Dann werden 60 Euro fällig

Zehn Fallen: So werden Sie ungewollt zum Schwarzfahrer

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Nicht nur im Zug, es kann ebenso im Bahnhof zu Fahrkarten-Kontrollen kommen. Was viele nicht wissen, auch für den Bahnsteig benötigt man ein Ticket.

München - Schwarzfahrer zahlen 60 Euro, auch wenn kein Vorsatz besteht. Auf diese zehn Fallen sollten Sie im MVV-Netz besonders aufpassen.

„Bei Schwarzfahrern sehen wir rot. Und Sie zahlen 60 Euro.“ Das Statement des Münchner Verkehrs- und Tarifverbunds (MVV) ist kurz und knackig. Wer die Öffentlichen in Landeshauptstadt und Region ohne gültigen Fahrschein nutzt, muss blechen. Dabei ist es egal, ob Vorsatz oder Unwissenheit zum Erschleichen der Leistung geführt hat. Damit Sie nicht versehentlich zum Schwarzfahrer werden, haben wir Ihnen die zehn größten Fallen im Tarifsystem des MVV zusammengestellt.

Auch der Bahnsteig kostet Geld

Sie wollen nur schnell einen Freund vom Bahnhof abholen? Aufgepasst! Fahrscheinpflicht besteht nicht nur in den Verkehrsmitteln. Auch den U-Bahnsteig dürfen Sie nur mit gültigem Ticket betreten, dasselbe gilt für zahlreiche S-Bahnstationen. Eine spezielle Bahnsteigkarte des MVV kostet 40 Cent. Zumindest Haltestellen von Bus und Tram sind aber frei zugänglich.

Werfen Sie den Fahrschein nicht zu früh weg

Hier wartet eine weitere Falle. Denn Sie sollten es sich auch abgewöhnen, benutzte Fahrscheine nach Beendigung Ihrer Fahrt noch am Bahnsteig zu entsorgen. Wenn es blöd läuft, kommen Sie bei den Treppen in eine Kontrolle. Und dann heißt es: Pech gehabt.

Streifenkarte mehrfach entwerten

Wie viele Streifen Sie bei der normalen Streifenkarte stempeln müssen, orientiert sich an den Zonen des Schnellbahnnetzplans. Für Erwachsene ist ein Minimum von zwei Streifen vorgeschrieben. Ausnahme: die Kurzstrecke. Für diese reicht auch ein gestempelter Streifen auf der Streifenkarte. Als Kurzstrecke gilt jede Fahrt bis zur vierten Haltestelle nach dem Einstieg – wenn davon höchstens zwei mit S- oder U-Bahn oder mit einem ExpressBus (z.B. X30) zurückgelegt werden.

Wenn Sie zwei Streifen benutzen, muss nicht jeder der benutzten Streifen einzeln entwertet werden. Es reicht ein Stempel beim höchsten benötigten Streifen. Für eine Fahrt durch zwei Zonen beispielsweise, für die Erwachsene vier Streifen benötigen, reicht es also, lediglich den vierten Streifen zu entwerten. Die Felder eins bis drei dürfen frei bleiben.

Anders verhält es sich aber, wenn mehrere Personen mit derselben Streifenkarte unterwegs sind. Dann muss jeder Mitfahrer einzeln stempeln. Ein Beispiel: Zwei Personen bewegen sich gemeinsam mit derselben Karte innerhalb einer Zone. Jeder benötigt zwei Streifen. Gestempelt werden muss dann bei den Streifen zwei und vier. In diesem Fall reicht es nicht, nur den vierten Streifen zu entwerten. Ansonsten fährt einer von beiden schwarz.

Zonenkarten haben ein Ablaufdatum

Der MVV erhöht regelmäßig seine Preise. Auch hier lauert eine Falle, denn: Nach einer Tariferhöhung sind alte Tickets nur noch drei Monate lang gültig. Auch hier sollten besonders Streifenkarten-Nutzer aufpassen. Innerhalb der drei Monate können Tickets aufgebraucht, gegen eine entsprechende Aufzahlung umgetauscht oder gegen eine Bearbeitungsgebühr von zwei Euro erstattet werden. Fahrscheine des Zeitkartentarifs wie IsarCards fallen nicht unter die Regelung.

Wer nach der dreimonatigen Übergangszeit auf ein altes Ticket fährt, zahlt 60 Euro. Immerhin: Gegen Zahlung der Bearbeitungsgebühr von zwei Euro können Sie sich auch dann noch den Rest Ihrer alten Karte erstatten lassen.

Das Problem mit den Kurzstrecken

Für MVV-Kunden, die nur mal schnell in den Nachbarort wollen, gibt es die sogenannten Kurzstreckentickets. Für 1,40 Euro kommt man bis zu zwei S- oder U-Bahnstationen weit. Eine Lücke im System, mag der ein oder andere nun vielleicht denken. Da spare ich mir im Außenraum, in dem häufig nur ganz wenige Stationen innerhalb einer Zone sind, viel Geld im Vergleich zur Streifenkarte. Mit zwei Kurzstreckentickets komme ich so beispielsweise für 2,80 Euro anstatt der üblichen 11,20 Euro von Unterföhring zum Flughafen.

