Neue Kampagne

CSU will für U-Bahn nach Freiham kämpfen

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Eine U-Bahn in München.

München - „Unverzichtbar“ oder „vollkommen sinnlos“? Die CSU drückt bei der U-Bahn-Verlängerung nach Freiham aufs Gas und startet jetzt eine große Kampagne. Die SPD kann das überhaupt nicht nachvollziehen.

Das bekannte weiße U-Bahn-“U“ auf blauem Grund steht auf den Plakaten der Initiative. „U wie unverzichtbar“, steht darüber. Eine Reihe von CSU-Politikern stellte am Freitag ihre Kampagne für die U-Bahn-Verlängerung vom Laimer Platz nicht nur bis Pasing, sondern darüber hinaus über die Stationen Westkreuz und Neuaubing bis Freiham vor.

Bürgermeister Josef Schmid

Wie berichtet, hatte der Stadtrat diese Woche einstimmig den Grundsatzbeschluss für die 3,7 Kilometer lange Trasse bis Pasing gefällt. Sie soll so geplant werden, das eine Verlängerung bis Freiham möglich ist. Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) lehnt beide Abschnitte als nicht wirtschaftlich ab. Nun wollen die CSU-Politiker mit ihrer Kampagne Druck aufbauen – und das offenbar auch auf den Koalitionspartner SPD. Auf Plakaten, mit einer Online-Petition und Unterschriftenlisten sollen die Bürger ihre Unterstützung für die U-Bahn zum Ausdruck bringen. Eine Webseite ist online gegangen (www.u-bahn-nach-freiham.de). Und am kommenden Dienstag, 21. Juli, 17.30 Uhr, startet die Kampagne mit einer Veranstaltung am S-Bahnhof Westkreuz (Ausgang Friedrichshafener Straße). Dort wird auch Bürgermeister Josef Schmid dabei sein, der CSU-Chef im Kreisverband West ist.

Schmid zeigte sich am Freitag überzeugt, dass die CSU bei dem Thema für eine große Mehrheit der Bürger im Münchner Westen spricht. „Das nehmen wir seit Jahren wahr“, sagte Schmid. „Ich werde die Aktion mit Inbrunst unterstützen.“ Berechnungen, dass sich die U-Bahn-Trasse nicht lohne, kämen „aus dem Gestern“, sagte Schmid. Morgen, die Zukunft, sei die U-Bahn nach Freiham. „Die Menschen sagen nicht mehr: Ich fahre jetzt mit dem Auto. Die schauen auf ihr Smartphone, wie sie am schnellsten wohin kommen.“ Und das könne aus Freiham nur die U-Bahn sein, davon zeigen sich die CSU-Männer überzeugt. Dass die Trasse nicht viel früher geplant wurde, sei ein großes Versäumnis der rot-grünen Jahre. Freiham – „das größte Neubaugebiet Europas“, wie CSU-Stadtrat Johann Sauerer betonte, ist schließlich schon mitten im Bau. 20 000 neue Bewohner kommen in den nächsten Jahren hinzu – und eingebunden in ein Umland, das auch extrem wächst“, sagte Sauerer. Der örtliche Bezirksausschuss-Chef Sebastian Kriesel sagte, die Bevölkerungszahl steige „explosionsartig“. Darauf müsse man reagieren. Der ehemalige Umweltminister Otmar Bernhard beklagte, viele Menschen seien reflexartig gegen Großprojekte. „Viele, die so denken, denken einfach nicht perspektivisch.“

Die Initiatoren der Kampagne betonen, dass sie auch offen für die Diskussion mit Kritikern sind – am Ende des Prozesses werde aber mit Sicherheit stehen, dass die Menschen die U-Bahn wollen. Im Rathaus hat die CSU das Problem, dass nur die Trasse bis Pasing – ebenfalls ein Herzensthema Schmids – im Koalitionsvertrag festgeschrieben ist, nicht aber die Verlängerung bis Freiham. „Wir müssen das jetzt politisch vorantreiben“, betonte Schmid am Freitag. Beim Koalitionspartner ist da offensichtlich jede Menge Überzeugungsarbeit zu leisten. Wie berichtet, hatte SPD-Fraktionschef Alexander Reissl schon dieser Tage zwar der Trasse bis Pasing zugestimmt. Er betonte aber auch, dass eine neue U9 in der Innenstadt von der Implerstraße über die Theresienwiese, den Hauptbahnhof und die Pinakotheken zur Giselastraße wichtig sei und zunächst verwirklicht werden müsste. Auch von der Kampagne der CSU-Kollegen für die Freiham-Trasse zeigte er sich auf Nachfrage wenig begeistert. „U-Bahnen sollte man dorthin bauen, wo es Sinn macht“, sagte Reissl. „In Freiham haben wir zwei S-Bahn-Stationen. Eine im Süden und eine im Norden. Diese U-Bahn werden wir niemals wirtschaftlich machen können.“ Was er sich von der Diskussion mit der CSU erwarte? Er wisse nicht, warum der Kooperationspartner jetzt „einen Konflikt aufbaut“, sagte Reissl. „Er ist vollkommen sinnlos."

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