„Die jetzige Vorgehensweise ist asozial“

Wird der MVV für Senioren teurer? Das kosten Fahrkarten in anderen Städten

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Manfred Speuser mit der IsarCard - wie geht es weiter mit dem Tarif? 

Die große MVV-Tarifreform steht an, die Preise für Seniorenticket und Streifenkarte könnten bald steigen. Doch wie viel werden die Tickets dann kosten? 

München - Die große MVV-Tarifreform steht an, die Einteilung für eine M-Zone als Innenraum und Außenraum steht fest. Doch wie viel werden die Monats- und Streifenkarten ab dem nächsten Jahr kosten? Das fragen sich Tausende MVV-Kunden, in der tz-Redaktion gehen zig Zuschriften ein. Darunter auch das Schreiben von Manfred Speuser (67). Während die Tarifpartner noch über die künftigen Preise verhandeln, appelliert der Münchner an alle Parteien: „Bitte machen Sie das Ticket für Senioren günstiger! Sonst können sich das ältere Bürger nicht mehr leisten.“ 

Manfred Speuser ist selbst jeden Tag mit den Öffentlichen unterwegs. Früher zu seinem Arbeitsplatz als Verkaufsberater bei einem Münchner Autohaus, mittlerweile von seiner Wohnung nahe des Rosenheimer Platzes zu seinem Schrebergarten nach Feldkirchen. „456 Euro zahle ich für meine IsarCard60 im Jahr“, sagt er. 

Lesen Sie auch: MVV-Tarifreform: Was sich ändert und wer ab 2019 wirklich spart

Womöglich steigende Kosten fürs Ticket – darüber machen sich viele ältere Münchner in seiner Nachbarschaft Sorgen, wie Speuser weiß: „Im Schnitt haben Senioren 800 Euro Rente im Monat, davon geht die Miete weg“, sagt der 67-Jährige und fragt sich: „Welcher Rentner mit einem zum Leben frei verfügbaren Einkommen von etwa 300 Euro monatlich kann sich da die Raten für Tickets noch erlauben? Und wenn sie durch die neue M-Zone teurer werden, ist das für Senioren der Horror.“ Das zu sagen, traue sich aber fast niemand. Denn Alternativen gebe es keine. 

„Viele können nicht mehr weit zu Fuß gehen…“ Speusers Forderung: „Eine Jahreskarte sollte wenn überhaupt maximal 250 Euro für Senioren kosten, die jetzige Vorgehensweise ist asozial. München soll endlich Herz zeigen.“ 

Städtevergleich: Das kosten Tickets für Senioren

Tarifverbund

Name des Tickets

Besonderheit

Monatspreis bei monatlicher Zahlung

Monatspreis bei Jahresabo

MVV (Großraum München)

Isarcard 60 (ab 60 Jahre)

nicht gültig mo. - fr. 6 bis 9 Uhr, übertragbar

69,10 Euro

54,70 Euro

VBB (Berlin / Brandenburg)

VBB-Abo 65plus (ab 65 Jahre)

nur im Abo erhältlich, nicht übertragbar

51,00 Euro

49,42 Euro

HVV (Großraum Hamburg)

Seniorenkarte (ab 63 Jahre)

nicht gültig mo.-fr. 6 bis 9 Uhr, nicht übertragbar

62,20 Euro (Tarifzonen A und B)

51,00 Euro (Tarifzonen A und B)

GVH (Großraum Hannover)

MobilCard-63plus (ab 63 Jahre)

Außerhalb des Berufsverkehrs, Mitreisende möglich

67,30 Euro (3 Zonen)

55,90 Euro (3 Zonen)

MDV (Großraum Leipzig)

Abo Senior (ab 65 Jahre)

Mindeslaufzeit 12 Monate

-

61,50 Euro

Das sagt der Seniorenbeirat

„Das Netz wird aus­geweitet durch die Reform, das ist ein Vorteil für alle“, sagt Gerhard Krug (77), 2. Stellvertretender Vorsitzender des Münchner Seniorenbeirats. „Positiv ist auch, dass das Zeitlimit von 9 Uhr für die IsarCard gekippt werden soll. Aber es darf keinesfalls zu einer doppelten Preiserhöhung kommen!“ Eine erste Fahrpreiserhöhung erwarte er gegen Ende dieses Jahres. „Und wir befürchten, dass es eine zweite Verteuerung gibt, wenn die ­Reform 2019 in Kraft tritt. Das wäre für viele Senioren verheerend.“ ­Sorgen bereitet Krug auch das Thema Streifenkarte: „Viele ältere Münchner kaufen sich eine Streifenkarte, weil sie nicht mehr so mobil sind, dass sich eine Monatskarte rechnet. Deshalb muss die Streifenkarte für Senioren billiger oder zumindest nicht teurer werden.“ Ihre Berechtigung könnten ältere Fahrgäste per Personal- oder Rentenausweis nachweisen.

Hier fahren Ältere gratis: 

Estland: Seit 2013 können in der estnischen Hauptstadt Tallinn alle Personen ab 65 Jahren mit Wohnsitz in Estland öffentliche Verkehrsmittel kostenfrei nutzen.  

Polen: In den meisten polnischen Städten haben Rentner Anspruch auf eine 50-prozentige Ermäßigung. Senioren ab 70 Jahren fahren kostenlos. 

Rumänien: Hier bieten fast alle Städte eine kostenlose Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel für Rentner an oder gewähren eine 50-prozentige Ermäßigung auf die Fahrkosten. 

Slowakei: In Bratislava, Žilina und Košice fahren Senioren umsonst. n Ungarn: Auch in Ungarn können Menschen ab 65 den ÖPNV kostenlos nutzen.

Martina Williams

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