Beamte bestreiten die Darstellung

Heftige Szenen bei Polizei-Einsatz in München - schwarzer Jugendlicher meldet äußert sich: „Hatte Angst um mein Leben“

Ein Polizei-Einsatz in München gegen einen dunkelhäutigen Teenager schlägt hohe Wellen. Waren die Beamten zu grob? Der Jugendliche nimmt Stellung zu dem Vorfall.

  • Kam es in München einen Fall von übertriebener Polizeigewalt gegen einen dunkelhäutigen Bürger?
  • Ein 18-Jähriger berichtet von Schlägen in Rippen und Bauch sowie einer Gehirnerschütterung.
  • Die Polizei verweist auf das aggressive Verhalten des jungen Mannes und kritisiert dessen Redseligkeit

München - Es sind heftige Szenen - und sie stammen mitten aus München*. Im Internet kursieren Videos, auf denen zu sehen ist, wie Polizisten einen dunkelhäutigen Mann in der Fußgängerzone am Boden fixieren. Man hört Menschen rufen „Er war das nicht!“ und „Er kriegt keine Luft!“

Am Montag berichtete die tz über eine Prügelei am Samstagabend in der Fußgängerzone. Laut Polizei hat dabei ein 18-Jähriger einen Polizisten geschlagen. Nun meldet sich der junge Mann, Mani D. (18) aus Maisach, auf Instagram zu Wort und schildert seine Sicht der Ereignisse. Es geht um ein und denselben Vorfall - doch es gibt zwei Geschichten…

Schwarzer Teenager klagt Polizeieinsatz an: „Musste an George Floyd denken“

„Ich habe niemanden gezielt geschlagen“, versichert der Abiturient gegenüber der tz. Er habe lediglich einen Streit schlichten wollen und deshalb einen anderen jungen Mann festgehalten. Als die Polizei dazu kam, habe er Angst bekommen - „ich musste an George Floyd denken“ - und sei weggelaufen. Hintergrund: George Floyd ist der Afro-Amerikaner, der bei einem brutalen Polizei-Einsatz in den USA gestorben war.

An jene Szene, so sagt es Mani D., habe er am Samstag denken müssen. Passanten hätten ihn gestoppt, nachdem er weggerannt sei, dann hätten ihn Polizisten zu Boden gebracht: „Sie haben auf meinen Hals gedrückt, mir wurde schwarz vor Augen.“

Schwarzer Teenager klagt Polizeieinsatz an: „Hatte Angst um mein Leben“

Dabei habe er auch gerufen, dass er keine Luft bekäme. „Ich hatte Angst um mein Leben. Es kann sein, dass ich aus Versehen jemanden verletzt habe, als ich mich da am Boden bewegt habe“, sagt er. „Aber ich habe niemanden gezielt geschlagen!“

Bei der Festnahme habe er zudem zwei Schläge in die Rippen und drei in den Bauch bekommen. In einem Befund der LMU-Klinik von Sonntag wird Mani D. eine Gehirnerschütterung attestiert. Der 18-Jährige will nun mit einem Anwalt gegen die Behörde vorgehen: „Die Polizei verbreitet Lügen über mich.“

Schwarzer Teenager klagt Polizeieinsatz an: Pressebericht wird korrigiert

Die Polizei korrigiert ihre ursprüngliche Darstellung. Im Pressebericht von Sonntag hieß es, der 18-jährige sei zu Boden gebracht worden, nachdem er einem Polizisten „zwei gezielte Faustschläge ins Gesicht“ verpasst hatte. Nun heißt es, die beiden Schläge ins Gesicht seien erst passiert, als der junge Mann zu Boden gebracht wurde und sich dabei „aggressiv“ gewehrt habe. „Der betroffene Kollege kann sich nicht mehr erinnern, ob er mit der Faust geschlagen wurde. Vielleicht war es auch der Ellbogen“, sagt Polizei-Sprecher Michael Marienwald. Der Polizist sei jedenfalls nicht mehr dienstfähig.

Einen Punkt verneint die Polizei aber klar: „Die Beamten übten zu keiner Zeit Gewalt oder Druck auf den Hals des Beschuldigten aus.“ Polizeipräsident Hubertus Andrä sagt über die Geschehnisse in der Fußgängerzone: „Die Angriffe auf meine Kollegen sind inakzeptabel.“ Und: „Mich befremdet auch, dass Tatbeteiligte die Sozialen Medien nutzen, um ihren Tatbeitrag in Frage zu stellen oder sich als friedfertig und passiv darzustellen, was nicht den mir vorliegenden Informationen entspricht.“ (Laura Felbinger) *tz.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Polizeieinsatz mit Folgen: Um das Vorgehen der Beamten wird nun heftig gestritten.

Polizeieinsatz mit Folgen: Um das Vorgehen der Beamten wird nun heftig gestritten.

Auch andere dunkelhäutige Münchner berichten vom „täglichen Gefühl der Angst“ - deshalb macht die hiesige BLM-Bewegung mobil. In der Bundespolitik entsteht ein Streit über eine abgelehnte Rassismus-Studie.

Und nicht nur in Deutschland ist Polizeigewalt und Rassismus derzeit ein extrem präsentes Thema. Auch in Brasilien sorgt ein brutaler Polizeieinsatz für Empörung. Ein Handyvideo zeigt, wie ein Polizist eine schwarze Frau gewaltsam zu Boden drückt.

Über den ausgearteten Polizeieinsatz, der George Floyd das Leben gekostet hat, werden derweil weitere erschreckende Details bekannt. Unschöne Szenen gab es ebenfalls im Holiday Park in Haßloch, wo ein Familienstreit völlig eskalierte.* Die Polizei griff mit einem Großaufgebot ein, drei Personen mussten ins Krankenhaus. *tz.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

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