Erst dann sind Nachbesserungen möglich

Zittern um die MVV-Tarifreform: Daran könnte das Zonen-Modell noch scheitern

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Ticketautomaten in München (Symbolbild).

Kippt die MVV-Tarifreform? Der MVV-Chef verteidigt das Zahlenwerk vehement gegen Kritik. Nachbesserungen seien möglich – aber nicht jetzt, sondern frühestens in zwei Jahren.

München – Kurz vor seiner Pensionierung steht der MVV-Geschäftsführer Alexander Freitag (65) vor der vielleicht größten Herausforderung seiner 22-jährigen Amtszeit. Er will den Landkreisen eine Zustimmung zur MVV-Tarifreform abringen. Die Reform soll wie berichtet im Juni 2019 in Kraft treten – aus 16 Ringen und vier Zonen wird eine große städtische M-Zone mit sechs Zonen außenrum. Was Freitag als große Vereinfachung und „Schritt nach vorne“ lobt, stößt unter anderem im Landkreis München auf Kritik. Gemeinden wie Unterschleißheim oder Ismaning wollen unbedingt in die M-Zone, um Preissprünge für ihre Bürger zu vermeiden.

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Richtig spannend wird es erst im Herbst, wenn die Abstimmungen in den Landkreisen München, Freising und Erding ansteht. In Erding soll es Kritik an dem Betrag geben, den der Landkreis jährlich zusätzlich zahlen soll, um das Defizit abzudecken. Die Rede ist von mehreren hunderttausend Euro.

Zwei Kreistage haben schon zugestimmt

Die Kreistage in Bad Tölz-Wolfratshausen und Starnberg haben dem bereits zugestimmt. Auch der Münchner Stadtrat votierte gestern für den Kompromiss. Redner aller Fraktionen lobten die Einführung der einheitlichen M-Zone und die deutliche Bevorzugung von Kunden, die sich für eine Zeitkarte entscheiden. Trotzdem sei die Reform noch längst nicht in trockenen Tüchern, warnte Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD). „Die Signale aus dem Umland sind uneinheitlich.“ Reiter weiter: „Wenn sich nur ein Kreistag dagegen entscheidet, dann war’s das mit der Reform.“

Alexander Freitag: Er ist seit 22 Jahren MVV-Geschäftsführer.

Hauptstreitthemen im Münchner Stadtrat war die Forderung nach einem deutlich günstigeren 9-Uhr-Ticket. „Gerade im Berufsverkehr zwischen 6 und 9 Uhr ist der ÖPNV völlig überlastet – und anstatt den Verkehr zu entzerren, wird das 9-Uhr-Ticket quasi abgeschafft“, ärgerte sich FDP-Fraktionschef Michael Mattar. Das bisher deutlich günstigere 9-Uhr-Ticket soll nach der Reform nur noch rund vier Euro günstiger sein als der Normalfahrschein.

Für den Unmut in den Landkreisen gab es wenig Verständnis. CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl sagte: „Wir haben eine sehr gute Lösung für die Münchner erreicht, wir lassen uns dies aber auch einiges kosten.“ Die Stadt München subventioniert die Tickets in der neuen M-Zone mit jährlich 28 bis 40 Millionen Euro. „Die Landkreise können auch Geld dazu schießen und so für günstige Tickets sorgen“, meinte Pretzl.

Fürstenfeldbruck stimmt am Donnerstag ab

Die nächste Klippe muss am Donnerstag überwunden werden: Der Kreistag in Fürstenfeldbruck stimmt ab. Im Vorfeld zerriss der Grünen-Kreisrat Martin Runge die Reform in der Luft. Auch er fokussiert sich auf diejenigen, die aus dem Fürstenfeldbrucker Landkreis bisher in Ring 4, also Pasing, gefahren sind. Für sie wird es teurer, das sei „korrekt“, heißt es in einem internen MVV-Papier. Doch sei „lediglich ein besonders kleiner Kundenkreis betroffen“ – nur 0,5 Prozent der Zeitkartenkunden.

Die Reform „ist kein Selbstläufer“, hat Freitag erkannt. Die Kritik könne er nachvollziehen, doch eine Alternative sehe er nicht. „Es macht keinen Sinn, jetzt an bestimmten Stellen nachzubessern.“ Damit „schafft man Präzedenzfälle“. Die Reform müsse mindestens ein Jahr laufen, dann könne aufgrund einer vereinbarten Revisionsklausel an bestimmten Stellen nachgebessert werden – frühestens im Jahr 2020. Die Kommunalpolitik ruft er dazu auf, standhaft zu bleiben. „Die Politik muss Rückgrat zeigen.“

Ob sein Appell wirkt, wird sich wohl erst im Herbst zeigen. Aber vielleicht ist Geschäftsführer Freitag dann schon in Pension.

Dirk Walter und Marc Kniekamp

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