Verkehrswende wird eingeleitet

München bald Radl-Hauptstadt? Großoffensive wird eingeleitet - Doch es gibt Zweifel

Initiative für Radler: Bis zum Jahr 2025 sollen im Stadtgebiet auf einer Streckenlänge von 450 Kilometern neue Radwege markiert werden, auch am Altstadtring
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Initiative für Radler: Bis zum Jahr 2025 sollen im Stadtgebiet auf einer Streckenlänge von 450 Kilometern neue Radwege markiert werden, auch am Altstadtring.

450 neue Fahrrad-Kilometer in der Landeshauptstadt: Die Münchner Verwaltung reagiert auf Forderungen des Bürgerbegehrens und rechnet bis 2025 mit Kosten von über einer Milliarden Euro.

  • Im Sommer 2020 fällt der Startschuss zu Münchens Fahrrad-Offensive.
  • Zahlreiche Maßnahmen werden ergriffen - die Kosten übersteigen die Milliardengrenze.
  • Muss die Verkehrswende derart teuer sein? Es stehen Zweifel im Raum.

München - Die Umsetzung der beiden Bürgerbegehren „Radentscheid“ und „Altstadt-Radlring“ wird die Stadt wohl eine Menge Geld kosten. Die Verwaltung rechnet mit Kosten von 1,5 Milliarden Euro bis zum Jahr 2025. Insgesamt sollen im Stadtgebiet in diesem Zeitraum Radwege auf einer Streckenlänge von 450 Kilometern ausgebaut werden. Gute Nachrichten für Münchens Fahrradfahrer. Doch einige von ihnen haben sich erst vor Kurzem wieder über die unerträglichen Bedingungen auf den Fahrradwegen im Zentrum aufgeregt*.

Der Startschuss für den Altstadt-Radlring fällt im Sommer 2020 in der Blumenstraße im Abschnitt zwischen Sendlinger-Tor-Platz und der Papa-Schmid-Straße nahe der Hauptfeuerwache. Die Kosten hierfür liegen bei 5,5 Millionen Euro. Sukzessive sollen dann in den weiteren Jahren 2,30 bis 2,80 Meter breite Radwege am gesamten Altstadtring entstehen. Die Radfurten werden rot markiert. Eines ist dabei klar: Die Neuverteilung des Straßenraums erfolgt zulasten von Fahrspuren und Parkplätzen. Die Frauenstraße zum Beispiel könnte nach dem Umbau zur Einbahnstraße werden, in welcher Fahrtrichtung, ist noch unklar.

Lesen Sie auch einen Kommentar zum Auto-Radler-Konflikt: An alle Radl-Münchner: Lasst uns Auto-Pendler in Frieden - oder gebt uns eure Wohnung

Münchner Radl-Offensive: Diese Maßnahmen sollen umgesetzt werden

All dies geht aus einer Beschlussvorlage für die Vollversammlung des Stadtrats am kommenden Mittwoch hervor. Es ist die letzte Sitzung vor der Weihnachtspause, in der dieser für die Verkehrspolitik der Stadt weitreichende Beschluss gefällt werden soll. Eine Mehrheit gilt als sicher, weil SPD, Grüne, Linke und ÖDP die Forderungen des Radentscheids unterstützen. Die CSU, Rathaus-Regierungspartner der SPD, ist hingegen kritisch, vor allem, was den Altstadt-Radlring betrifft. Neben dem dortigen Startschuss sollen zehn weitere Maßnahmen im Jahr 2020 umgesetzt werden, unter anderem in der Elisen-, Lindwurm-, Schwanthaler-, Brienner-, Ridler- und Domagkstraße und auf der Reichenbachbrücke.

Die SPD ist zufrieden mit dem Paket. Ziel sei es, die Forderungen des Radentscheids in konkrete Verbesserungen für den Radverkehr umzusetzen, sagt Stadträtin Bettina Messinger. Ab sofort sollten pro Quartal zehn konkrete Maßnahmen beschlossen und dann auch rasch umgesetzt werden. Für SPD-Fraktionsvorsitzende Verena Dietl ist indes wichtig, dass bei allen Maßnahmen die Bürger und Gewerbetreibenden vor Ort eingebunden würden. Das Beispiel des neuen Radwegs an der Fraunhoferstraße lehre, dass dies auch bei Pilotprojekten noch intensiver der Fall sein müsse.

Mit Genugtuung bewertet das Bündnis Radentscheid München die Beschlussvorlage für die Vollversammlung. 160.000 Menschen hatten im Sommer das Bürgerbegehren unterzeichnet. Die Vorlage sei ein positives Signal für die Zukunft des Radverkehrs in München. Frühere Beschlüsse zum Radverkehr hatte das Bündnis als unzureichend und Hinhaltetaktik kritisiert.

Ausbau von Münchner Radwegen: Muss es wirklich so teuer sein?

Die Kostenschätzung in Höhe von 1,5 Milliarden Euro bezeichnen die Initiatoren des Bürgerbegehrens als unseriös. Es fehle jegliche belastbare Grundlage, heißt es in der Stellungnahme. Ähnlich sieht dies Katrin Habenschaden, OB-Kandidatin und Fraktionsvorsitzende der Grünen: „Hier werden die teuersten Optionen aufaddiert. An vielen Stellen lassen sich Radwege auch kostengünstiger verwirklichen.“ Der Radlring werde zudem schrittweise und mit Zwischenlösungen an besonders schwierigen Stellen eingerichtet, sodass genügend Zeit bleibe, in Ruhe zu planen, sagt Habenschaden.

Skepsis herrscht unterdessen bei der CSU. Der Altstadt-Radlring in seiner jetzigen Streckenführung sei undurchdacht, lässt Bürgermeister Manuel Pretzl verlauten. „Es gibt keinen Komfortgewinn für Radfahrer. Jeder Radler bevorzugt doch den direkten Weg und fährt nicht außen rum.“ Zudem führe der Ausbau zu einer massiven Beeinträchtigung des Einzelhandels und zu Ausweichverkehr in die Wohngebiete. Letzteres gibt auch die Stadtverwaltung in ihren Ausführungen zu bedenken.

Ein Fußgänger echauffierte sich an der Fraunhoferstraße in München über einen Mountainbiker*. Der Vorfall nahm ein böses Ende. Nun ermittelt die Polizei.

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