München ist reif für die Bohrinsel

München - Münchens Energie-Zukunft liegt in der Nordsee: Die Stadtwerke München (SWM) haben dort seit 2006 rund 50 Lizenzen zur Suche und Förderung von Erdgas gekauft. Die ersten drei Gasfelder liefern schon.

Bis 2014 will SWM-Chef Kurt Mühlhäuser so viel eigenes Gas fördern, dass damit die Heizgaskunden versorgt werden können – und man somit unabhängig vom russischen Erdgas wird.

Schon heute kommen 35 Prozent des in Deutschland verbrauchten Erdgases aus Russland. Prognosen zufolge werden bis 2025 sogar 55 Prozent des in Zentraleuropa benötigten Gases von dort kommen. Da die Lücke zwischen Atomausstieg und Umstieg auf regenerative Energiequellen mit Gaskraftwerken geschlossen werden kann, droht sich die Abhängigkeit von Russland zu vergrößern.

SWM-Chef Kurt Mühlhäuser: „Vor diesem Hintergrund stellt sich die von den SWM vor gut fünf Jahren getroffene Entscheidung als goldrichtig heraus: Einstieg in die eigene Erdgasgewinnung.“ 2006 gründeten die Stadtwerke gemeinsam mit ihrem Gaslieferanten Bayerngas, der Schweizer Swissgas und der Tiroler Tigas die Bayerngas Norge AS, die gleich Anteile an einem eigenen ersten Gasfeld erwarb. 2009 kaufte die Bayerngas Norge das erste bereits Gas fördernde Unternehmen, im Dezember 2010 wurde das nächste Gasfeld in Betrieb genommen, im Februar 2011 ein weiteres. Mittlerweile besitzt die Bayerngas Norge Lizenzen zur Suche und Förderung von Erdgas vor der norwegischen, der britischen und der dänischen Küste.

Dürfen die Gaskunden der SWM künftig dann darauf hoffen, dass sie von den Russen verursachte Preissprünge auf dem internationalem Gaspreis kalt lassen können? Nein! Mühlhäuser: „Wir sind verpflichtet, das Gas zum Marktpreis weiter zu verkaufen.“ Doch es gebe Spielräume, schon jetzt seien die SWM im Vergleich zu anderen großstädtischen Versorgern günstig.

J. Welte

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