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Heimplatz mit Fragezeichen

Zu wenig Personal für vollständige Belegung: Das ist das Münchner Pflege-Problem

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Warten auf einen Heimplatz: Gisela und Kurt Kaiser in ihrer Wohnung in Obermenzing.

Die Nachfrage nach Pflegeplätzen steigt - doch aktuell kann die Stadt den Bedarf nicht decken. Das liegt nicht an den verfügbaren Plätzen, sondern an einem anderen Grund. 

München - Seit 2007 leben Sabine Kaiser (50) und ihre Kinder mit Oma Gisela (87) und Opa Kurt (93) in Obermenzing unter einem Dach. Davon profitieren drei Generationen – man hilft sich gegenseitig. Vor zwei Monaten wird es plötzlich schwierig: Dem Opa geht gesundheitlich so schlecht, dass die Hilfe zu Hause immer schwieriger zu bewerkstelligen ist. Und Tochter Sabine ist berufstätig, kann sich nicht rund um die Uhr kümmern. Familie Kaiser trifft gemeinsam eine schwere Entscheidung: Opa wird mittelfristig ins Pflegeheim umziehen, Oma zum gegebenen Zeitpunkt folgen. Die Familie wäre sich damit trotzdem noch nahe, denn die Kaisers wohnen direkt gegenüber dem Alfons-Hoffmann-Haus des Münchenstifts. Nur: Dort gibt es keinen Platz – wie in vielen Einrichtungen in der Stadt.

„Wenn jemand einen Pflegeplatz braucht, muss es schnell gehen. Denn erst wenn der Umzug in ein Pflegeheim unausweichlich ist, bewirbt man sich“, sagt Sabine Kaiser. Diesen Schritt zu wagen, sei schon belastend genug. Dann zeitnah keinen Platz zu bekommen mit noch mehr Stress verbunden, schildert die Start-up-Beraterin. „Für uns ist es wichtig, in der Einrichtung nebenan einen Platz zu bekommen – dann können wir weiterhin in engem Kontakt bleiben.“

München: Freie Pflegeplätze können nicht belegt werden

Vom Alfons-Hoffmann-Haus profitiert die Familie aber jetzt schon, obwohl in dem Haus noch kein Platz frei ist: Kurt und Gisela gehen, wie andere Senioren aus der Nachbarschaft, ein bis zwei Mal die Woche mittags in das barrierefreie Restaurant des Pflegeheims. Sabine Kaiser findet, das sei ein gutes Angebot, das auch andere Einrichtungen verstärkt haben sollten: „Meine Eltern können sich jetzt schon ein bisschen eingewöhnen, können das Essengehen mit einem Spaziergang verbinden und bekommen gutes, seniorengerechtes Essen, ohne selbst kochen zu müssen. Außerdem haben sie Kontakt zu Menschen ihres Alters.“ Trotzdem hofft Sabine Kaiser, dass ihre Eltern bald einen richtigen Pflegeplatz bekommen.

Will ihren Eltern nah sein: Tochter Sabine Kaiser.

Das Beispiel ist bei Weitem kein Einzelfall. Die Pflegeheime in München sind voll, und dennoch können freie Plätze nicht belegt werden – weil es an Personal fehlt. Von den 8048 Plätzen in den 59 vollstationären Einrichtungen waren Ende vergangenen Jahres 291 Plätze aus diesem Grund nicht belegbar. Die übrigen sind zu 95,9 Prozent ausgelastet, bei der Münchenstift (2820 Plätze) waren es sogar 99,55 Prozent. Zuletzt war es im Jahr 2016 derart eng mit den Plätzen.

München: Bedarf an Pflegeplätzen wird steigen

Birgit Greger vom Sozialreferat, die den Bericht verfasst hat, schreibt: „Damit wird deutlich, dass die Auslastung der vorhandenen Plätze auf einem sehr hohen Niveau liegt und offenbar nach wie vor eine hohe Nachfrage nach vollstationären Pflegeplätzen in der Landeshauptstadt München besteht.“

Bereits 2016 hatte Sozialreferentin Dorothee Schiwy (SPD) gewarnt, dass in München die Zahl der Menschen über 80 Jahre stark zunehmen werde. Dazu komme die steigende Zahl Demenzkranker. Zwar sind nicht alle Personen über 80 pflegebedürftig, aber ab diesem Alter benötigt laut Stadt mehr als jeder Dritte Hilfeleistungen.

München: Stadt legt nach bei Pflegeplätzen

Die Stadt steuert im Rahmen ihrer Möglichkeiten dagegen. So hat sie das Platzangebot bereits ausgebaut, 353 Plätze sind seit 2017 im vollstationären Bereich dazugekommen. „Zudem reserviert die Stadt Flächen für Neubauten“, sagt Greger. Doch mit neuen Gebäuden allein ist es nicht getan, sagt SPD-Sozialpolitikerin Anne Hübner. „Es braucht auch Personal, und das muss gut bezahlt werden.“ Mittlerweile bieten 51 Einrichtungen in der Stadt bereits Betriebswohnungen an, um für neue Pflegekräfte attraktiv zu sein. Allerdings: Erhöhen die Arbeitgeber die Gehälter, zahlen das diejenigen, die die Pflegeplätze in Anspruch nehmen. „Die Pflegeversicherungen müssten dynamischer werden und jedes Jahr mehr zahlen“, sagt Hübner. Das müsste aber der Bund regeln.

Kürzlich wurde bekannt, dass Mäuse im Münchenstift in Schwabing ansässig sind. Das Münchenstift-Pflegeheim St. Josef in Sendling muss nach 40 Jahren saniert werden. Beide Artikel stammen von

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Sascha Karowski und Sina Köstler

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