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Reiseärger immer schlimmer! Gepäck weg und gestrichene Flüge: So holen Passagiere jetzt ihr Geld zurück

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Von: Andreas Thieme

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An vielen deutschen Flughäfen kommt es derzeit wegen Personalmangel zu chaotischen Zuständen.
An vielen deutschen Flughäfen kommt es derzeit wegen Personalmangel zu chaotischen Zuständen. © Christopher Neundorf/Imago

Reisen sorgt aktuell für viel Ärger. Doch etliche Regelungen sorgen dafür, dass Reisende Entschädigungen erhalten. Ein Münchner Anwalt gibt die wichtigsten Tipps dazu.

München: Der Urlaub ist eigentlich die schönste Zeit im Jahr. Doch heuer herrscht Chaos - denn bei den Fluggesellschaften fehlt Personal, zudem bringt die Corona-Sommerwelle vieles durcheinander. Die Folge: Flüge werden gestrichen, Gepäck geht verloren oder man steht stundenlang im Flughafen an. Ein Ärgernis für Urlauber, doch ihnen steht das Reiserecht zur Seite. Wie kriegt man im Fall der Fälle sein Geld zurück? Ein Münchner Fachanwalt gibt Tipps.

1) Die Airline hat meinen Flug annuliert. Was steht mir zu?

Ein Fluggast hat das Recht auf Beförderung, schließlich hat er den Flug bezahlt und ist in Vorleistung getreten. Wird der Flug annulliert, haben Reisende die Wahl: vollständige Erstattung des Ticketpreises oder Umbuchung durch die Airline. Letzteres macht Sinn, wenn man im Ausland ein Ferienhaus gebucht hat: Dafür muss die Fluggesellschaft nämlich nicht aufkommen. Bietet die Airline keinen zeitnahen Ersatzflug an und weigert sich, einen Ersatzflug zu buchen, kann man laut Stiftung Warentest auch auf eigene Faust buchen und das Geld nach dem Urlaub einfordern.

Inzwischen kann auch der Zug eine gleichwertige Beförderung sein, wenn es sich zeitlich und vom Aufwand her im Rahmen bewegt. „Das gilt nur deutschlandweit“, sagt Michael Siegel, Fachanwalt für Reiserecht. Kam die Info über die Annullierung des Fluges weniger als 14 Tage vor Abflug, steht Reisenden neben Erstattung oder Ersatzbeförderung auch noch eine Entschädigung zu - je nach Flugstrecke zwischen 250 und 600 Euro. „Der Schutz der Reisenden hängt wesentlich davon ab, ob die EU-Fluggastrechte-Verordnung Anwendung findet. Dies ist der Fall, wenn ein Flug aus der EU startet und man mit einer EU-Airline von außerhalb in die EU fliegt“, so Siegel.

2) Mein Flug ist stark verspätet. Was kann ich jetzt tun?

Schon ab zwei Stunden Verspätung muss die Airline Verpflegung (in der Regel Geld oder Gutscheine) bereitstellen und zwei Telefonate oder Emails ermöglichen. Bei mehr als drei Stunden Verspätung gibt es klar geregelte Entschädigungen für Passagiere: 600 Euro bei Interkontinentalflügen, 400 Euro innerhalb der EU bei mehr als 3500 Kilometern Strecke und 250 Euro bei unter 1500 Kilometern.

Zudem muss die Airline für Taxi und Hotelkosten aufkommen, wenn der Flug nach technischen Problemen erst am nächsten Tag geht. Wichtig: Man muss die Forderung per Email gegenüber der Airline selbst geltend machen, das ist bis zu drei Jahre lang möglich. „Es sollte eine Frist von sieben Tagen gesetzt werden“, empfiehlt Siegel. Ähnlich bei Pauschalreisen: Hier kann man zudem den Reisepreis mindern, der Veranstalter „muss für mangelhafte Leistungen während der Reise verschuldensunabhängig einstehen“, sagt Siegel. Wichtig: Die Mängel müssen unmittelbar angezeigt werden.

3) Mein Koffer ist auf dem Flug verloren gegangen. Was nun?

„Für den Fall, dass das Gepäck verloren geht, hat der Reisende einen Anspruch gegen die Airline oder den Reiseveranstalter auf Suche und Herausgabe des Gepäckstücks“, sagt Siegel. Noch vor Ort sollte der Verlust am Lost&Found-Schalter des Flughafens gemeldet werden - inklusive Beschreibung des Koffers. 3000 Gepäckstücke von Lufthansa-Passagieren sind aktuell noch in München, hieß es am Freitag. Werden sie nicht gefunden, haben Passagiere Anspruch auf Schadensersatz - pro Person maximal 1630 Euro. Im Vorteil ist, wer ein Foto beim Packen gemacht hat.

Das Chaos am Münchner Flughafen spitzt sich derweil zu. Zuletzt sind am Münchner Flughafen wegen des Chaos 3000 Gepäckstücke liegen geblieben. Die Lufthansa entschuldigte sich daraufhin.

4) Stundenlanges Anstehen verhindert, dass man den Flug erreicht.

Das kommt aktuell häufig vor! Hier ist zu unterscheiden: Ist die Schlange vor dem Checkin derart lang, dass man seinen Flug nicht mehr rechtzeitig erwischt, „so ist die Airline zuständig und alleiniger Ansprechpartner“, sagt Siegel. Hier muss man sich „aktiv bemerkbar machen und eine Bevorzugung einfordern.“ Das gilt genauso beim Sicherheitsbereich: „Das Personal vor Ort muss diese Reisenden entsprechend priorisieren und vorziehen“, sagt Siegel. Verantwortlich dafür ist die Bundesrepublik Deutschland. Übrigens: 90 Minuten vor Abflug am Flughafen zu sein, wurde von Gerichten als ausreichend angesehen. Momentan sollte man aber besser die doppelte Zeit einplanen, raten auch die Airlines.

Stornierte Flüge, lange Warteschlangen und Koffer-Chaos: Die Situation an deutschen Flughäfen ist kritisch. In unserem News-Ticker finden Sie alle aktuellen Informationen zur Flughafen-Situation in Deutschland.

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