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Nach Razzia in Münchner Apotheke: Polizei stoppt Impf-Betrüger - Hunderte Fake-Codes verkauft

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Von: Nadja Hoffmann, Andreas Thieme

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Der digitale Impfpass ist zur Eintrittskarte in das öffentliche Leben geworden – für Kinos oder Restaurants.
Der digitale Impfpass ist zur Eintrittskarte in das öffentliche Leben geworden – für Kinos oder Restaurants. © Soeren Stache/dpa

Riesen-Skandal um digitale Impfpässe: Bereits am Freitag hat die Polizei eine Razzia in einer Münchner Apotheke durchgeführt und vier Personen festgenommen.

München - Mit den Ermittlungen betraut ist die Bayerische Zentralstelle zur Bekämpfung von Betrug und Korruption im Gesundheitswesen (ZKG) sowie das Bayerische Landeskriminalamt.

München: Impf-Betrüger-Bande verkauft hunderte gefakte QR-Codes

Sie kamen der Münchner* Apotheke bereits im August auf die Spur. Zum damaligen Zeitpunkt soll eine zunächst unbekannte Person im Internet auf einem deutschsprachigen Cybercrimeforum verdächtig geworden sein: Unter Verwendung eines Pseudonyms hatte die Person den Ermittlungen zufolge unberechtigt erstellte QR-Codes für den digitalen Corona-Impfausweis zum Kauf angeboten. Der Preis dafür: zuletzt 350 Euro. Allerdings ohne dass eine Impfung tatsächlich erfolgte oder nachgewiesen wurde. „Hierfür soll durch unberechtigten Online-Zugriff die IT-Infrastruktur der Münchner Apotheke genutzt worden sein“, erklärt Matthias Held, Oberstaatsanwalt bei der ZKG-Ermittlungsgruppe. Allein im Oktober 2021 sollen so über 500 Impfzertifikate ausgestellt worden sein.

Das Amtsgericht Nürnberg stellte deshalb einen Durchsuchungsbeschluss aus, der nun in München vollstreckt worden ist. Bei der Razzia stellten die Ermittler schnell fest, dass auch im EU-Ausland bereits ein so erstellter falscher digitaler Impfausweis im Umlauf war.

München: Betrug mit gefälschten Impfpässen, Ermittlungsrichterin erlässt Haftbefehl

Im Fokus der Ermittlungen stehen nun insgesamt vier Verdächtige. „Gegen zwei Beschuldigte wird Antrag auf Erlass eines Haftbefehls gestellt und sie wurden bereits der Ermittlungsrichterin beim Amtsgericht München zur Prüfung der Haftfrage vorgeführt“, sagt Oberstaatsanwalt Held. Die Ermittlungsrichterin habe jeweils Haftbefehl wegen Flucht- und Verdunklungsgefahr erlassen. Als Hauptverdächtige gilt die Mitarbeiterin der Apotheke. Sie und ein mutmaßlicher Komplize sitzen mittlerweile in Untersuchungshaft. Außer ihnen wurden noch zwei weitere Personen festgenommen. Der Inhaber der Apotheke wird nicht verdächtigt, betont Held.

Im Rahmen der Durchsuchung wurden etliche, auch elektronische, Dokumente sichergestellt. „Aus diesen ergab sich bei der ersten Sichtung der Verdacht, dass eine Beschäftigte mit drei weiteren Personen die falschen digitalen Corona-Impfausweise ausgestellt haben könnte“, erklärt der Oberstaatsanwalt. „Aus diesem Grund wurden im Anschluss auch Privatwohnungen durchsucht. Es wurden zudem Kryptowährungen und Bargeld von insgesamt annähernd 100.000 Euro gesichert.“ Auf den Vorgang aufmerksam geworden waren Cybercrime-Spezialisten des Bundeskriminalamts, die im Darknet ermittelt hatten. Doch das Problem dürfte damit kaum gelöst sein.

Denn Bayerns Polizei* registriert immer mehr Impfausweise mit gefälschten Corona-Zertifikaten. „Wir gehen davon aus, dass immer mehr gefälschte Impfausweise im Umlauf sind“, sagt Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Unabhängig von der Fälscherbande hat die Bayerische Polizei 440 Fälle registriert, die im Zusammenhang mit der Fälschung von Impfpässen, Impfzertifikaten oder Impfstoffetiketten stehen. Anfang September waren es 110 Fälle gewesen. A. THIEME, N. HOFFMANN *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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