Aber Vorsicht: Dieser Trick ist verboten. Es ist weder erlaubt, mehrere Kurzstreckentickets miteinander zu kombinieren, noch, sie mit Zonenkarten wie Streifen- und Einzelfahrkarten oder Tagestickets zu verbinden. Einzig das Zusammenspiel mit Zeitkarten - etwa Wochen- oder Monatskarten - ist gestattet.

HandyTicket: Innovation mit Gefahrenpotenzial

Es ist praktisch, umweltfreundlich und innovativ. Das HandyTicket. MVV-Nutzer können über ihr Smartphone eine Fahrkarte erwerben, Kontrolleure diese auf dem Handy-Bildschirm scannen und entwerten. Doch Vorsicht, diese Methode hat so ihre Tücken.

Das HandyTicket birgt für Unwissende die ein oder andere Stolperfalle.

Zum einen müssen Sie eine gewisse Ladezeit für das Ticket einrechnen. Sie sollten es also nicht erst beim Einstieg in das Verkehrsmittel erwerben, sondern mit ein paar Minuten Vorlauf. Wenn es blöd läuft, werden Sie direkt nach Einstieg kontrolliert - oder sogar noch am Bahnsteig. Und ein Fahrschein, der sich im Ladezustand befindet, gilt als ungültig; ganz egal, ob er eine halbe Minute später nachweisbar vorliegt. So sollen potenzielle Schwarzfahrer bekämpft werden, die beim Erspähen von Kontrolleuren noch schnell ein Ticket über das Handy kaufen.

60 Euro für einen leeren Akku

Doch selbst wenn Sie rechtzeitig Ihr HandyTicket gekauft und heruntergeladen haben, sind Sie vor einer weiteren Falle nicht gefeit. Sollte nämlich eine technische Störung vorliegen oder Ihr Handy-Akku leer sein, wenn Sie kontrolliert werden, gelten Sie als Schwarzfahrer. Verständlich, könnte doch sonst jeder behaupten, er habe auf seinem leeren Smartphone ein Ticket. Das Problem: Im Vergleich zum normalen Fahrschein können Sie das HandyTicket nicht nachreichen, um die Gebühr zu senken. Selbst wenn Sie also nachträglich vorweisen können, das Ticket gekauft zu haben, kommen Sie um die 60 Euro nicht herum.

Studenten müssen aufpassen

Seit einigen Jahren ist es für Studenten gemütlich geworden. Mit der IsarCard Semester können sie jederzeit das komplette MVV-Netz nutzen. Doch eine Kleinigkeit müssen auch sie beachten. Um korrekt unterwegs zu sein, reicht nämlich nicht das Ticket alleine. Verpflichtend ist zudem das Mitführen von Studenten- und Lichtbildausweis. Hat man nicht alles bei der Hand, zählt man als Schwarzfahrer.

Zumindest können Sie in solch einem Fall die Gebühr von 60 auf sieben Euro reduzieren, wenn Sie die entsprechenden Unterlagen innerhalb der nächsten 14 Tage beim MVV nachreichen.

Defekter Fahrkarten-Automat

Es kommt immer wieder vor: Defekte Fahrkartenautomaten an Bahnsteigen oder in Bussen und Trams. Doch nur weil es Ihnen nicht möglich war, ein Ticket zu kaufen, bedeutet nicht, dass sie im Recht sind. Meist ist ein zweiter, funktionierender Automat oder ein Schalter nicht weit entfernt. Es ist Ihre Verpflichtung, sich hier um eine Fahrkarte zu kümmern.

Nur wenn es tatsächlich keine alternative Beschaffungsmöglichkeit gibt, sind Sie auf der sicheren Seite. Defekte Automaten senden ein Signal an die Zentrale. Somit kann - falls Sie ohne Ticket kontrolliert werden - im Nachhinein klar nachvollzogen werden, ob der Automat tatsächlich kaputt war. Zu einer solchen Situation kam es erst kürzlich am S-Bahnhof Steinebach (Kreis Starnberg).

In Bussen sollten Sie auf jeden Fall dem Fahrer Bescheid geben. Dann dürfen Sie bis zu Ihrem ersten Umstieg mitfahren und müssen dort ein Ticket für die komplette Fahrt lösen.

Bayern-Ticket erst ab 9 Uhr

Das Bayern-Ticket ist zwar ein Angebot der Deutschen Bahn, doch es können auch sämtliche Verkehrsmittel des MVV damit genutzt werden. Aufpassen sollte man lediglich bei der Uhrzeit, denn für Frühaufsteher ist es nicht geeignet. Erst ab 9 Uhr gilt der Fahrschein; Ablaufzeitpunkt ist 3 Uhr nachts am Folgetag. Einzig am Wochenende, an in ganz Bayern gültigen Feiertagen sowie am 15. August, am 24. und am 31. Dezember ist das Bayern-Ticket bereits ab Mitternacht gültig.

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