Prognosen überschlagen sich: 150 000 neue Einwohner bis 2025

München platzt aus allen Nähten

Bevölkerungsentwicklung in Bayern (links) und Deutschland (rechts) 2006 bis 2025 - für eine Großansicht klicken Sie bitte auf das Bild.
+
Bevölkerungsentwicklung in Bayern (links) und Deutschland (rechts) 2006 bis 2025 - für eine Großansicht klicken Sie bitte auf das Bild.

Wo soll das nur hinführen? München wächst immer schneller. Die Prognosen überschlagen sich.

Die neuste Zahl: Die Stadt kann rund 150 000 neue Bürger bis zum Jahr 2025 erwarten. So steht es in der Bevölkerungsprognose der Bertelsmann Stiftung. Deren Expertin Petra Klug sagt schlicht: „München ist ein Magnet.“

Im Jahr 2025 sollen laut der Studie etwa 1,445 Millionen Menschen in München leben – plus 12 Prozent in nur 17 Jahren. Immer mehr Menschen kommen auch ins Umland, diese Anziehungskraft ist nicht nur für Bayern, sondern für die ganze Republik einzigartig! „München zieht vor allem so genannte High-Potentials und junge Leute an“, sagt Petra Klug von der Bertelsmann Stiftung. „Das ist in fast allen Großstädten so. München aber profitiert ganz außerordentlich.“

Auch ganz Bayern soll in Zukunft gut dastehen. Auch hier wachsen die Einwohnerzahlen und zwar mit drei Prozent am stärksten unter den großen Bundesländern. Nur der Stadtstaat Hamburg darf auf vier Prozent mehr Einwohner hoffen.

Anders als im Rest der Republik und im Freistaat profitiert die Stadt München von einem Baby-Boom. Die Zahl der Kinder wird laut der Studie um über 20 Prozent steigen. Das mittlere Alter der Münchner soll 2025 bei 40,6 Jahren liegen. Deutschland altert dagegen im Mittel von derzeit 42 auf 47 Jahren. München wird zusammen mit der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz die jüngste Großstadt Deutschlands sein!

Die Experten können über die Entwicklungen nur staunen. Alle Prognosen müssen nach oben korrigiert werden – und zwar jährlich:

  • Im Jahr 2004 sah ein Bericht des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung zum Jahr 2020 noch einen Rückgang der Bevölkerung um 2000 Bürger!
  • Schon 2005 meldete das Statistische Landesamt eine mögliche Zunahme um 79 000 Bürger – auch bis 2020.
  • Im Jahr 2006 erwartete das Planungsreferat der Stadt ein Plus um 80 000 Münchner bis 2020 – inklusive Zweitwohnsitze.
  • 2007 prognostizierte die Bertelsmann Stiftung in einem früheren Bericht gut 85 000 Neubürger.

Jetzt erwarten die gleichen Wissenschaftler ausgehend vom Jahr 2006 bis 2020 schon 120 000 neue Bürger – bis zum Jahr 2025 sollen es die beschriebenen 150 000 sein!

München wächst und wächst und wächst – das ist schön, stellt die Stadt aber vor große Probleme. Wo sollen die Menschen alle wohnen? München ist jetzt schon die dichtest besiedelte Stadt der Republik. „Bei 120 000 weiteren Menschen schrillen die Alarmglocken“, sagte Michael Hardi vom Planungsreferat einmal der tz. Schrillen sie jetzt?

„Die Stadt kann nicht beliebig wachsen“, sagt Hardi nun der tz. „Aber die Frage ist, ob die Entwicklung auch so eintritt.“ Dauernd würden neue Baugebiete ausgewiesen, außerdem soll der Bestand an Wohngebieten verdichtet werden. „Unsere Strategie ist auf Wachstum angelegt.“

Das Wohnproblem ist aber nur eines von mehreren. Wie bewegen sich die vielen Münchner fort? Wo arbeiten sie? Wie betreuen sie ihre Kinder? Wo leben die Senioren? München. Stadt der Zukunft – die tz gibt den Überblick:

Kinderbetreuung:

Die Stadt erlebt einen unglaublichen Baby-Boom – das ist schön, wird aber auch sehr teuer! Besonders bei den Krippenplätzen muss die Stadt nachlegen. Aus zwei Gründen: Die Zahl der unter 3-Jährigen soll um 21 Prozent steigen. Und fast jedes zweite Kind soll laut städtischem Bedarfsplan in Zukunft einen Platz bekommen – derzeit ist es nur jedes Vierte. Ab 2013 können Eltern nämlich einen Platz einklagen! Folge: Die Stadt müsste ihre derzeit 10 000 Betreuungsplätze bis 2025 verdoppeln! Geplant sind davon immerhin 6000. „Wir arbeiten mit Hochdruck“, sagt Fabian Riedl vom Sozialreferat. Aber: Die Einrichtung eines einzigen Krippenplatzes kostet derzeit rund 38 000 Euro! Kindergartenplätze sind dagegen viel billiger – außerdem werden nicht so viele zusätzlich benötigt.

