Jetzt fährt sogar die Olympia-S-Bahn wieder

+
Der Zug wird momentan saniert

München - So seltsam es klingt: Die S-Bahn München setzt ab Dezember einen Museumszug zusätzlich im Regelbetrieb ein und schafft dadurch ganz leicht neue Sitzplätze.

Freilich ist das nicht irgendein Zug, sondern der letzte noch existierende Vorserien-Triebwagen, der extra für das neue Münchner S-Bahn-Netz und die Olympischen Spiele 1972 konstruierten Baureihe 420. Ein technisches Denkmal seiner Zeit. Derzeit wird der Elektrotriebwagen (ET) mit der Seriennummer 420 001 in Nürnberg wieder in Stand gesetzt.

Nachdem München am 25. April 1966 den Zuschlag für die Olympischen Sommerspiele 1972 erhalten hatte, wurde in nur sechs Jahren das neue Münchner S-Bahn-Netz samt Stammstrecke geplant, genehmigt, gebaut und in Betrieb genommen. Zur neuen S-Bahn gehörte das Prinzip: In maximal 60 Minuten vom Endpunkt der Region zum Arbeitsplatz in München. Dazu konstruierte die Bahn neue, spurtstarke Triebwagen – eben die Olympiazüge der Baureihe 420, die technisch eine Revolution darstellten und einen Fahrgastboom auslösten. Die Baureihe wurde später auch für die neuen S-Bahn-Netze unter anderem in Stuttgart und Frankfurt gebaut.

Von den drei Fahrzeugen der Vorserie hat nur einer überlebt: der ET 420 001. Für das 30-Jahre-Jubiläum der S-Bahn München wurde er 2002 frisch gestrichen und erhielt eine preiswerte Hauptuntersuchung. Bis zum Ablauf des „Bahn-TÜVs“ vor einem Jahr setzte der Verein „Interessengemeinschaft historische S-Bahn“ (IGS) den Zug für Sonderfahrten ein. Doch seit April 2010 stand der Zug am Abstellgleis. Die DB-Zentrale in Berlin wollte den Zug verschrotten.

Gott sei Dank erreichten Privatleute, dass er unter Denkmalschutz gestellt wurde. Das Problem: Die aktuelle Hauptuntersuchung, um den Olympiazug wieder laufen zu lassen, wird wesentlich teurer, weil unter anderem die gesamte Verkabelung erneuert werden muss. S-Bahn-Geschäftsleiter Bernhard Weisser, der engagiert eine Lösung suchte, eiste das Geld für eine erneute Revision in Höhe von mehreren hunderttausend Euro schließlich mit Unterstützung der Bayerischen Eisenbahngesellschaft als Besteller des S-Bahn-Verkehrs doch noch in Berlin los.

Der Kompromiss: Der Museumszug wird künftig im Regelbetrieb eingesetzt und erspart dadurch ein Neubaufahrzeug. Deshalb genehmigte die DB-Zentrale das Geld. Seit einer Woche steht der Zug im Ausbesserungswerk Nürnberg. S-Bahn-Chef Weisser zur tz: „Bisher wurden keine gravierenden Rahmenschäden gemeldet, die eine Sanierung verhindern könnten.“ Wenn alles nach Plan läuft, rollt der orange-weiße Olympiazug ab Dezember auf der S 20 und S 27 (durch die Stammstrecke darf er wegen verschärfter Brandschutzbestimmungen nicht mehr fahren). Die S-Bahn kann dadurch einen der modernen Züge etwa zusätzlich auf der überlasteten S 4 einsetzen.

Karl-Heinz Dix

Auch interessant

Meistgelesen

S-Bahn-Verbindung zwischen Flughafen und Neufahrn kurzzeitig unterbrochen
S-Bahn-Verbindung zwischen Flughafen und Neufahrn kurzzeitig unterbrochen
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
München, du hast noch immer ein Problem mit Homophobie!
München, du hast noch immer ein Problem mit Homophobie!
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 

Kommentare