Fragwürdige Aktion

Abtreibungsgegner verteilen ekliges Pizza-Flugblatt in München

Flugblätter mit besonders ekelhaften Inhalt sind in vergangenen Wochen in München verteilt worden. Auf den Zetteln sind blutige Fotos zu sehen, die nun ein juristisches Nachspiel haben können.

München - Das Faltblatt sieht auf dem ersten Blick recht harmlos aus, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Demnach steht in großen Lettern „Neueröffnung“ auf dem Deckblatt und darunter „Gutschein für eine Gratis-Pizza Ihrer Wahl“.

Wer jedoch den Flyer aufklappt, der musste wirklich starke Nerven haben: Dort waren zwei Pizzen abgebildet, mit zerstückelten Embryonen als Belag. Als Beschreibung darunter: "Hm … lecker! Gemetzgert nach der Absaugmethode".

Die Aktion richtet sich laut Süddeutscher Zeitung gegen das „Medicare Gesundheitszentrum Freiham“, in dem sich auch eine Klinik für Schwangerschaftabbrüche befindet.

Hinter dieser Provokation steht die Deutsche Zentrumspartei (DZP), deren Mitglieder sich auf ihrer Webseite als radikale Abtreibungsgegner positionieren.

Das Flugblatt der Abtreibungsgegner wurde Ende der letzten Woche in großen Mengen in München verteilt. Bürger hätten den Flyer zur Polizei gebracht. Diese hätte den Fall an die Staatsanwaltschaft übergeben. 

Die blutigen Fotos könnten gegen Paragraf 131 des Strafgesetzbuches (StGB) verstoßen. Demnach können Gewaltdarstellungen gemäß §131 StGB mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe bestraft werden. Noch ist offen also, ob sich das Zentrum für diese Aktion vor Gericht verantworten muss. 

Abtreibungsdebatte

Das Thema Abtreibung ist gerade durch ein Urteil gegen eine Ärztin in Gießen sehr präsent. Weil die 61-Jährige unerlaubt Werbung für Abtreibungen gemacht hat, muss sie 6000 Euro zahlen. Ihre Verteidigerin kündigte Revision gegen das Urteil an.

Nach dem Urteil gegen die Ärztin hat sich eine Debatte über die rechtliche Regelungen von Schwangerschaftsabbrüchen entfacht. So will die Union Reklame für Abtreibungen verhindern

In Deutschland sind Schwangerschaftsabbrüche nicht legal. Der vor allem in den 1970er Jahren heftig diskutierte und reformierte Paragraf 218 des Strafgesetzbuches (StGB) sieht jedoch Ausnahmen vor.

Eine Abtreibung bleibt straffrei, wenn sie binnen drei Monaten nach der Empfängnis und nach einer Konfliktberatung vorgenommen wird. Ohne rechtliche Folgen bleibt sie auch, wenn es medizinische Gründe für den Abbruch gibt oder wenn die Frau durch eine Vergewaltigung schwanger wurde.

ml

Rubriklistenbild: © dpa

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