Foto war der „Auslöser“

Nach Selfie mit TV-Star: Henry (21) fliegt aus Priesterseminar - dann folgt überraschender Auftritt

„Prinz Charming“ (links) und Frömmichen.
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Wegen dieses Selfies verlor Henry Frömmichen seinen Traumjob (Archivbild).

Wegen eines Fotos mit dem RTL-„Prinz Charming“-Star flog Henry Frömmichen aus dem Priesterseminar. Trotzdem kämpft er nun weiter für die Gleichberechtigung.

München - Wie schnell ein Foto das eigene Leben verändern kann, hat Henry Frömmichen am eigenen Leib erfahren müssen. Der ehemalige Priesteranwärter hatte vergangenen September ein Foto auf Instagram* gepostet. Darauf zu sehen war der 21-Jährige, zusammen mit Alexander Schäfer, dem ehemaligen „Prinz Charming“ der gleichnamigen RTL-Datingshow für Schwule, den er spontan getroffen hatte.

Als der Leiter des Münchener Priesterseminars das Foto sah, flog Frömmichen vergangenen April - nach gerade einmal drei Monaten - hinaus. Wie der 21-Jährige der dpa gegenüber bekannt gab, war einzig und allein dieses Foto der „Auslöser“ für den Rauswurf aus dem Priesterseminar: „In diesem Zusammenhang wurde mir dann von Seiten des Seminarleiters vorgeworfen, ich würde mich mit homosexuellen Menschen solidarisieren und die Art von Homosexualität, wie sie da im Fernsehen dargestellt wird, propagieren“, so Frömmichen, der vor dem Seminar nach eigener Angabe drei Jahre lang mit einem Mann zusammen war.

München: 21-Jähriger fliegt nach Selfie aus Priesterseminar

Zu den Gründen für den Rauswurf wollte sich das Erzbistum München* und Freising bislang nicht äußern. Ähnlich der Seminarleiter Wolfgang Lehner. Dieser erklärte lediglich: „Wenn jemand homosexuell geprägt ist, es aber schafft, unaufgeregt ein gesundes Beziehungsgefüge zu Männern und zu Frauen zu entwickeln, wenn also dieses Thema der Sexualität nicht dauernd im
Vordergrund steht, für den sehe ich keinen Grund, warum er nicht Priester werden kann.“

Frömmichen trat daraufhin jedoch nicht aus der Kirche aus, sondern kämpft unbeirrt weiter für die Gleichberechtigung Homosexueller in der katholischen Kirche. Darum war er vergangenen Sonntag (9. Mai) bei einem Segnungsgottesdienst für schwule und lesbische Paare in in der Kirche St. Benedikt in München dabei. Nicht als Priester - sondern als Ministrant.

Segnung Schwuler und Lesben als Protestaktion gegen Entscheidung des Vatikans

Unter dem Motto „Liebe gewinnt“ hatten sich deutschlandweit katholische Kirchenmitarbeiter dazu entschlossen, homosexuelle Paare zu segnen - entgegen des Willens des Vatikans. Diese Protestaktion entstand aus einem sogenannten „Responsum ad dubium“, also einer „Antwort auf einen Zweifel“, der Glaubenskongregation des Vatikans im März 2021*.

Darin stellte der Vatikan klar, dass die katholische Kirche nicht befugt sei, homosexuelle Partnerschaften zu segnen. Segnungen menschlicher Beziehungen seien ausschließlich gestattet, heißt es darin, wenn damit den Plänen Gottes gedient sei. Unzulässig sei dabei jede Segnungsform, die homosexuelle Partnerschaften anerkenne.

Nachdem er aus Priesterseminar fliegt: Henry wird an anderer Stelle „mit offenen Armen empfangen“

Diese Botschaft des Protests ist laut Frömmichen allem voran entscheidend für die Jugend: „Ich glaube, das ist vor allem wichtig für die jungen Menschen, die einfach sehen: Okay, da ist jemand, der ist zwar schwul, aber er will diesen Weg gehen, will Priester werden.“ Darum half er dem katholischen Priester Wolfgang Rothe bei der Segnung schwuler und lesbischer Paare.

 „Einerseits werde ich aus dem Priesterseminar entlassen, rausgeschmissen und an anderer Stelle in der Kirche werde ich mit offenen Armen empfangen“, sagte er am Sonntag der dpa. „Das ist natürlich für mich persönlich ein ganz großes Geschenk.“ Es könne auch „Zeichen sein für alle Gläubigen, für alle Menschen in unseren Gemeinden, dass sich die Kirche jetzt langsam öffnet und dass wir uns jetzt offen einfach dazu bekennen und sagen: Wir segnen Paare, die sich lieben, egal welche Sexualität.“

Nach München-Selfie mit TV-Star aus Priesterseminar geworfen: 21-Jähriger glaubt an Traumberuf

Den Traumberuf Priester, für den er seinen bisherigen Job als Bestatter aufgegeben hatte und für das Priesterseminar extra nach München gezogen war, hat der 21-Jährige daher auch noch nicht komplett verworfen. Zwar arbeitet er momentan wieder als Bestattungsberater, aber „Irgendwann, so Gott will“ könne es sich noch ergeben. *tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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