Nach Ärger um Ludwig-Thoma-Straße

Straßen-Umbenennung: CSU will, dass Münchner mitreden - „Unwürdiges Versteckspiel“

Die Ludwig-Thoma-Straße in Pasing gibt Anlass zur Debatte.
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Die Ludwig-Thoma-Straße in Pasing gibt Anlass zur Debatte.

Bevor in München Straßen umbenannt werden, sollen auch die betroffenen Bürger zu Wort kommen. Das fordert die CSU in einem Antrag. Hintergrund ist etwa die Diskussion um die Ludwig-Thoma-Straße.

München - Die Debatte um die Ludwig-Thoma-Straße hat in München* die Gemüter erregt (wir berichteten): Soll die Straße in Pasing* umbenannt werden, weil Thoma einst durch gravierende antisemitische Äußerungen auffällig geworden war? Die Diskussion ist im Münchner Stadtrat noch nicht beendet – aber vertagt. Die CSU will nun Bürger zu Wort kommen lassen.

In einem Antrag der Stadtratsfraktion heißt es, dass in der Bevölkerung immer häufiger der Eindruck entstehe, dass über Straßennamen in München nur eine exklusive Expertengruppe befinde. Der Bürgerwille, der maßgeblich einfließen solle, werde unterdessen nicht gehört. „Das unwürdige Versteckspiel bei den Straßenumbenennungen muss ein Ende haben“, sagt CSU-Vize Hans Theiss.

Straßen-Umbenennung in München: 45 Namen mit erhöhtem Diskussionsbedarf

Wie berichtet, hatte die Stadt alle Straßennamen prüfen lassen, dadurch sind zwei Listen entstanden: eine lange mit 327 Straßennamen mit problematischer Konnotation, und eine kurze Liste mit 45 Namen. Bei der Emil-Nolde, Kardinal-Faulhaber-, Martin-Heidegger-, Messerschmitt-, Richard-Wagner, Richard-Strauss- oder der Robert-Koch-Straße bestehe erhöhter Diskussionsbedarf. Ein Gremium mit Fachleuten – etwa vom Stadtarchiv, dem NS-Dokuzentrum oder dem Jüdischen Zentrum – sollen diese Liste abarbeiten und eine Empfehlung aussprechen. Entscheiden muss dann der Stadtrat.

CSU-Vize Hans Theiss: „Geht nicht um Historikerschach“

Die CSU nun will zuvor aber noch die Bürger hören, etwa bei einer Bürgerversammlung. Auch dieses Votum soll der Stadtrat berücksichtigen. Außerdem wird die Verwaltung aufgefordert, die Liste der 327 Straßennamen zu veröffentlichen, um Transparenz zu schaffen. Zudem müssten die Kriterien, nach denen diese Einteilung getroffen wird, publik gemacht werden. Theiss sagt, das intransparente Vorgehen der Stadtverwaltung nähre die Vorwürfe eines klammheimlichen Kulturkampfes unter Ausschluss der Öffentlichkeit. „Für mich wäre es eine Selbstverständlichkeit, dass die Bürger vor Ort mehrheitlich darüber entscheiden, ob eine Straße umbenannt wird oder nicht. Hier geht es nicht um Historikerschach, sondern der Bürgerwille muss am Ende respektiert werden.“ - *tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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