tz besucht Münchner Edel-Club

P1 in München: Rettet diese Idee die Clubszene aus der Corona-Pause? Wirt blickt auf Merkel, Spahn und Söder

Gäste feiern am 09.07.2013 in München (Bayern) in der Nobeldisco P1.
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Die Außenterrasse des Münchner P1: Mittlerweile darf sie wieder öffnen - brechend voll wird es dort aber wohl noch länger nicht werden.

Gähnende Leere: Das Nachtleben in München steht seit weit über einem Jahr still. Wie hat das P1 die Corona-Pause überstanden? Wir fragen nach.

München - Dass es die letzte Party für so lange Zeit sein würde, wusste niemand an diesem 7. März 2020, im Münchner Club P1. Unsicherheit war aber schon zu spüren, erinnert sich Geschäftsführer Sebastian Goller. „Damals haben viele Leute gefragt, wie das jetzt mit Corona ist“, sagt er. „Aber wie man an das Thema rangehen soll, gerade als Club, das wusste niemand. Was genau heißt Abstand halten, was sind Aerosole, warum ist dieses Virus so leicht übertragbar – das alles wirkte surreal.“

Corona in München: P1 wieder geöffnet - zumindest auf der Terrasse

Seit diesem 7. März sind 452 Tage vergangen. Goller empfängt an einem auf der überdachten Terrasse des Clubs, unter dem Haus der Kunst. Seit Kurzem dürfen sie hier draußen wieder Gäste bewirten, die Außengastro ist Mittwoch- bis Samstagabend geöffnet, immerhin.

P1 in München: Corona-Pandemie hatte auch gute Seiten - Geschäftsführer nutzte die Zeit

Der Geschäftsführer, 33, Sohn des P1-Besitzers Franz Rauch, will die positiven Dinge der Corona-Zeit betonen. „Man konnte mal wieder eine Bestandsaufnahme machen, aufräumen, sich überlegen, wie der Club auch in den nächsten zehn Jahren erfolgreich bleibt“, sagt er. „Wenn alles wieder aufmacht, sollen sich die Leute nicht an unser Jammern erinnern – und sich auch nicht fragen, ob es uns überhaupt noch gibt.“

Entlassen musste Goller niemanden der 20 Festangestellten. Auch die Soforthilfen kamen letztlich alle an. Aber Bestandsaufnahmen dauern keine 15 Monate. Und man kann seine Räume noch so toll renovieren: Wenn niemand drin feiert, bleibt alles seltsam tot. „Wir bieten den Leuten eine Zeit, in der sie loslassen können. Und das vermissen gerade sehr viele.“

München: Wie kommt P1 aus Corona-Pause? „Man kann nicht viel planen, ohne dass man die Regeln kennt“

Wobei zur Wahrheit auch gehört, dass man erst mal reinkommen muss in diesen Club, den viele einfach nur Oanser nennen. Die P1-Tür gilt als eine der strengeren Sorte, auch wenn Goller das Wörtchen „elitär“ nicht mag. Eine Mischung der Bevölkerungsstruktur sei schon wichtig, erklärt er. Und: „Wer ein gutes Charisma versprüht, sollte auch reinkommen.“

Hauptsache irgendwann wieder aufsperren, aber: „Man kann nicht so viel planen, ohne dass man die Regeln kennt“, sagt Goller. „Wie viele dürfen rein, muss jede Gruppe einen eigenen Tisch haben? Man weiß es einfach nicht.“ Mit welchem Song er die erste große Party durchstarten lassen würde? Gimme! Gimme! Gimme von Abba, sagt Goller, wegen der Euphorie in dem Song.

Corona: Feiern in München? Party-Szene wird wohl noch auf Lockerungen warten müssen

Dass das Warten lange dauert, ist nicht überraschend: Die bayerische Staatsregierung hat früh klargemacht, dass durchfeierte Nächte zum letzten gehören werden, das wieder erlaubt wird. Ministerpräsident Söder erklärte im vergangenen Sommer sogar lapidar, man könne ja auch zu Hause mit der Partnerin tanzen – ein Satz, der bei sehr vielen Menschen aus der Clubszene sehr schlecht ankam.

Überhaupt: die Politik, ein heikles Thema. Generell sei schon vieles ganz gut entschieden worden, sagt er, gerade am Anfang der Pandemie. Und er wolle auch nichts verharmlosen. Was er sich wünschen würde? „Mehr direkten Draht zu den Behörden. Dass man nicht alle Infos aus Pressekonferenzen ziehen muss, in denen man nicht gleich alles versteht.“

München: Spahn, Merkel und Söder plötzlich Thema im P1 - Wirt würde jeden Gast an der Tür testen

Auch im P1 schauen sie auf Spahn oder Merkel oder Söder, hoffen auf gute Nachrichten für ihre Branche, einen Fahrplan, eine wuchtige Öffnungsmatrix, was auch immer.

Dabei würden sie auch jeden Gast direkt vor der Tür testen, genau wie viele andere Clubs und Diskotheken. Rein zum Feiern dürfte dann nur, wer negativ getestet oder vollständig geimpft ist. Ob das reicht, um auch das Nachtleben langsam wieder hochzufahren? Unklar, wie so vieles. Noch mehr Nachrichten aus München lesen Sie hier. *tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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