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Schüsse auf Porsche-Fahrer: Wollte Raser einen Münchner Beamten totfahren? „Ich hatte Todesangst“

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Von: Andreas Thieme

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Peter R. (54) mit seinem Verteidiger Marc Wederhake
Peter R. (54, li.) mit seinem Verteidiger Marc Wederhake © Sigi Jantz

Ein Polizeibeamter feuerte in München vier Mal auf einen Porsche-Fahrer, weil der vor einer Kontrolle davonfuhr. Der überlebte knapp - und steht jetzt selbst vor Gericht.

München - Eine Kugel zerriss ihm die rechte Wange, die andere traf sein Ohr. Es grenzt an ein Wunder, dass Peter R. (54) noch lebt. Ein Polizist hatte am 1. September 2021 aus nächster Nähe auf den Kaufmann geschossen, als dieser sich „einer Verkehrskontrolle entziehen wollte“, wie es von Seiten der Behörden heißt.

Doch angeklagt ist nun nicht etwa der Polizist, sondern das Schussopfer. An Krücken betritt Peter R. gestern das Amtsgericht. Die Narben in seinem Gesicht sind deutlich zu sehen. Er muss sich wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr verantworten. Denn Polizist Benjamin D. (29) behauptet: „Der Mann wollte mich überfahren.“

Gegen 23.42 Uhr hatte der Beamte Peter R. am Europaplatz einer Verkehrskontrolle unterziehen wollen. Trotz Anhaltesignal und Lichthupe reagierte R. aber nicht und fuhr in seinem Porsche Cayenne S entlang der Prinzregentenstraße und auf die A 94 Richtung Passau - laut Anklage mit bis zu 200 km/h. Bis er an einem Rastplatz nahe Daglfing hielt.

München: Polizist schoss vier Mal auf Porsche-Fahrer, weil der bei Verkehrskontrolle flüchtete

Dort kam es zu den Schüssen. Polizist Benjamin D. war zunächst mit Taschenlampe und gezogener Waffe an den Porsche herangetreten. „Ich stand direkt vor dem Auto und wusste nicht, welche Gefahren noch von dem Fahrer ausgingen.“ Ab da gehen die Ansichten auseinander. Peter R. sowie seine Beifahrerin schildern, dass R. langsam zurückgesetzt, das Lenkrad eingedreht und dann mit etwa 30 km/h vom Rastplatz am Streifenwagen vorbeigefahren seien.

Doch laut Anklage gab R. im Osten von München plötzlich Vollgas und versuchte den Polizisten umzurasen. Benjamin D. sagt: „Ich bin nach links weggesprintet und hatte Angst unter die Reifen zu kommen und das nicht zu überleben.“ Nachweislich vier Mal feuerte er aus nächster Nähe auf den Porsche. Er wertet das „als Abwehrreaktion.“ Gegen ihn ermitteln nun jedoch das Landeskriminalamt. Denn: Ob die Schüssen durch Notwehr gedeckt waren, ist noch nicht geklärt. Laut der Beifahrerin schoss der Polizist zweimal von vorne, ging dann aber um das Auto herum und feuerte auch von der Seite. Ein Gutachten bestätigt das.

Prozess in München: LKA ermittelt gegen Polizisten, weil der auch von der Seite schoss - War das noch Notwehr?

„Er stand am Seitenfenster und hat auf unsere Köpfe gezielt. Mein Arm wurde gestreift. Ich hatte Todesangst“, sagt die Beifahrerin. Dennoch ist D. weiter im Dienst, trägt Waffe - auch im Gericht. „Wir prüfen in diesem Zusammenhang ganz allgemein den polizeilichen Einsatz einer Schusswaffe, die Prüfung ist noch nicht abgeschlossen, “, sagt Oberstaatsanwältin Anne Leiding auf Anfrage. Verteidiger Marc Wederhake wollte die Schusssituation gestern im Gerichtssaal nachstellen lassen - doch das lehnte die Richterin ab. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.

Kürzlich gab es ein Flammen-Inferno im Glockenbachviertel - Anwohnerin berichtet, „in letzter Zeit war viel los“.

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