Neue Serie mit alten Bildern - Teil 2

Zeitreise durch München: So sahen Sonnenstraße, Jakobsplatz und Co. früher aus

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Die Kirche am Stachus im Jahr 1920.

München hat sich rasant verändert. Der Geschichte der Stadt wollen wir mit einer neue Serie gedenken. Wie sahen bekannte Straßen oder Plätze früher aus? Wir zeigen es Ihnen!

München - Wer blättert nicht gerne durch ­alte Fotoalben? Einfach kurz mal Luft holen und in Erinnerungen schwelgen – herrlich! Meist fällt dann eh schnell der Satz: „Mei, schau, wie das früher ausgschaut hat!“ Und genau das wollen wir jetzt tun, liebe Leser. Wir werfen einen Blick zurück in unserer neuen großen Serie München damals und heute.

Unsere Stadt hat sich über all die Jahre stark verändert. Die Industrialisierung, später die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg, dann die Boom-­Jahre. Nur mal zum Vergleich: Im Jahr 1850 hatte München knapp 100.000 Einwohner, ein Jahrhundert später waren es 831.000 Bürger. Heute sind es fast 1,5 Millionen. Tendenz steil steigend. Doch wie hat sich die Stadt im Detail verändert? Unser Fotograf Heinz Gebhardt hat sich auf Spurensuche begeben, tagelang in alten Archiven gekramt. Hier präsentieren wir die Ergebnisse seiner Zeitreise. Und seien Sie sich sicher – es wird nicht lange dauern, bis Sie rufen: „Mei, schau, wie des früher ausgschaut hat!“

Die Sonnenstraße: Die Kirche am Stachus

Ja, so sah es früher an der Sonnenstraße beim Stachus aus: Da seit Anfang des 19. Jahrhunderts die evangelische Gemeinde in München immer größer wurde, genehmigte König Ludwig I. eine „Evangelische Kathedralkirche“, die am 25. August 1833, dem Namenstag Ludwigs I., als Matthäuskirche am Stachus eingeweiht wurde. Schön ist sie, oder? Hundert Jahre lang störte sich niemand an dem architektonischen Abschluss des Stachus (wie auf dem Foto von 1920 zu sehen ist) – bis die Nazis kamen: Ihnen waren die evangelischen Repräsentanten suspekt, da sie sich einer Gleichschaltung mit der „Reichskirche“ widersetzten, und so befahl Gauleiter Adolf Wagner auf Drängen Hitlers 1938 den Abriss der Kirche „wegen Verbreiterung der Sonnenstraße“.

Nach dem Krieg wurde am Sendlinger Tor-Platz von 1953 bis 1957 die neue Matthäuskirche errichtet, die mit ihrem mehrmals geschwungenen Dach bei den Münchner schnell einen Spitznamen weg hatte: „Luthers Achterbahn“.

Die Sonnenstraße beim Stachus heute.

Blick von Giesing aus: Mega-Bau spaltet die Münchner

Der Streit um die neuen Hochhäuser am Stadtrand ist erst ein paar Jahre her, bei dem die von Alt-OB Georg Kronawitter angeregte „Initiative-Unser-München“ ein Bürgerbegehren durchsetzte, demzufolge keine neuen Hochhäuser über 100 Meter gebaut werden dürfen. Hauptanliegen war eine „Zerstörung der Stadtgestalt“ zu verhindern.

Der Blick aus Giesing im Jahr 1836.

Und was geschah in den 70er Jahren? Schauen Sie sich diese drei Bilder an: das erste zeigt München 1836, das zweite um die Jahrhundertwende und das dritte ist aus unserer Zeit: Die brutalste „Zerstörung der Stadtgestalt“ geschah eben bereits in den 70er Jahren mit dem Bau des Europäischen Patentamtes (der dunkle Monster-Bau unten rechts).

Der Blick aus Giesing im Jahr 1900.

Der Stadtrat war sich einig, dass das Europäische Patentamt nach München kommen soll, aber ein Glaubenskrieg entwickelte sich über den Standort. Der damalige Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel (SPD) wollte, dass es neben dem Deutschen Patentamt entsteht. „Sonst kommt es nicht nach München.“ Die jüngere Generation der Stadträte aber wollte die vielen alten Jugendstilhäuser an der Isar schützen. Sie hatten keine Chance. Alle Häuser wurden dem Denkmalschutz zum Trotz abgerissen und der „schwarze Würfel“ gesetzt.

Der Blick aus Giesing heute.

Der Jakobsplatz: Wilder Sturm auf Zeughaus

Der Blick auf das heutige Stadtmuseum am Jakobsplatz ist ein Musterbeispiel dafür, wie man das Stadtbild erhalten kann, wenn man nur will. Trotz schwerer Beschädigung im 2. Weltkrieg wurde das alte Zeughaus aus dem Jahr 1500 und das mittelalterliche Marstallgebäude in ihren ursprünglichen Formen wie auf dem Aquarell von 1825 so perfekt wieder aufgebaut, dass man sich hier wie im alten München fühlen kann. Dass es die Münchner vor genau 170 Jahren hier mal so richtig haben krachen lassen, kann man sich kaum vorstellen: „Das Zeughaus wurde ohne Blutvergießen erstürmt, die Waffen aller Gattungen aus den Fenstern dem Volke zugeworfen und rasch wurden zwei bis dreitausend Menschen aus allen Ständen in der buntesten Weise bewaffnet“, wie Stadtchronist Ernst von Destouches am 4. März 1848 schrieb.

Der Jakobsplatz im Jahr 1825.

Lola Montez Eskapaden mit König Ludwig I. hatten in der Bevölkerung die revolutionäre Stimmung zum Überschäumen gebracht und hätte der König nicht die Krone niedergelegt, wäre es wohl zur blutigen Revolution gekommen.

Der Jakobsplatz heute.

Lesen Sie auch: Zeitreise durch München: So sahen Maximilianstraße und Co. früher aus

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