Unfall an der Fürstenrieder Straße

Die letzten Sekunden seines Lebens - BMW-Raser fuhr 14-jährigen Max tot - Gutachter nennt erschütternde Details

Ein BMW-Fahrer raste in der Nacht des 15. November 2019 in München einen 14-Jährigen zu Tode.
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Ein BMW-Fahrer raste in der Nacht des 15. November 2019 in München einen 14-Jährigen zu Tode.

In der Nacht des 15. Novembers raste ein Autofahrer in eine Gruppe Jugendlicher. Ein 14-Jähriger kam ums Leben. Vor Gericht rekonstruierte ein Gutachter den schrecklichen Unfall minutiös nach.

München - Er kam mit Freunden von einer Party und wollte nach Hause– kurz darauf war Schüler Max D. (14) tot. Überfahren von einem schwarzen BMW, der mit mehr als 120 km/h über die Fürstenrieder Straße bretterte.

Der Unfall vom 15. November 2019 schockierte München. Fahrer Victor B. (35) war im Drogenrausch vor der Polizei geflüchtet, er muss sich seit Januar wegen Mordes vor dem Landgericht verantworten. Dort wurden gestern die letzten Sekunden im Leben von Maxi D. rekonstruiert, ein Sachverständiger stellte sein Unfallgutachten vor.

Max hatte wohl keine Chance- BMW-Raser mit „mindestens 124 km/h“ unterwegs

Demnach waren Max und seine drei Freunde an der Bushaltestelle Aindorfer Straße ausgestiegen. Der Schüler ging voran auf die Fürstenrieder Straße, als Victor B. ihn mit der rechten Vorderseite seines Autos frontal erwischte. Laut Gutachten fuhr er seinen BMW i135 im vierten Gang mit einer Geschwindigkeit von „mindestens 124 km/h“. Nicht auszuschließen sei, dass es auch 126 Stundenkilometer waren. Exakt um 23.21 Uhr habe sich der Unfall ereignet, bei dem Max laut Gutachten insgesamt 45 Meter weit geschleudert wurde und sofort starb. Seine Freunde standen rechts von dem BMW – ein sogenanntes Mehrkörpermodell konnte den Unfall minutiös nachbilden.

„Wir gingen bei Grün über die Straße und hatten nach links geschaut, ob ein Auto kommt“, sagte Mitschülerin Mira P. (17, Name geändert) im Prozess aus. Sie hatte sich das Sprunggelenk gebrochen, als Victor B. von rechts in die Gruppe der Jugendlichen fuhr – und hatte noch Glück. Denn der BMW kam von der Landsberger Straße angeschossen, als Geisterfahrer konnten ihn die Schüler hinter dem Bus nicht sehen.

Die Fürstenrieder Straße glich nach dem Unfall einem Trümmerfeld, weil mehrere Autos Victor B. ausweichen mussten, der rund 1,8 Kilometer auf der falschen Straßenseite stadtauswärts gerast war. Erst an der Kreuzung zur Inderstorfer Straße kam der 306 PS starke Bolide zum Stehen, nachdem Victor B. vorher herausgesprungen und zu Fuß in Richtung Westpark geflohen war.

BMW-Raser überfährt Max (14) - und flüchtet vor der Polizei

Laut Gutachten hatte die Flucht erst im zweiten Versuch geklappt, beim ersten blockierte ein Baum seine Tür. Polizisten nahmen B. im Westpark fest. Vor Gericht wurden gestern schreckliche Bilder gezeigt: weiße Turnschuhe und eine Mütze auf dem Asphalt. Sie gehörten Max, der keine Chance hatte. Das Urteil im Mordprozess fällt am 5. März.

Nach Todesfahrt in München - Anklage wegen Mordes erhoben

Zehn Monate nach dem tödlichen Unfall in München hatte die Staatsanwaltschaft nun Anklage gegen Victor B. erhoben - unter anderem wegen Mordes an Max und versuchten Mordes an einer 16-Jährigen, die der Wagen auch erfasst hatte. Die Anklage geht davon aus, dass Victor B. am 15. November 2019 um 23.20 Uhr völlig zugedröhnt auf der Landsberger Straße wendete, obwohl das verboten ist. Dabei beobachteten zwei Polizisten im Dienstfahrzeug den 35-Jährigen. Zum Hintergrund: B. stand unter offener Bewährung. Ein Polizist schilderte am zweiten Verhandlungstag (18. Januar 2021) vor Gericht die dramatische Verfolgungsjagd. Schon in die Mordanklage enthüllte furchtbare Details. *tz.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

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