Filmreifes Ende für Leben auf der Überholspur

Münchner Original stirbt zum Jahreswechsel: OB Reiter nimmt emotional Abschied - „Wird unvergessen bleiben“

Dieter Reiter und Georg Maier.
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Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (li.) würdigte den verstorbenen Georg Maier.

Ein friedvolles Ende wie im Film: Der Münchner Schauspieler, Dramaturg, Autor und Musiker Georg Maier verstarb in der Silvesternacht im Kreise seiner Liebsten.

Update 5. Januar, 10.16 Uhr: Auch Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter gedenkt des verstorbenen Georg Maier. In einem in der Rathaus-Umschau veröffentlichten Statement des SPD-Politikers heißt es: „Was unter seiner Leitung auf die Bühne kam, hatte Tiefsinnigkeit und Wortwitz und zeichnete sich durch Authentizität und schönstes münchnerisches Bayerisch aus“.

Maier stehe in einer Reihe mit den Großen des Münchner Theaters, erklärte Reiter. Das Werk des Verstorbenen werde gewiss noch lange Bestand haben. An die Angehörigen gewandt schreibt das Stadtoberhaupt: „Vielleicht können Sie Trost in der Gewissheit finden, dass er ein erfülltes und ereignisreiches Leben führen durfte und durch seine unvergleichlichen Stücke und sein Theater den Münchnerinnen und Münchnern unvergessen bleiben wird“. (lks)

Georg Maier: Er verstarb in München, als das neue Jahr gerade mal 20 Minuten alt war

Ursprungsmeldung vom 4. Januar 2021:

München - Er war ein Münchner Original bis zum letzten Atemzug. Und es hätte zum Charakter von Georg Maier (†79) auch gar nicht gepasst, wenn er plötzlich hinfällig auf die Pflege seiner Frau Raphaela (36) und seiner Tochter Georgia (47) angewiesen gewesen wäre, obwohl in seinem Zuhause in Solln schon alles dafür vorbereitet worden war – nach der Rückkehr aus dem Krankenhaus an Neujahr. Doch der Schauspieler, Dramaturg, Autor und Musiker Georg Maier hat sich ein zähes Ende auf der Bühne des Lebens einfach erspart, im Theater will so was ja auch keiner sehen.

So verschlechterten sich seine Blutwerte am Silvestertag nach vier Jahren Kampf gegen den Krebs so schnell und dramatisch, dass der Vorhang des Lebens noch vor der geplanten Entlassung aus dem Rechts der Isar fiel – kurz nach dem Mitternachtsläuten, als das neue Jahr gerade mal 20 Minuten alt war.

Er war ein Münchner Original: Georg Maier und seine Ehefrau Raphaela, hier ein Foto aus dem Jahr 2016.

Begleitet haben ihn die Lieben seines Lebens, seine Ehefrau Raphaela und seine große Tochter Georgia, die Kleinste, Marie (2), durfte daheim friedlich über den Tod von ihrem Papi hinwegschlafen. Es war ein friedvolles, Ende, „wie im Film“, beschreibt seine Tochter Georgia die letzten Atemzüge, nachdem die letzten Worte gesprochen waren und sich die Spannung des Lebens in diesem ausdrucksstarken Gesicht gelöst hatte. Alles war getan und erledigt.

München: Ende September spielte Georg Maier noch in seinem Paradestück „Die Grattler-Oper“

Ende September spielte Georg Maier noch in seinem Paradestück „Die Grattler-Oper“ in einer Freiluft-Aufführung. Und sein über Jahre geplanter Roman „Das Milieu“, in dem ein Preisboxer die Hauptrolle spielt, ist für den Verlag noch gerade fertig geworden. Die ehemalige Iberl-Schauspielerin, Kabarettistin Monika Gruber, hat das Vorwort dazu geschrieben.

Kein Außenstehender hat von der Krebserkrankung erfahren – weder das Ensemble, noch beste Freunde. Georg Maier wollte, dass man ihm völlig unbefangen begegnete. Das zog er über Jahre durch – keine Diagnose oder Prognose konnte ihn davon abbringen. Maier war streng mit sich selbst und – ja, auch dies – mit seinem Ensemble. Denn Witz braucht unbedingt Disziplin und Taktgefühl. Und ein guter Text: Rhythmus und Feinsinn, Dramaturgie und Substanz. Das alles hat Georg Maier mit jeder Faser auch selbst gelebt.

Georg Maier: Zwischen Erfolg versprechendem Auftritt und dem gewissen Hang zum Leichtsinn

Als Sohn eines Großgastronomen ist er in einem großbürgerlichen Haushalt in Grünwald mit Angestellten, aber auch im Milieu in der Innenstadt und im Schlachthofviertel groß geworden. Fünf Ehefrauen hatte Vater Otto – eine Amerikanerin brachte Georg zur Welt und sie legte ihm auch die großen Werte ihrer Heimat in die Wiege: das Streben nach Glück und die große Freiheit. Und so gehörte amerikanische Lässigkeit genauso zu Georg Maiers Leben wie die Münchner Lebensart – zwischen Erfolg versprechendem Auftritt und dem gewissen Hang zum Leichtsinn. Dafür brauchte es für Georg Maier akkurat sitzende Anzüge und fünf Maßhemden, gelegentlich auch einen hochkarätigen Boxkampf, selbst wenn das Leben sonst nur einen Kanten Brot hergab. Mit 15 war Maier Wirt einer Boazn an der Kapuzinerstraße und zockte die größten Gauner gleich selber ab.

Es war über Jahrzehnte ein Leben auf der Überholspur, bevorzugt in einem amerikanischen Schlitten. Georg Maier verführte und ließ sich verführen – seine Theaterstücke erzählen Bände von ihm selbst. Er hat nichts ausgelassen, außer jede Form von Spießbürgerlichkeit. „Da konnte es doch nicht einfach irgendein Tag sein, an dem er von dieser Welt geht“, meint seine Frau Raphaela.

„Ich musste erst 70 werden, bis ich die Liebe meines Lebens fand“

An diesem 1. Januar jährte sich nämlich zum 55. Mal, dass Maier das Iberl in Solln eröffnete, eine kleine Bühne, die zum großen Volkstheater wurde und wo die Liebe natürlich Hauptthema war. Zu seiner Tochter Georgia sagte er einmal: „Ich musste erst 70 werden, bis ich die Liebe meines Lebens fand.“ Raphaela Hinterberger, studierte Literaturwissenschaftlerin, ausgebildete Sopranistin und Schauspielerin, die ihm vor neun Jahren im Iberl begegnet war. Die 43 Jahre Altersunterschied, sie waren nie ein Thema. Töchterchen Marie, das vor zwei Jahren und vier Monaten auf die Welt kam, war ihrer beider innigster Wunsch.

Stolzer Vater: Für Georg Maier war die kleine Marie ein „absolutes Wunschkind“.

Raphaela wird die Bühne weiterführen – ganz im Sinne ihres Mannes. Wenn erst mal der Lockdown vorüber ist, dann soll dort wieder von Herzen gelacht werden. Mit über 40 Stücken aus der Feder Georg Maiers gibt es ein reiches Repertoire. Schon zu Lebzeiten hat der Impresario festgelegt, wie seine letzte Ruhestätte aussehen soll: auf dem Sollner Friedhof mit den Füßen Richtung Iberl-Bühne. Wann genau er dorthin gebettet wird, steht noch nicht fest.

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