Neue Serie mit alten Bildern - Teil 6

Zeitreise durch München: So sahen Viktualienmarkt und Oberwiesenfeld damals aus

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Was nur wenige wissen: Früher gab es auch einen Fischbrunnen am Viktualienmarkt - die Urversion sozusagen, wie das herrliche Bild links zeigt.

München hat sich rasant verändert. Der Geschichte der Stadt wollen wir mit einer neue Serie gedenken. Wie sahen bekannte Straßen oder Plätze früher aus? Wir zeigen es Ihnen!

München - Wer blättert nicht gern durch alte Fotoalben? Einfach kurz mal Luft holen und in Erinnerungen schwelgen - herrlich! Meist fällt dann eh schnell der Satz: „Mei, schau, wie das früher ausgschaut hat!“ Und genau das wollen wir jetzt tun, liebe Leser. Wir werfen einen Blick zurück in unserer großen Serie München -damals und heute. Unsere Stadt hat sich über all die Jahre stark verändert. Die Industrialisierung, später die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg, dann die Boom--Jahre. Nur mal zum Vergleich: Im Jahr 1850 hatte München knapp 100.000 Einwohner, ein Jahrhundert später waren es 831.000 Bürger. Heute sind es rund 1,5 Millionen, Tendenz steil steigend. Doch wie hat sich die Stadt im Detail verändert? Unser Fotograf Heinz Gebhardt hat sich auf Spurensuche begeben, tagelang in alten Archiven gekramt. Hier präsentieren wir die Ergebnisse seiner Zeitreise. Und -seien Sie sich sicher - es wird nicht lange dauern, bis Sie rufen: „Mei, schau, wie des früher ausg’schaut hat!“

Oberwiesenfeld: Lasst die Spiele beginnen

Kaum zu glauben: Das Oberwiesenfeld war schon vor 200 Jahren eine Sportstätte, wie das Bild von Caspar Klotz (1774-1847) aus dem Jahre 1836 zeigt.

Kaum zu glauben: Das Oberwiesenfeld war schon vor 200 Jahren eine Sportstätte, wie das Bild unten von Caspar Klotz (1774-1847) aus dem Jahre 1836 zeigt. Auf der riesigen Grünfläche trafen sich die Münchner zur Leibesertüchtigung. Und nicht nur die Turner und Athleten - später auch Münchens Luftsportler: 1910 stieg hier zum ersten Mal der Flugpionier Gustav Otto (1883-1926) mit seinem Flugzeug in den weiß-blauen Himmel und drehte in 20 Metern Höhe eine Schleife über die Biergärten von Freimann. Gleich danach flog Otto Lindpainter (1885-1976) nach Allach und wieder zurück, und von da an war das Oberwiesenfeld Münchens erster Flugplatz. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Grün zum Abladeplatz für zwölf Millionen Tonnen Schutt. Erst mit den Olympischen Spielen 1972 bekam es sein heutiges Gesicht - mit Zeltdach und See.

Viktualienmarkt: Das Geheimnis des Fischbrunnens

Wenn sich der München in der Innenstadt verabreden will, sagt er meist dasselbe: „Treff ma uns am Marienplatz beim Fischbrunnen.“ Was nur wenige wissen: Früher gab es auch einen Fischbrunnen am Viktualienmarkt - die Urversion sozusagen, wie das herrliche Bild links unten von Joseph Puschkin aus dem Jahre 1865 zeigt. Erst 1961 kam der dort weg. Der Grund ist simpel: Man brauchte mehr Platz auf dem Viktualienmarkt, das plätschernde Ding störte die Bürger schlichtweg. Aber wegschmeißen wollte man so ein Schmuckstück natürlich auch nicht - und so baute man an der Ecke Gabelsberger-/Dachauer Straße einen neuen Fischbrunnen - mit vielen Teilen des Baus vom Viktualienmarkt. Nur die drei lustigen Musikanten des alten Originals bekamen einen ganz besonderen Platz: Sie hängen an der Durchgangswand des Karlstors zur Fußgängerzone (siehe Foto), wo sie jeder sicher schon einmal gesehen hat. Seinen Namen trägt der Brunnen übrigens  nicht wegen der Fisch-Figuren, die teils eingearbeitet waren, sondern weil am Viktualienmarkt hauptsächlich Fischhändler ihre Standl um den Brunnen aufgebaut hatten. 

Weinstraße: Dicke Luft am Donisl

Sind Sie wieder mal im Stau gestanden? Dann trösten Sie sich mit dem Foto aus dem Jahr 1958. Damals bekam man sogar in der Weinstraße vorm Donisl kaum Luft wegen der täglichen Blechlawine.

Sind Sie am Freitag wieder mal im Stau gestanden? Dann trösten Sie sich mit dem Foto rechts aus dem Jahr 1958. Damals bekam man sogar in der Weinstraße vorm Donisl kaum Luft wegen der täglichen Blechlawine - da, wo heut Fußgängerzone ist. Der Münchner Merkur schrieb einst: „In unserer Ausgabe vom 7. November haben wir über die Verkehrsschwierigkeiten am Stachus geschrieben. Ähnlich schlimm ist das Durcheinander am Marienplatz. Unser Bild zeigt ein Musterbeispiel der Disziplinlosigkeit an der Weinstraße: Fußgänger und Autos machen. sich gegenseitig das Leben sauer.“ Was also tun? Damals hatte man keinen Plan, wie sich München entwickeln würde. So glaubte beispielsweise Stadtplaner Prof. Kurt Leibbrand allen Ernstes, dass auf dem Gelände des heutigen Mittleren Rings zwischen Ramersdorf und Effnerplatz Weideland für Schafherden entstehen würde. Schmarrn, wie wir wissen. Die Fußgängerzone wurde dann aber immerhin 1966 beschlossen und 1972 mit einer großen Parade eingeweiht. Ohne Autos!

Lesen Sie morgen: Napoleon am Stachus

Sie wollen noch mehr alte Fotos von München sehen? Hier finden Sie alle Teile der Serie:

Heinz Gebhardt

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