städtischen Krankenhäuser – normal sind im Sommer vier bis acht. Klimaforscher Fuchs sagt: „Es geht für ältere Menschen nicht nur um guten Schlaf, sondern ums Überleben.“

Die Sommer werden immer heißer und feuchter. Und die Sache mit der Feuchtigkeit liegt nicht am Stachusbrunnen

Für Süddeutschland erwarten die Klima-Berichte einen Temperatur-Anstieg um bis zu 2,5 Grad bis zum Jahr 2050 aus. Bis 2100 sind bis zu 4 Grad möglich! Wie die Prognose für München aussieht, berechnen die Forscher noch. So viel aber ist klar: In den Straßenschluchten liegt die Temperatur deutlich höher als in Parks oder im Umland (siehe Karte), also steigt auch die Belastung.

Ein Mess-Spaziergang hat das gezeigt: Im Englischen Garten entsprach die gefühlte Temperatur in der Sonne den gemessenen 28 Grad im Schatten. An der Frauenkirche stiegen die gefühlten Grade auf 40!

Im Sommer kühlt das „Alpine Pumpen“ die Stadt: Tagsüber strömt warme Luft zu den Alpen und kehrt nachts abgekühlt zurück. Diesen Effekt will Umweltreferent Joachim Lorenz (Grüne) bewahren: Die Stadt müsse Frischluftschneisen und Gartenstädte freihalten.

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