Wütende Bürger der Maxvorstadt

„Für uns der blanke Terror“: Anwohner von Party-Hotspot schildern heftige Details - Sogar Schule betroffen

Die Türkenstraße in der Maxvorstadt
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Beliebter Treff des Feiervolks: Die Türkenstraße in der Maxvorstadt.

In Münchens Zentrum herrschen schlimme Zustände: Im Bezirksausschuss Maxvorstadt bricht sich der Zorn über die nächtlichen Partys der vergangenen Wochen Bahn.

München - „Es ist für uns eine neue Situation und mit dieser Vehemenz haben wir alle nicht gerechnet“, mit diesen Worten eröffnete die Vorsitzende des Bezirksausschusses (BA) Maxvorstadt, Svenja Jarchow-Pongratz (Grüne) die Sitzung – angesichts der wütenden Bürger, die ihr da gegenüberstanden.

Sie sind müde und verzweifelt, denn die Party-Situation in der Maxvorstadt ist in kürzester Zeit aus dem Ruder gelaufen. Mit Scherben, Müll, Lärmbelästigung, öffentlichem Urinieren und Menschenmassen sehen sich die Maxvorstädter vor allem auf der Türkenstraße konfrontiert (wir berichteten).

München-Maxvorstadt: Aus der Türkenstraße wird der „blanke Terror“

„Die Situation ist für uns der blanke Terror“, schreibt Werner Prügner in seiner Petition für ein Alkoholverbot ab 22 Uhr in der Maxvorstadt. „Ich erkenne die Türkenstraße nicht wieder“, pflichtete Alexander Rothenanger, einer der Anwohner, im BA bei. Die Hinterlassenschaften der Feiernden – Glasscherben und Erbrochenes – würden immer mehr zu einer Last. „Mein Sohn hat schon zu mir gesagt: ,Papa, es ist ganz schön eklig geworden, hier zu wohnen‘“, berichtete er. Hinzu kommen Klingelstreiche, wodurch „an Schlaf sowieso nicht zu denken“ sei.

Auch Jutta B. kommt nachts nicht zur Ruhe. Denn auf der Straße werde bis morgens um fünf Uhr gegrölt und laut Musik gehört, sagte sie. Mit einem Dezibelmessgerät messe sie noch im fünften Stock 70 bis 80, manchmal sogar 90 Dezibel. Zum Vergleich: Starker Stadtverkehr erreicht eine Lautstärke von 80 Dezibel und bereits bei einem andauernden Lärm von über 50 Dezibel zeigen schlafenden Menschen Stressreaktionen, die zu gesundheitlichen Schäden führen können. „Da findet schon wirklich Gesundheitsschädigung statt“, schimpfte die Anwohnerin unter Applaus der anwesenden Bürger.

Sogar die Grundschule an der Türkenstraße ist von der Dauer-Party betroffen. Hausmeister Dominik Braun berichtete von „massiver Sachbeschädigung, öffentlichem Urinieren und Einbrüchen“.

München: Party-Terror für die Anwohner - Welche Maßnahmen geplant sind

Die Münchner Polizei* ist natürlich regelmäßig vor Ort. „Sie können sicher sein, dass die Thematik in der Einsatzplanung eine große Rolle spielt“, versicherte Stephan Funk, Leiter der zuständigen Polizeiinspektion 12. Die Ursachen für den großen Andrang auf öffentlichen Plätzen seien der Wegfall von Gastronomien, die sinkenden Inzidenzen und das schöne Wetter. Erschwerend komme hinzu, dass Lieferdienste zu Supermarktpreisen Alkohol an die Plätze liefern. Die Räumungen beispielsweise des Georg-Elser-Platzes seien aber zu 95 Prozent kommunikativ gelöst worden. „Wir wollen nicht mit Helm und Schlagstock auf den Platz“, stellte Funk klar.

Jens Kurbjeweit sieht die Ursache für das Party-Ausmaß in den Gastronomien. Allein einmal um den Block zählte er 80 bis 90 gastronomische Betriebe, durch die eine solche Party-Situation entstehe. „Warum muss die Stadt in diesem Maße Gastronomien genehmigen?“, fragte er. Außerdem kritisierte er die zunehmende Kommerzialisierung von öffentlichen Plätzen durch Freischankflächen.

Klar ist: „Die Situation ist weit über dem, was man Anwohnern zumuten kann“, fasste BA-Chefin Jarchow-Pongratz zusammen. Mit einem Maßnahmenpaket soll die Situation unter Kontrolle gebracht werden. Dafür fordert der BA ein Alkoholverbot, das sich an den Öffnungszeiten der Schanigärten orientiert, vermehrte Polizeieinsätze und ein münchenweites* Konzept des Sicherheits- und Aktionsbündnisses Münchner Institutionen (S.A.M.I) sowie der Fachstelle Moderation der Nacht. Denn diese Situation betrifft nicht nur die Anwohner der Türkenstraße. *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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