Nach der unfassbaren Leichenverwechslung

Hier holen sie den falschen Sarg aus dem Grab

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Exhumierung in der Dunkelheit: Um 6.20 Uhr hoben Mitarbeiter der Sendlinger Friedhofsverwaltung am Freitag den verwechselten Sarg.

München - Nach der unfassbaren Leichenverwechslung am Münchner Ostfriedhof wurde am Freitag im Morgengrauen ein Sarg aus seinem Grab geholt. Der fatale Irrtum wird folgen haben.

Eisig ruht der Sendlinger Friedhof in der Nacht. Seit Stunden schon hat sich der Frost über die Gräber am Harras gelegt. Freitag, 5.30 Uhr: Es ist stockfinster. Man sieht die Hand vor Augen nicht – nur einzelne Grablichter flackern müde im Wind. Hier, im Schutze der Dunkelheit, treten die Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung in aller Herrgottsfrühe an das Grab von Johann Gsch. (88). Heimlich, still und leise wollen sie ihren schweren Fehler beseitigen, der sich wie ein dunkler Schatten über die Geschichte zweier Münchner Familien legt, deren Verstorbene die letzte Ruhe suchen.

Mit zwei Baggern und grellen Flutlichtstrahlern rumpeln die Arbeiter kurz nach sechs Uhr durch die vereiste Friedhofspforte. Sie wollen den Sarg des verstorbenen Johann Gsch. aus Untersendling heben – denn darin liegt seit Wochen versehentlich der Leichnam von Heinz Sch. (86) aus Schäftlarn.

Der traurige Skandal: Bereits Ende November haben die Bestatter am Ostfriedhof zwei Tote verwechselt. Der Leichnam von Schachtarbeiter Johann Gsch. wurde im falschen Grab beerdigt und galt deshalb wochenlang als vermisst. Der Körper des Ingenieurs Heinz Sch. (86) lagerte währenddessen unbemerkt in der Kühlkammer.

Freitagmorgen gegen 6.20 Uhr exhumieren die Bagger im grellen Licht der Strahler den Sarg mit dem Leichnam von Heinz Sch. – je zwei Polizisten und Mitarbeiter der Stadt heben den Deckel an. Kurz darauf wird bei minus sieben Grad der Leichnam von Johann Gsch. in das Familiengrab hinabgelassen, wo auch seine engsten Angehörigen liegen.

Mittlerweile ist die Identität der beiden Toten durch einen Abgleich des Sterbebildes und des Namensschildes am Sarg zweifelsfrei geklärt. „Der traurige Verdacht, dass zwei Särge am Ostfriedhof aufgrund einer Namensähnlichkeit verwechselt wurden, hat sich damit bestätigt. Ich bedaure dies sehr und entschuldige mich dafür ausdrücklich bei den Angehörigen“, sagt Kriemhild Pöllath-Schwarz, Leiterin der Städtischen Friedhöfe. „Wir wissen, das ist unverzeihlich“, sagt Katrin Zettler vom Referat für Gesundheit und Umwelt.

Wie konnte das nur passieren? Eigentlich wird der Sarg angeliefert und vom Aufbahrer geöffnet, dann folgt ein Abgleich der Dokumente. Außen hängt ein Kopfzettel, auf dem Name, Todes- und Bestattungsart vermerkt sind. Auf dem Fußzettel im Inneren stehen die Informationen des Arztes. Bei Übergabe prüft der Bestatter erneut. Und: Auch die Namen der beiden Toten ähneln sich nicht wirklich.

„Der Fehler war menschliches Versagen“, sagt Zettler. „Und er wird arbeitsrechtliche Konsequenzen haben.“


Andreas Thieme

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