CSU-Vorschlag

Doppelstöckiger Tunnel? Spektakuläre Pläne für Express-Röhre durch München

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Wollen Giesing entlasten: Der Landtagsabgeordnete Andreas Lorenz (li.) und Verkehrsplaner Martin Vieregg stellten die Tunnel-Pläne im Giesinger Motel One vor.

Lange Staus, viel Lärm und dicke Abgasschwaden – die Giesinger an der Chiemgau- und Tegernseer Landstraße müssen einiges aushalten. Doch für den dringend gewünschten Tunnel ist keine Planung in Sicht. Der CSU-Landtagsabgeordnete Andreas Lorenz hat nun eine neue Idee: einen Express-Tunnel.

Der Giesinger Politiker schlägt keinen Ersatz, sondern eine Auslagerung von großen Teilen des Verkehrs am Mittleren Ring in einen unterirdischen Bypass vor. Der neue Tunnel soll zwischen dem ehemaligen Osram-Gelände und dem McGraw-Graben verlaufen und in rund 35 Metern Tiefe den U-Bahnhof Wettersteinplatz kreuzen.

Verkehrsplaner Martin Vieregg, der die Lorenz-Idee technisch ausgearbeitet hat, schlägt eine doppelstöckige vierspurige Röhre vor. So etwas gibt es laut Vieregg bislang in Deutschland noch nicht. Errichtet man den Doppelstock-Tunnel in bergmännischer Bauweise im sogenannten Schildvortriebsverfahren, wäre er laut Vieregg mit geschätzt 230 Millionen Euro deutlich billiger als alle bisherigen städtischen Vorschläge für einen Giesinger Tunnel.

90.000 Fahrzeuge könnten abgeleitet werden

Mehr als 90.000 Fahrzeuge, in erster Linie Lkw, könnten durch den Express-Tunnel abgeleitet werden. Nach Berechnungen von Martin Vieregg geht es um Verkehrsverlagerungen von etwa 82 Prozent von der Candidbrücke. An der Tegernseer Landstraße wären es etwa 60 Prozent, rund 59 500 der von der Stadt für 2025 prognostizierten 150 000 Fahrzeuge. Eine deutliche Entlastung für die Anwohner in Untergiesing sowie an der Tegernseer Landstraße, sagt Lorenz. Eventuell könnte die Tegernseer Landstraße hier dann zurückgebaut und aufgewertet werden. „Die trennende Wirkung, die der Mittlere Ring heute in Giesing hat, würde sich spürbar reduzieren, Giesing könnte zusammenwachsen.“

Durch die Verkehrsreduzierung würde sich auch die Ein- und Ausfädelproblematik an der Chiemgaustraße /Tegernseer Landstraße von selbst auflösen, glaubt Lorenz. Am Ende könnte man sich sogar die Candidbrücke sparen, meint Vieregg, der dort mit dem Express-Tunnel nur noch einen Rest von 20 000 Fahrzeugen (statt 111 000) errechnet hat. Die auf dem Ring übrig bleibenden Autofahrer müssten stattdessen einfach auf den Candidberg ausweichen.

Wollen Giesing entlasten: Der Landtagsabgeordnete Andreas Lorenz (li.) und Verkehrsplaner Martin Vieregg stellten die Tunnel-Pläne im Giesinger Motel One vor.

Andreas Lorenz plädiert zudem für eine Anbindung des Grabens und somit des Express-Tunnels an die Stadelheimer Straße. So könnte ein Teil des Verkehrs – rund 12 000 Fahrzeuge – in die nach Ansicht von Lorenz besser ausgebaute und damit leistungsfähigere Parallele zur Chiemgaustraße umgeleitet werden. Vor allem Lkw sollen diese Route nutzen. Die Laster müssten wegen der zu niedrigen S-Bahn-Unterführung am Mittleren Ring (Höhe Aschauer Straße) ohnehin auf die Ständlerstraße ausweichen. Um den umgeleiteten Verkehr danach wieder auf den Ring zu bringen, schlägt Vieregg eine Rampe auf die Salzburger Autobahn Richtung Ortskern Ramersdorf vor.

Lösung ist banal und naheliegend

„Die bisherigen Tunnelpläne waren mangelhaft bis unzureichend“, sagt Lorenz. Sehr teuer, mit erheblichen Problemen für die Anlieger und einem Verkehrskollaps während der Bauzeit. „Meine Lösung ist eigentlich banal und naheliegend.“

Als interessante Idee bezeichnet der Chef der CSU-Rathausfraktion, Manuel Pretzl, den Vorstoß seines Parteikollegen. „Das könnte die Leute echt entlasten“, sagte er. Pretzl versprach, die Pläne ins Rathaus mitzunehmen. „Schließlich gibt es keine Stelle in München, wo so viele Autos direkt vor der Tür vorbeifahren.“

„Eine erfrischende neue Lösung“, sagt auch der städtische Baustellen-Koordinator Stefan Bauer. Vor allem wegen der problematischen Baustellenabwicklung komme man derzeit in Giesing nicht von der Stelle. Allerdings sei es politisch bisher nie gewollt gewesen, die Stadelheimer Straße einzubeziehen.

Die etwa 60 zum Vorstellungstermin gekommenen Bürger zeigten großes Interesse, aber auch ziemliche Skepsis. Alles, was Erleichterung bringe, sei positiv, sagte ein Anlieger. Ob die Idee umsetzbar und finanzierbar sei, sei eine andere Frage. Andreas Lorenz strebt ein Ja zum Tunnel in Giesing möglichst noch in dieser Stadtratsperiode (bis 2020) an. Nach zehn Jahren Entwicklungs- und fünf Jahren Bauzeit wäre der Tunnel dann frühestens 2035 fertig.

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Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebook-Seite „Giesing – mein Viertel“.

Von Carmen Ick-Dietl

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