Für Dieter Reiter kein Tabu

Bekommen wir bald Hochhäuser über 100 Meter?

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Wird in München künftig über 100 Meter hoch gebaut?

München - Noch ist er Wirtschaftsreferent, doch Dieter Reiter läuft sich allmählich als OB-Kandidat der SPD warm und versucht, neue Akzente zu setzen. Ob das allen Münchnern gefallen wird, ist die Frage.

So will er die Wohnungsnot in München mit Wohnhochhäusern bekämpfen. Die magische 100-Meter-Marke ist für ihn dabei kein Tabu.

OB-Kandidat Dieter Reiter.

Die SZ berichtete von diesen Plänen des OB-Kandidaten, der sich diese Woche in Italien vom Polit-Alltag erholt. Seit dem Bürgerentscheid von 2004 galten die 100 Meter als absolute Obergrenze. Die höchsten Wohngebäude der Stadt sind derzeit das Seniorenheim am Westpark mit 87 Metern sowie die bis zu 83 Meter hohen Blocks in der Olympia Pressestadt und dem Olympischen Dorf – alles Türme aus den 70er Jahren. Abgesehen davon sind Münchens Wohnhäusern maximal 50 Meter hoch.

Geht es nach Reiter, darf es viel mehr sein. Bei Münchens Grünen stößt das auf Verwunderung: „Außerhalb jeder seriösen Diskussion“, so das Urteil der Stadtvorsitzenden Katharina Schulze. „Wohnhochhäuser von über 100 Metern sind sozial und ökologisch höchst problematisch.“

München von oben im Vergleich: 1962 und 2011

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Auch CSU-Planungssprecher Walter Zöller mahnt, dass ab 60 Metern Höhe Aufzüge, Klimaanlagen und Brandschutz Hochhäuser unwirtschaftlich machten. Zöller: „Es ist ein Irrglaube zu meinen, dass man mit Hochhäusern die Wohnungsnot bekämpfen kann.“ Die Hälfte der Gebäudehöhe müsse laut Bauordnung als Abstandsfläche zum Nachbarbau eingehalten werden. Zöller: „Mann kann mit einer fünfgeschossigen Bebauung das Gleiche erreichen.“ Auch Alt-Oberbürgermeister Georg Kronawitter (SPD), der den Bürgerentscheid damals initiiert hatte, findet Wohnhäuser jenseits der 100 Meter problematisch: „Für Wohnen wäre das schon sehr prekär“, so der Alt-OB zur tz. „Viele Menschen habe die Nase voll davon, in Hochhäusern zu leben.“

Derweil machte Reiter noch einen weiteren Vorstoß auf dem Weg an die Stadt-Spitze: Er will offenbar eine zentrale Stelle schaffen, bei der die Verteilung freier Kita-Plätze gebündelt wird. CSU-Rathauschef Josef Schmid wittert hier ein Plagiat: „Eine gute Idee erkennt man daran, dass sie geklaut wird!“ Ein CSU-Antrag gleichen Inhalts sei 2007 von SPD und Grünen abgelehnt worden. Nikolaus Hoenning, Sprecher des Bündnisses zum Ausbau der Ganztagsbetreuung, freut sich darüber, dass Reiter seinem Vorschlag folge: „Bisher waren unsere Forderungen hierzu bei OB Ude und der SPD lediglich mit Hohn und Spott beschieden worden.“

Johannes Welte

100-Meter-Marke

Nicht höher als die Türme der Frauenkirche! Am 19. November 2004 setzte sich der von Alt-OB Georg Kronawitter (SPD) initiierte Bürgerentscheid mit 50,8 Prozent der Stimmen durch, wonach kein Neubau höher als 100 Meter sein darf. Die Wahlbeteiligung lag bei 21,9 Prozent. OB Christian Ude (SPD) und alle Stadtratsfraktionen hatten sich gegen den Bürgerentscheid ausgesprochen, der nur ein Jahr lang bindend ist. Dennoch gab es seitdem keine Bauvoranfrage über ein Hochhaus jenseits der 100 Meter. SPD-Planungssprecherin Claudia Tausend: „Wenn es einen Antrag gibt, werden wir darüber debattieren."

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