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München: Turbo für die Türme an der Paketposthalle - Planungen sollen vorangetrieben werden

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Sorgen für Diskussionen: Die Pläne für Hochhäuser an der Paketposthalle.
Sorgen für Diskussionen: Die Pläne für Hochhäuser an der Paketposthalle. © Herzog & de Meuron

Es bleibt dabei: Die Stadt wird kein Ratsbegehren zu einer Hochhausgrenze initiieren. Stattdessen sollen die Planungen auf dem Areal der Paketposthalle zügig vorangetrieben werden.

München - Die Entscheidung kam zustande, weil sich Grüne und CSU auf keine gemeinsame Haltung verständigen konnten. Während die Grünen wie im Jahr 2004 erneut alle Bürger über die Hochhausfrage abstimmen lassen wollten, plädierte die CSU für ein projektbezogenes Votum über die Planung an der Paketposthalle in Neuhausen. Dort ist allerdings ohnehin ein Bürgerbegehren der Initiative „HochhausSTOP“ im Gange. Sie will die Gebäudehöhe auf maximal 60 Meter begrenzen. Für einen Bürgerentscheid bräuchten die Hochhausgegner 35.000 Unterschriften, haben aktuell aber erst rund 18.000 beisammen.

München: Projekt Paketposthalle beinhaltet zwei 155 Meter hohe Türme

Unabhängig von ihrer Forderung nach einem neuerlichen Bürgerentscheid halten die Grünen eine pauschale Höhenbegrenzung für nicht mehr zeitgemäß. Dies bekräftigte Fraktionschef Dominik Krause. Seine Parteikollegin Anna Hanusch bezeichnete das Projekt Paketposthalle als „große Chance für diese Stadt“. Es könnten kostengünstige Wohnungen (50 Prozent der Gesamtzahl von 1.100) und ein urbaner Nutzungsmix mit viel Grün entstehen. Zudem werde die Halle für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Paketposthalle hat eine Spannweite von 147 Metern, ist 124 Meter lang und 31 Meter hoch.

SPD und FDP lehnten einen wie auch immer gearteten Bürgerentscheid ab. Fraktionschef Christian Müller sagte: „Eine platte Grenze von 100 Metern ist kein sinnvoller Beitrag zur Hochhaus-Diskussion.“ Wichtig sei vielmehr eine differenzierte Betrachtung nach Stadtvierteln und Gestaltungskriterien. Die Hochhaus-Studie liefere hier den Orientierungs-Maßstab. Besonders wichtig sei beim Standort Paketposthalle, die soziale Balance zu wahren, weshalb auch in den Hochhäusern bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden soll. Müller und FDP-Fraktionschef Jörg Hoffmann erinnerten daran, dass von dem Projekt des Investors Ralf Büschl die Allgemeinheit profitiere, weil es in diesem Bereich bislang nur Gewerbebauten gebe. Hoffmann: „Hochhäuser sind nicht per se schlecht.“

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Angst vor Luxuswohnungen - Münchner Projekt könnte für noch mehr Druck auf Wohnungsmarkt sorgen

CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl sagte, das Projekt bewege die Stadt München. „Deswegen sollte man auch die Bürger dazu befragen.“ Ungeachtet dessen unterstütze die CSU die Planungen zur Paketposthalle in der überwiegenden Mehrheit. Die Fraktionen Linke/Die Partei, ÖDP/München-Liste sowie die AfD lehnen das Projekt hingegen ab. Dirk Höpner (München-Liste) befürchtet, dass Luxuswohnungen entstehen. Außerdem sei die Anzahl der Büroflächen – es sollen 3.000 Arbeitsplätze geschaffen werden – überdimensioniert. „Dieses Quartier sorgt für noch mehr Druck auf dem Wohnungsmarkt“, sagte Höpner.

Imvestor Büschl hat seine Pläne inzwischen auf Basis eines Bürgergutachtens überarbeitet. Demnach sind mehr Grünflächen vorgesehen, vor allem ein Quartierpark direkt vor der denkmalgeschützten Paketposthalle. Zudem ist ein weiteres Gebäude mit rund 70 Meter Höhe in Holzhybridbauweise geplant – nur für geförderten und preisgedämpften Wohnraum. Prinzipiell verspricht Büschl eine „lebendige Mischung von Wohnen, Erleben, Einkaufen, Gastronomie und Arbeiten“. Zudem würden drei unterschiedliche Fassadenvarianten sowie eine Erschließung der Hochhäuser womöglich auch ohne Schrägaufzüge untersucht. Laut Stadtbaurätin Elisabeth Merk ist Anfang 2023 eine Bürgerbeteiligung mit Workshops zur künftigen Hallennutzung geplant.

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