Hilfsstation am Hauptbahnhof abgebaut

München rüstet sich nicht mehr für Flüchtlinge

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Die Zelte am Hauptbahnhof werden zusammengepackt.

München - Die Infrastruktur war so gut wie nie zuvor, nur gab es niemanden, den man helfen konnte: Am Dienstag wurden am Hauptbahnhof die Zelte abgebaut, in denen bis kurz vor dem Oktoberfest zehntausende Flüchtlinge nach ihrer Ankunft erstversorgt wurden.

Während die Hilfsorganisationen sowie die Stadt in den vergangenen Wochen ihr Hilfsangebot sogar noch ausgebaut hatten, stellten die Behörden von Bund und Land das gesamte Drehkreuzsystem so um, das nun kleine Städte wie Freilassing, Simbach oder Passau täglich tausende Flüchtlinge empfangen (tz-Kommentar: Heute bin ich Patriot! Für Ostbayern!). Kommunen und Ehrenamtliche sind überfordert, dabei würden in München tausende Helfer bereit stehen.

Helfer-Sprecher Colin Turner ist enttäuscht. Am Bahnhof gibt es mehr nichts zu helfen, weil die Flüchtlinge in der Provinz landen.

Es waren bewegende Bilder, als sich im September hunderte Helfer sich um die tausende Flüchtlinge kümmerten, die nach Monaten der Angst in München ankamen. Kurz vor dem Oktoberfest wurde der Zugverkehr von Salzburg nach München eingestellt, seitdem kommen in den Grenzstädten Passau, Freilassing oder Simbach am Inn täglich tausenden Menschen an, die Hilfe benötigen. Das Bayerische Rote Kreuz schlug schon vor zwei Wochen Alarm, dass die ehrenamtlichen Helfer, ohne die die Bundespolizei kaum in der Lage wäre, die Menschen zu lenken und versorgen, am Ende ihrer Kräfte sind. Colin Turner, Sprecher der Flüchtlingshilfe München, wittert Absicht dahinter: „Wir hatten schon im September die Infrastruktur und das Helfernetz, um an einem Wochenende 20 000 Menschen versorgen zu können.“ Derzeit kommen nur noch 100 Flüchtlinge pro Tag am Hauptbahnhof an.

Leere hinter dem Hauptbahnhof.

Dabei sind über 4500 Münchner registriert, die für Hilfsleistungen aktiviert werden können. Als im September Schlafsäcke und Wasser benötigt wurde, waren die Dinge innerhalb einer Stunde da. „Ich glaube, dass die Bilder von Menschen, die helfen und solchen, denen geholfen wird, politisch nicht gewollt sind und die Probleme im Grenzgebiet mindestens fahrlässig wenn nicht absichtlich herbeigeführt werden“, glaubt Turner. „Die Probleme werden dabei auf die Flüchtlinge sowie die Bewohner der Grenzregion abgewälzt.“

Der Pressesprecher des Bayerischen Innenministeriums, Stefan Frey, weist diese Vorwürfe als „absurd“ zurück: „Eine Zurückverlagerung des Drehkreuzes nach München würde keinen Sinn machen, die Verteilung der Flüchtlinge vom Grenzraum weg hat sich bewährt.“ Derzeit kämen die Flüchtlinge in die Warteräume in den ehemaligen Kasernen in Erding oder Feldkirchen bei Straubing, wo sie in Zelten schlafen. Frey: „Das Ganze ist doch keine Showveranstaltung.“

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