Nachtclub-Attacke vor Gericht

P1-Schläger zertrümmert Marc S. das Gesicht: „Ärzte warnten mich vor dem Anblick“

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Das Opfer und der Schläger: Marc S. erlitt mehrere Gesichtsfrakturen (l). Rechts: Murat P.

Marc S. (28) wurde vor dem P1 in München brutal niedergeschlagen. Vor Gericht entschuldigte sich der Täter, doch die Folgen für das Opfer bleiben.

München - Sein Gesicht ist völlig zugeschwollen. Der Kiefer: gebrochen, so wie auch das Jochbein und die Augenhöhle. Mit diesen schweren Verletzungen wachte Marc S. (28, Name geändert) an Neujahr 2018 im Krankenhaus auf – brutale Schläge hatten ihn vor der Disco P1 niedergestreckt.

Angriff vor in München vor P1-Club: Täter gesteht sofort

Den Rettungskräften bot sich ein erschreckendes Bild: Der schmächtige Mann lag völlig ausgeknockt und mit zahlreichen Brüchen gegen 5:50 Uhr morgens in einer Blutlache vor dem Club. Den Notruf hatte Murat P. (20, Name geändert) abgesetzt. „Ich bin der Täter“, gestand er sofort, als die Polizei eintraf. Später notierte ein Beamter: In der Vernehmung habe P. angegeben, dass er früher Kickboxen trainiert hatte. Aufgrund der Kampfsporterfahrungen und der schweren Gesichtsverletzungen wurde P. dann wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt.

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Ihm musste Marc S. nach etwas mehr als einem Jahr am Montag wieder gegenübertreten. Einen Handschlag vor dem Prozess verweigerte er. „Auch wenn ich grundsätzlich bereit bin, eine Entschuldigung anzunehmen.“

Prügel-Opfer Marc S. (28, rechts) mit seinem Rechtsanwalt Nicolas Frühsorger im Strafjustizzentrum an der Nymphenburger Straße.

Diese folgte dann zum Prozessauftakt. „Mein Mandant gibt alles zu und möchte sein Bedauern zum Ausdruck bringen“, ließ Murat P. über seinen Verteidiger Hans-Peter Meier erklären. Während der Angeklagte selbst mit feuchten Augen den Blick senkte. Auf der Anklagebank war der bullige Student sichtlich mitgenommen. Seine Reue wirkte glaubhaft. Bis heute kann Murat P. selbst kaum fassen, wie schwer er sein Opfer verletzt hat. Laut Gutachten zertrümmerten seine Boxhiebe nahezu das gesamte Gesicht von Marc S. „Als ich im Krankenhaus wieder zu mir kam, warnten mich die Ärzte vor meinem Anblick“, schilderte er gestern Amtsrichterin Bader. Sie muss nun klären, wie es genau zu dem Streit kam, der so folgenschwer endete.

„Ich wurde geschubst und geschlagen. Danach war ich bewusstlos.“

Was genau passiert ist, darüber gehen die Meinungen auseinander. Marc S. sagt, eine Frau habe ihn angetanzt, auf der Tanzfläche hätte er mit ihr Zärtlichkeiten ausgetauscht und sei später mit ihr nach draußen gegangen, dort habe ihn dann eine Gruppe Männer aufgemischt. „Ich wurde geschubst und geschlagen. Danach war ich bewusstlos.“ Ein Jahr lang konnte Marc S. nicht richtig arbeiten oder lernen. Im Klinikum rechts der Isar wurden ihm zwei Titan-Platten ins Gesicht eingesetzt. Äußerlich sieht man davon nichts, aber S. leidet bis heute unter Schlaf- und Konzentrationsstörungen.

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Murat P. behauptet, er sei vor den Schlägen von Marc S. provoziert worden. Der habe seine Freundin angestarrt und sei der Gruppe bis auf einen Parkplatz nachgelaufen. Die Videoaufnahmen der Disco bestätigen das nicht. „Der Täter verharmlost seine Handlung und versucht, dem Opfer eine Mitschuld durch provokantes Vorverhalten zu unterstellen“, kritisierten die Nebenklage-Anwälte Nicolas Frühsorger und Wolfgang Stinglwagner.

Spätere Fortsetzung des Prozesses in München

Ob es sich bei der Frau, die Marc S. erwähnte, um die Freundin von Täter Murat P. handelt, ist noch nicht geklärt. Bis das Gericht die Video-Aufnahmen vollständig ausgewertet hat, ist der Prozess nun ausgesetzt.

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Video: Die knallharte Türsteherin vor dem Nobel-Club P1

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