Senioren:

Die Zahl der Senioren wird in Zukunft explodieren. Die Menschen leben immer gesünder, werden immer älter. Folge: Die Zahl der 65- bis 79-Jährigen soll laut Studie um rund 9 Prozent steigen, die Zahl der über 80-Jährigen wächst um rund 57 Prozent – bundesweit sogar um 70 Prozent! Derzeit geht die Stadt München von 25 000 pflegebedürftigen Senioren aus. Bis zum Jahr 2015 werden zusätzlich 5000 Pflegebedürftige erwartet. Aber die sollen nicht alle in Heimen untergebracht werden – geplant sind 750 neue Pflegeplätze. „Die Menschen sollen zu Hause alt werden können“, sagt Fabian Riedl vom Sozialreferat. Die Stadt biete zum Beispiel eine kostenlose Wohnungsberatung in allen 31 Alten- und Servicezentren und einen Zuschuss beim seniorengerechten Ausbau der Wohnung.

Verkehr:

München droht der Verkehrsinfarkt! Die neuen Münchner wollen hier nicht nur wohnen: Die sind auch unterwegs – mit Auto, Bahn und zu Fuß. Außerdem sollen die Einwohnerzahlen im Umland steigen. Das hätte noch mehr Pendler zur Folge. Schon jetzt fahren täglich 500 000 Autos in die Stadt, die städtischen Experten planen bisher mit bis zu 125 000 zusätzlichen Wagen.Doch die Straßen können kaum noch ausgebaut werden. Und die S-Bahn fährt schon lang über ihre Grenzen – mit täglich 800 000 Passagieren. Umstritten bleibt die zweite Stammstrecke und die Express-Bahn zum Flughafen. Viel bewegen könnte sich bei der Tram: Unter anderem sind die Verbindung der Linie 12/22 zwischen Nymphenburg und Hadern und die Verlängerung der 18 nach Oberföhring im Gespräch.

Jobs:

München muss man sich leisten können – ein guter Job ist da wichtig. Die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt wird härter: In der Altersgruppe zwischen 25 und 64 Jahren erwartet München ein Plus von über zehn Prozent. Das Arbeitsreferat bleibt gelassen. „Niemand kommt einfach so nach München“, sagt Hans Peter Heidebach, Chef für Grundsatzfragen. Klar: Die Menschen haben den Job schon vor dem Umzug. Allein bis zum Jahr 2015 erwartet die Stadt rund 36 000 Stellen. Das Arbeitsreferat kann selbst natürlich keine Jobs schaffen, will aber den Standort stärken: etwa durch Investitionen in die Berufsschulen mit 64 000 Schülern. „Wir sind das modernste Zentrum Deutschlands“, sagt Heidebach. Außerdem sollen kleinere und mittlere Betriebe etwa über die Gewerbehöfe unterstützt werden.

Wohnungen:

Mehr als 150 000 Neubürger kann die Stadt bis zum Jahr 2025 erwarten. Oder muss sie den Zuzug befürchten? Wo sollen die denn alle wohnen? Bis zu 7000 neue Wohnungen will die Stadt im Jahr schaffen – das würde tatsächlich reichen. Aber das ist nur ein Plan: Tatsächlich liegt die Zahl der neuen Wohnungen um 4000 bis 5000 im Jahr. Vor allem entlang der Bahngleise zwischen Zentrum und Pasing, im neuen Stadtteil Freiham ganz im Westen der Stadt und auf alten Kasernengeländen wie am Ackermannbogen. Doch: Derzeit erlebt der Wohnungsbaumarkt eine historische Flaute. Die Zahl der neuen Wohnungen sinkt und die Zahl der Baugenehmigungen auch – und das ist die Zukunft. Folge: Die Mieten werden immer schneller steigen!

Quelle: tz

Auch interessant

Meistgelesen

Münchner Polizei-Skandal zieht weite Kreise: Über 200 Beamte sind an den Ermittlungen beteiligt
Münchner Polizei-Skandal zieht weite Kreise: Über 200 Beamte sind an den Ermittlungen beteiligt
Streik-Schock: Erhebliche Einschränkungen im Nahverkehr erwartet - Kritik an Reaktion von OB Dieter Reiter - „schäbig“
Streik-Schock: Erhebliche Einschränkungen im Nahverkehr erwartet - Kritik an Reaktion von OB Dieter Reiter - „schäbig“
Party mit 130 Menschen in München: Corona-Maßnahmen „komplett ignoriert“ - Polizei rückt mehrfach aus
Party mit 130 Menschen in München: Corona-Maßnahmen „komplett ignoriert“ - Polizei rückt mehrfach aus
Wetter in München: DWD gibt amtliche Warnung aus! Winterliche Nacht steht bevor
Wetter in München: DWD gibt amtliche Warnung aus! Winterliche Nacht steht bevor

Kommentare