Anträge von SPD und Grünen

Acht-Punkte-Plan soll Pflege-Berufe attraktiver machen - „Beruf und Familie vereinbaren“

Stationäre Pflege
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Eine Pflegekraft schiebt eine Person im Rollstuhl über den Flur einer Einrichtung.

Pflegekräfte sind in München rar. SPD und Grüne wollen jetzt die Attraktivität des Ausbildungsberufes erhöhen und zudem bereits tätige Pfleger entlasten.

München – Günstiger Wohnraum, neue Arbeitszeitmodelle, moderne Sabbatical-Regelungen, Verbesserungen in der Ausbildung und neue Kita-Öffnungszeiten: Mit einem Antragspaket wollen SPD und Grüne Pflegekräfte in der München* Klinik und stationäre Pflegeeinrichtungen unterstützen. Bürgermeisterin Verena Dietl und Fraktionschefin Anne Hübner (beide SPD) haben dazu am Freitag (17. September) einen Acht-Punkte-Plan vorgestellt.

Arbeitszeit reduzieren: Gut ausgebildete Pflegekräfte verließen oft wegen der hohen körperlichen und psychischen Belastung schon weit vor dem Renteneintritt den Beruf. Daher soll Ausgleich geschaffen werden, vorstellbar ist ein Modell, nachdem Pflegekräfte nurmehr 80 Prozent arbeiten – aber bei voller Bezahlung. Zudem soll die Stadt ein Lebensarbeitszeitkonto prüfen, um Pflegern längere Auszeiten oder einen früheren Renteneintritt zu ermöglichen. „Neue Arbeitszeitmodelle können helfen“, sagt Hübner.

München: Bessere Bedingungen für Pflege-Berufe geplant – Bezahlbarer Wohnraum und mehr Kitaplätze

Bezahlbarer Wohnraum*: Mieten und Lebenshaltungskosten schreckten Pflegekräfte oft ab, nach München zu kommen. Daher soll mehr bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden – nahe der Arbeitsstätte, also etwa auf dem Gelände von München Klinik und München Stift. Vorstellbar ist aber auch eine Kooperation mit den Landkreisen im S-Bahn*-Einzugsgebiet, um dort gemeinsam Wohnungen zu bauen. „Wir brauchen attraktive Anreize für Pflegekräfte, damit sie sich das Leben in München gut leisten und organisieren können“, sagte Dietl. Dazu gehöre an erster Stelle bezahlbarer Wohnraum.

Kitaplätze: Die Kita-Öffnungszeiten sollen für Kinder von Pflegebeschäftigten deutlich erweitert werden. „Wichtig sind flexible Betreuungszeiten. Denn nur so lassen sich Beruf und Familie wirklich vereinbaren“, sagte Dietl. Schichtarbeiten am Morgen, Abend oder am Wochenende sollen dadurch weniger ein Problem sein.

Fachkräfte : Kurz- und mittelfristig soll der Beschäftigtenmangel auch dadurch gelindert werden, dass der Zugang zum Berufsfeld für ausländische Fachkräfte erleichtert wird. Dazu sollen bürokratische Hürden abgebaut werden und die Stadt sich mehr in der Integration engagieren, etwa durch Sprachkurse.

München: Bessere Bedingungen für Pflege-Berufe geplant – Bezahlbarer Wohnraum und mehr Kitaplätze

Schulsozialarbeit: Die bis Ende 2021 befristete Schulsozialarbeit an der Akademie der München Klinik soll unbefristet verlängert werden. Die Sozialpädagogen unterstützten die Auszubildenden bei der Lehre und könnten ihnen helfen, gut im Berufsalltag anzukommen. Das minimiere Ausbildungsabbrüche.

Gesundheit: „Viele Pflegekräfte scheiden früh aus ihrem Beruf aus, deshalb sind Maßnahmen zur Gesunderhaltung unglaublich wichtig“, sagt Hübner. Das Gesundheitsreferat soll prüfen, inwieweit die Stadt Leistungen wie Massagen, Gesundheitstage oder Anleitungen zu rückenschonenden Arbeitstechniken fördern kann.

Supervision: In stationären Einrichtungen gibt es das Angebot, das Pflegekräfte in ihrem oftmals schwierigen Alltag begleitet werden. Das soll auf die München Klinik ausgeweitet werden. Im moderierten Dialog arbeiten die Teams gemeinsam an Problemlagen und entwickeln langfristige Lösungen.

Bund in der Pflicht: Um Fachkräftemangel langfristig zu bekämpfen, seien Maßnahmen auf Bundes- und Landesebene nötig. SPD und Grüne fordern unter anderem eine 100-prozentige Finanzierung der Pflegekosten für die Krankenhäuser und die Abschaffung der Leiharbeit in den pflegerischen Berufen. *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA  (G. Antionelli, S. Karowski)   

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