Wohnen in München: So günstig geht's auch

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Die Karte zeigt, wie hoch die Durchschnittsmieten bei städtischen Gesellschaften und Genossenschaften sind. WE bedeutet Wohneinheiten, also Wohnungen

München - Mietpreise zwischen fünf und knapp acht Euro pro Quadratmeter - für Hunderttausende Münchner ist dieser Wohntraum in der teuersten Stadt Deutschlands Wirklichkeit. Doch es geht auch günstiger.

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In Haidhausen: 5,90 Euro pro Quadratmeter. Oder 5,47 Euro Miete in Schwabing. Nein, das ist kein Traum, das ist Realität! Aber nur für Münchner, die in geförderten oder Genossenschafts-Wohnungen leben.

Wie günstig manch einer in der Landeshauptstadt wohnt und wie groß die Differenz zwischen diesen Mieten und den Mieten auf dem freien Markt ist, das zeigt erstmals der Mietenatlas der Vereinigung Münchner Wohnungsunternehmen, der gestern veröffentlicht wurde. Die Ergebnisse zeigen sehr deutlich den Wohn-Wahnsinn in unserer Stadt: In einigen Stadtteilen wie Schwabing-West liegt die normale Durchschnittsmiete sogar doppelt so hoch wie eine Miete bei einer der Vereinsunternehmen (6,52 Euro zu knapp 13 Euro, s. Diagramm rechts)!

Dieses Diagramm zeigt deutlich die Unterschiede zwischen den Durchschnittsmieten von genossenschaftlichen und geförderten Wohnungen (blaue Balken) und denjenigen auf dem freien Markt (gelb, Vergleichszahlen stammen vom IVD Süd) für die einzelnen Stadtbezirke - GRAFIK VERGRÖSSERN

Zu diesem Verein gehören 50 Wohnungsunternehmen, die 132 500 Wohnungen besitzen, also etwa jede fünfte Münchner Wohnung. Darunter zum Beispiel die städtischen Gesellschaften GWG und Gewofag, aber auch der Großteil der Genossenschaften wie der Bauverein Haidhausen, die Frauenwohnen eG, die Genossenschaft München-West, München-Pasing oder auch die Wogeno. „Wir haben alle unsere Mitglieder nach ihren Durchschnittsmieten befragt“, sagt deren Vorstandsvorsitzender Hans-Otto Kraus. Wieso sind diese so unfassbar günstig? „Der Löwenanteil dieser Wohnungen ist städtisch gefördert, nämlich über 70 000 Wohnungen. Und auch die Genossenschaftswohnungen sind oftmals gemeinnützig gewesen und die Unternehmen handeln noch immer so und wollen nicht die Maximalrendite erwirtschaften, sondern den geringstmöglichen Preis.“

Der Grund für die Studie ist auch politisch motiviert, so Kraus: „Wir wollen einmal deutlich machen, was für einen Immobilien-Umfang wir haben und wie unverzichtbar wir deshalb für den Münchner Mietmarkt sind. Wir erhoffen uns dadurch von der Stadt beispielsweise einfachere und damit günstigere Genehmigungsverfahren für Neubauten oder auch eine flexiblere Handhabung bezüglich des Stellplatznachweises, wenn wir etwa ein Dachgeschoss ausbauen.“

Dass diese günstigen Mieten nicht nur auf dem Papier existieren, zeigen beispielsweise die Münchner Heidi M. (44) und Mario H. (54): Sie zahlen für ihre Zwei-Zimmer-Wohnung mit kleiner Loggia beim Bauverein Haidhausen 6,48 Euro pro Quadratmeter.

nba/dac

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Wie komme ich an die preiswerten Räume?

Jede fünfte Wohnung gehört einer der besagten Gesellschaften oder Genossenschaften. Die tz sagt, wie Sie an günstige Räume kommen:

Frei finanzierte Wohnungen: „Die Bewerbung mit Einkommensnachweis und Familienstand erfolgt immer direkt über das Unternehmen“, sagt Hans-Otto Kraus, Chef der Vereinigung Münchner Wohnungsunternehmen. Der Vermieter entscheidet sich für einen Kandidaten. Aber: „Hier bekommt nicht der Single mit hohem Einkommen den Zuschlag, sondern eher die Familie, die knapp bei Kasse ist.“ Bei einigen Unternehmen wie dem Bauverein Haidhausen kommen nur noch Verwandte von Mietern rein. Bei anderen wie der Gemeinnützigen Wohnungsgenossenschaft München-Pasing eG kann man sich in Vormerklisten eintragen. Wenn der Andrang zu groß ist, bleiben die Listen geschlossen. Bei der Baugenossenschaft Hartmannshofen besteht ein Fünkchen Hoffnung: Hier wird am 31. März entschieden, ob der Aufnahmestopp aufgehoben wird. Auf jeden Fall braucht man langen Atem!

Geförderte Sozialwohnungen: Städtisch unterstützte Räume (GWG, Gewofag) bekommen nur bedürftige Münchner. „Dafür gibt es feste Sätze, die sich am Einkommen und Familienstand orientieren“, erklärt Kraus. Bei einem alleinstehenden Arbeitnehmer liege das Höchsteinkommen beispielsweise bei rund 21 000 Euro brutto jährlich. „Über das Amt für Wohnen erhält der Mieter dann einen Berechtigungsschein, auf dem auch die Dringlichkeit vermerkt wird.“

Eine alleinerziehende Mutter mit drei Kindern wird eine Wohnung eher innerhalb von Monaten bekommen. In anderen Fällen kann die Vergabe mehrere Jahre dauern.

nba./har.

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