Prinz Albert klagt gegen S-Bahn

+
Prinz Albert von Thurn und Taxis ist einer der Kläger.

München - Jahrelang Staub, Dreck und Lärm: Den Anrainern am Marienhof graut es vor der Baustelle zum zweiten S-Bahn-Tunnel. Sie fühlen sich von der Bahn verschaukelt.

Zwölf Geschäftsleute und Firmen führen ab kommenden Dienstag vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichthof (VGH) einen Prozess gegen das Mammut-Projekt.

Prominentester Kläger ist Prinz Albert von Thurn und Taxis (27). Glorias Sohn besitzt am Marienhof ein Geschäftshaus. Das ganze Projekt ist in drei Abschnitte unterteilt: Planfeststellungsabschnitt 1 beginnt in Laim, der Tunnel beginnt vor der Donnersbergerbrücke, geht über den Haltepunkt Hauptbahnhof bis zum Stachus.

Abschnitt 2 mit dem Haltepunkt Marienhof reicht bis zur Isar. Abschnitt 3 reicht bis zur oberirdischen Einfädelung am Leuchtenbergring. Bislang gibt es nur für den mittleren Abschnitt 2 einen Planfeststellungsbeschluss, die beiden anderen sind noch im Anhörungs-Verfahren, wie Moritz Huckebrink vom Eisenbahnbundesamt der tz bestätigte.

So verändert München sein Gesicht

So verändert München sein Gesicht

Der Widerstand formiert sich freilich bereits auf der ganzen Linie. Der Prozess der Marienhof-Anrainer ist erst der Auftakt von einer ganzen Serie von Verfahren. Rechtsanwalt Dr. Wolfgang Leitner (Kanzlei Labbé und Partner), der einen Großteil der Marienhof-Kläger vertritt, betont: „Wir sind nicht gegen die zweite Stammstrecke. Die Leute sind bereit, für die S-Bahn auch Beeinträchtigungen in Kauf zu nehmen, jedoch nicht im bisher vorgesehenen Ausmaß.“

Der Marienhof.

Nach den Planungen soll vom Marienhof der Tunnel in beiden Richtungen vorangetrieben werden. Schätzungsweise 300 000 Kubikmeter Aushub müssten aus dem Herz Münchens weggekarrt werden, das sind über 46 000 Lkw-Ladungen. Die Anrainer befürchten sechs Jahre lang unerträgliche Belastungen. Nach dem Willen der Kläger soll die Masse des Aushubs unterirdisch über das Tunnelende an der Donnersbergerbrücke fortgeschafft werden. Leitner: „Wir fordern ein besseres Schutzkonzept.“

Die Betroffenen an der Maximilianstraße und am Promenadeplatz haben ebenfalls Klagen gegen Abschnitt 2 eingereicht, erklärte VGH-Sprecherin Andrea Breit der tz. In Haidhausen macht eine Bürgerinitiative Front gegen den Ostabschnitt.

München - auferstanden aus Ruinen

München - auferstanden aus Ruinen

Eberhard Unfried

Die Kritik am zweiten S-Bahn-Tunnel

„Der Nutzen steht in keinem Verhältnis zu den Kosten in Milliardenhöhe.“ Dr. Martin Runge, Verkehrsexperte der Grünen im Landtag, lässt kein gutes Haar an den Planungen zur zweiten S-Bahn-Stammstrecke. „Zigtausende von Fahrgästen müssen massive Verschlechterungen in Kauf nehmen.“

Wegen der wenigen Haltepunkte (Laim - Hauptbahnhof - Marienhof - Ostbahnhof) seien viele zum Umsteigen gezwungen, da die Züge an wichtigen Knoten wie Donnersbergerbrücke, Stachus und Rosenheimer Platz vorbeifahren. Außerdem befürchtet der Politiker Taktverschlechterungen – etwa 30 statt 20 Minuten. „Sicherheit und Brandschutz sind absolut ungenügend“, kritisiert Runge weiter. Und: „Die Kosten kannibalisieren die wirklich wichtigen Projekte.“ Bürgerinitiativen fordern den Südring. Dem schließt sich auch Adrian Dunskus von der FDP an: „Der Südring bietet mehr Chancen als der zum Schluss arg abgespeckte zweite S-Bahn-Tunnel.“

Auch interessant

Kommentare