Söder und Reiter zu Gast

Der lange Weg zur Immunität: Das ist der Fahrplan für Münchens Impfzentrum in Riem

Münchens Impfzentrum in der Messe ist startklar. Am 27. Dezember soll es losgehen. Zunächst werden Bewohner und Beschäftigte von Alten- und Behindertenheimen von mobilen Einsatzteams geimpft.

  • Am 27. Dezember sollen - per mobiler Einsatzteams - die ersten Impfungen in München* starten.
  • Die Messe in Riem wird das neue Impfzentrum.
  • Nach den Bewohner und Beschäftigte von Alten- und Behindertenheimen folgen Personen über 80 Jahre.
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München - Im Eingangsbereich der Messehalle C3 sieht es aus wie am Flughafen. Zehn Check-in-Schalter stehen für die Besucher bereit. Hier müssen sich jene Personen registrieren lassen, die einen Impftermin haben. Dann geht es ums Eck in eine weitere, größere Halle – den Wartebereich. Wer dran ist zum Impfen, wird aufgerufen und betritt dann eine Kabine. Hier warten ein Arzt und eine Verwaltungskraft. Ehe geimpft wird, findet ein Aufklärungsgespräch statt.

Dann wird noch ein zweiter Termin vereinbart. Denn die Verabreichung des Impfstoffs sollte binnen drei Wochen wiederholt werden. Alles in allem dürfte die Prozedur rund eine Stunde dauern, schätzt Wolfgang Schäuble, Chef der Münchner Berufsfeuerwehr, der die Leitung des Impfzentrums übertragen wurde. Betrieben wird es von der Aicher Ambulanz in Kooperation mit dem Rettungsdienst MKT Krankentransport.

„Die Impfung soll für uns als Fahrkarte und Hoffnung zurück in ein normales Leben dienen“

An diesem Montag statten Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und OB Dieter Reiter (SPD) dem Impfzentrum einen Besuch ab. Beide werben bei dieser Gelegenheit eindringlich dafür, sich impfen zu lassen. „Das bietet die beste Sicherheit“, sagt Söder, dem nicht nur das „hochgefährliche Coronavirus*“ ein Gräuel ist, sondern auch das „Virus der Skepsis und Ignoranz“. Und Reiter assistiert: „Die Impfung soll für uns als Fahrkarte und Hoffnung zurück in ein normales Leben dienen.“ Die Impfkapazität in Riem beträgt aktuell 2000 und im Endausbau 8000 Menschen pro Tag. Söder und Reiter wollen auf die Tube drücken. Allerdings sei man auch davon abhängig, wie zügig und in welcher Größenordnung der Bund Impfdosen zur Verfügung stellt. Der Ministerpräsident bittet die Bürger daher um Verständnis. Die Devise laute: „Geduld, Geduld, Geduld.“

Wie lange es dauern könnte, bis ein Großteil der Bevölkerung gegen das Coronavirus immunisiert ist, zeigt sich am Beispiel der Millionenstadt München. Von den 1,55 Millionen Einwohnern gehören rund 120 000 Personen der Priorisierungsstufe 1 an. Zuerst sind ab 27. Dezember die etwa 30 000 Bewohnerinnen und Bewohner sowie Beschäftigten der Alten- und Behindertenheime dran. Bis zu 20 Teams sind hier im Einsatz, die pro Tag insgesamt 600 Menschen impfen können.

Ministerpräsident Markus Söder (l.) und OB Dieter Reiter im neuen Impfzentrum in der Messe München.

Wer sich impfen lassen will, kann telefonisch oder online einen Termin in der Messehalle Riem vereinbaren

Ab der kommenden Woche werden dann Personen über 80 Jahre (rund 80 000 Bürger), die in ihrem eigenen Zuhause leben, von der Stadt per Post verständigt. Wer sich impfen lassen will, kann telefonisch oder online einen Termin in der Messehalle Riem vereinbaren. Reiter sagt, wer nicht mehr so mobil oder rüstig sei, könne sich von einer Bezugsperson begleiten lassen. Notfalls werde die Stadt aber auch Taxis organisieren. Zur Priorisierungsstufe 1 zählen ferner Beschäftigte in Notaufnahmen und Covid-19-Stationen, im Rettungsdienst und von ambulanten Pflegediensten.

Nach Einschätzung von Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek (SPD) dürften frühestens in vier Wochen die ersten Menschen in Riem geimpft werden. Bis alle 120 000 Personen der Priorisierungsstufe 1 in München immunisiert sind, wird es wohl bis März dauern. Denn nach aktuellem Kenntnisstand erhält die Landeshauptstadt für die ersten vier Wochen nur rund 90 000 Impfdosen. Weil eine Zweifach-Impfung notwendig ist, werden im ersten Schwung also etwa 45 000 Personen immunisiert. Eine Prognose, wann in München 60 Prozent der Bevölkerung – eine Quote, die Experten für sinnvoll erachten – geimpft sein könnten, ist Stand jetzt kaum möglich.

Zurek und Schäuble hoffen, dass irgendwann auch die Hausarztpraxen mit dem Corona*-Impfstoff ausgestattet werden. Und Zurek hofft, dass die Zahl der Todesfälle sinkt, sobald die vulnerablen Gruppen geimpft worden sind. Rund 59 Prozent der bislang 483 Münchner Covid-Toten waren über 80 Jahre alt. 36 Prozent zwischen 61 und 80 Jahre. Fünf Prozent der Verstorbenen waren 60 Jahre oder jünger. - *tz.de ist Teil des Ippen-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Tobias Hase / dpa

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