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Raser-Wahnsinn wird immer schlimmer – Verurteilungen seit 2018 verdreifacht

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Von: Andreas Thieme

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Polizei-Kontrolle von Autofahrern
Mit umfangreichen Kontrollen will die Polizei Raser stoppen. © Bernd Thissen/dpa

Rücksichtslos rasende Autos in der Innenstadt sind kein Einzelfall. Immer wieder sterben dabei unbeteiligte Menschen. Doch den Rasern drohen härtere Strafen.

München – Völlig demoliert stand der schwarze BMW von Victor B. nachts auf der Fürstenrieder Straße. Mitte November 2019 war der 36-Jährige im Rausch vor der Polizei* geflohen – und raste einen Schüler (14) tot. Dessen Freunde überlebten teils schwer verletzt, als Victor B. die Gruppe Jugendlicher mit mehr als 124 km/h in Laim* erfasst hatte.

Zahl der illegalen Autorennen in Bayern stark gestiegen

Nicht alle Raserfälle gehen so schlimm aus wie dieser in München*, doch die Zahl der illegalen Autorennen ist im Freistaat stark angestiegen. Erst seit dem Jahr 2018 wird die Zahl statistisch erfasst, 40 Gerichtsverfahren mit einer Verurteilung wurden zunächst gelistet. Doch der Wert hat sich seither mehr als verdreifacht. Aktuelle Zahlen zeigen: Im vergangenen Jahr gab es bereits 129 Verurteilungen gegen Raser. Im Jahr 2019 lag die Zahl noch bei 55 verurteilten Rasern.

Kriminalität in Bayern: Straftaten im Straßenverkehr haben größten Anteil

Auf Nachfrage sagt Justizminister Georg Eisenreich (50, CSU): „Straftaten im Straßenverkehr haben 2020 mit knapp einem Viertel den größten Anteil an der Kriminalität in Bayern. Die Zahl der Verurteilungen wegen illegalen Autorennens hat sich im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt. Das zeigt, wie wichtig es war, dass der Bundesgesetzgeber im Jahr 2017 - auch auf Bestreben Bayerns hin - die bloße Beteiligung an illegalen Autorennen unter Strafe gestellt hat.“

Denn Raser gefährden nicht nur unbeteiligte Dritte, sondern verschulden oft auch Unfälle, die tödlich ausgehen können. Besonders schlimm sind die Fälle, in denen sogar Passanten verletzt oder getötet werden – wie im Fall auf der Fürstenrieder Straße, wo Victor B. zum Mörder wurde*. Das Landgericht München I verurteilte ihn im März zu lebenslanger Haft. Begründung: Wer Drogen nimmt und so schnell fährt, hat keine Kontrolle mehr über sein Auto. B. habe billigend in Kauf genommen, dass Passanten getötet werden.

Illegale Autorennen: Härtere Strafen bis hin zur Mordanklage möglich

Das Auto als Mordwaffe: Auch so können Gerichte illegale Raserfälle werten. So geschehen in Berlin, als zwei Männer mit 170 km/h über den Ku‘damm gebrettert waren. Ein Fußgänger starb. Obwohl illegale Straßenrennen so gefährlich sind, gab es bis 2017 kein Gesetz dagegen – selbst, wenn Dritte verletzt wurden, kamen die Täter oft mit einer Ordnungswidrigkeit davon.

Doch das hat sich geändert – vor allem der Freistaat hat sich dafür eingesetzt, rücksichtslose Raser härter zu bestrafen. Heute regelt der Paragraf 315d des Strafgesetzbuches die Bestrafung von illegalen Kraftfahrzeugrennen. Schon die bloße Teilnahme zieht bis zu zwei Jahre Haft nach sich. Wer dabei andere gefährdet, muss mit bis zu fünf Jahren Haft rechnen. Verursacht ein Raser bei einem verbotenen Rennen den Tod einer Person, drohen bis zu zehn Jahre Haft – das hat Eisenreich bereits 2020 auch für Trunkenheitsfahrten bei der Justizministerkonferenz beantragt.

Eisenreich sagt: „Auch bei anderen verkehrsfeindlichen Verhaltensweisen mit tödlichem Ausgang muss nachgebessert werden. Die derzeitige gesetzliche Strafandrohung steht in keinem Verhältnis zu den dramatischen Folgen für die Hinterbliebenen der Opfer.“ Noch mehr Nachrichten aus München lesen Sie hier. Unser München-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Isar-Metropole. Melden Sie sich hier an.*tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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