Es mangelt an allen Ecken und Enden

Kampf um Pflegekräfte in München: „Kopfgeld“ sorgt für Wirbel - „Ist eine Sauerei“

Eine Pflegekraft kümmert sich um eine Patientin (Symbolbild).
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Eine Pflegekraft kümmert sich um eine Patientin (Symbolbild).

Der Mangel an Pflegekräften in der Stadt sorgt bei den Einrichtungen für ein regelrechtes Hauen und Stechen um Fachpersonal. Die München Kliniken zahlen ein Kopfgeld von 8000 Euro.

München - Die München Kliniken zahlen jeder neuen Kraft, die sich zu einem Einrichtungswechsel entscheidet, 4000 Euro – und dieselbe Summe auch dem Vermittler. Das ist in diesem Fall so gut wie immer eine Pflegekraft, die bereits bei den München Kliniken arbeit und Kollegen oder Kolleginnen von außerhalb ins Haus holt. So wolle man auch den wichtigen Pflegeberuf aufwerten, heißt es vonseiten des Unternehmens.

Diese Summen sorgen bei der Konkurrenz allerdings für Empörung. „Das ist eine Sauerei“, schimpft beispielsweise Münchens AWO-Chef Hans Kopp. „Wir bilden die Pfleger oftmals zu Fachkräften aus – und dann werden sie von den München* Kliniken abgeworben.“ 14 Fachkräfte habe die Arbeiterwohlfahrt so allein im letzten Jahr verloren.

Pflegekräfte in München: Den Kampf um neues Personal wollen viele Einrichtungen nicht mitmachen

Das verlockende Kopfgeld-Angebot zwingt auch die Münchenstift zum Handeln: „Um an gutes Personal zu kommen, bekommt der Vermittler bei uns nun einen Bonus von 5000 Euro“, erklärt Geschäftsführer Sigfried Benker. „Sonst können wir mit der München Klinik nicht mithalten.“ Die 5000 Euro würden dann meist zwischen der neuen Fachkraft und dem Anwerber aus dem Münchenstift-Haus geteilt.

Diesen Kampf wollen beziehungsweise können viele Pflegeeinrichtungen nicht mitmachen. So schloss beispielsweise der Arbeiter-Samariter-Bund seinen Pflegedienst am Westpark vergangene Woche für immer (wir berichteten). Die traurige Begründung: Man finde einfach kein Personal mehr für die Einrichtung.

Mehr Geld für symstemrelevante Pflegekräfte? Es ist bei den Symbolen geblieben

Derweil findet am morgigen Mittwoch der Internationale Tag der Pflegenden statt. Ein Symbol der Wertschätzung – genau wie das öffentliche Klatschen zu Beginn der Corona-Pandemie. Es hat gezeigt, wie wichtig und systemrelevant die Arbeit der Pfleger und Krankenschwestern ist. Doch leider ist es mehr oder weniger bei Symbolen geblieben. Laut dem Tarifvertrag des Öffentlichen Dienstes bekommen Pfleger mit mindestens dreijähriger Ausbildung und entsprechender Tätigkeit ein Einstiegsgrundgehalt von rund 2900 Euro brutto für den harten Job.

Doch vor allem in der Stadt München sind das Leben und die Mieten teuer. Allen Experten ist deswegen klar: Ohne mehr Geld wird die Situation sich nicht bessern. Nach Angaben des Deutschen Pflegerats sollen bis 2030 rund 500 000 Vollzeitkräfte im Land fehlen. Das bedeutet: Die Kopfgeld-Jagd geht weiter. *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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