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„Bis voraussichtlich Ende 2034“

Mehr Fahrgäste trotz Corona: Neue Züge auf Zweiter Stammstrecke? Münchner S-Bahn vor neuem Vertrag

Szene aus der S-Bahn München
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274 Züge im Einsatz - 14 statt zwölf Jahre Laufzeit.

Wie kann die Münchner S-Bahn die steigende Zahl an Fahrgästen bewältigen? Freistaat und Deutsche Bahn verhandeln aktuell über einen neuen Vertrag.

  • Trotz Corona dürften die Fahrgastzahlen bei der S-Bahn München weiter steigen.
  • Sie bleibt auch langfristig in der Zuständigkeit der Deutschen Bahn – bis mindestens Ende 2034.
  • Hinter den Kulissen wird zwischen Freistaat und DB derzeit um die Modalitäten eines neuen Vertrags gerungen.

München – Mal ärgert man sich über die S-Bahn, mal ist man froh, dass sie pünktlich fährt und man (gerade in Corona-Zeiten) einen Sitzplatz ergattert. Letzteres ist nicht selbstverständlich, wie neue Zahlen illustrieren, die der Münchner SPD-Abgeordnete Florian von Brunn durch eine Landtags-Anfrage erhalten hat. Demnach ist die Zahl der S-Bahn-Fahrgäste (vor Corona*) an einem durchschnittlichen Werktag in den vergangenen Jahren fast kontinuierlich angestiegen. Waren es 2013 gut 725.000 pro Tag, so kletterte diese Zahl bis 2019 auf über 821.000 – ein Zuwachs von fast 100.000 in sieben Jahren. Corona-bedingt ist die Fahrgastzahl derzeit allerdings stark gesunkensie beträgt nur 60 bis 70 Prozent des Vor-Corona-Stands.

Trotz Corona in München: S-Bahn puffert Fahrgast-Zuwachs mit Leihfahrzeugen aus NRW ab

An dem langfristigen Trend – einem weiteren Fahrgastzuwachs – dürfte die Corona-Delle aber nichts ändern. Die S-Bahn, so zeigt die Antwort des bayerischen Verkehrsministeriums auf die Anfrage des Abgeordneten, puffert den Zuwachs mit verschiedenen Maßnahmen ab. So ist die Zahl der Züge gestiegen: Neben 238 Fahrzeugen der Baureihe 423 sind seit Längerem auch die alten Olympia-S-Bahnen der Baureihe 420 sowie Leihfahrzeuge etwa aus Nordrhein-Westfalen im Einsatz. Insgesamt könne die S-Bahn jetzt auf 274 Fahrzeuge zurückgreifen. Zudem wird die Baureihe 423 derzeit umgerüstet – weniger Sitzplätze, aber insgesamt mehr Kapazität: Statt 544 Plätze ist in den modernisierten Zügen Platz für 612 Personen. Aktuell sind 157 der 238 Züge umgebaut.

S-Bahn in München: „Der Kapazitätszuwachs hält mit dem Fahrgastzuwachs nicht Schritt“

Florian von Brunn reicht das freilich nicht. Er fordert, die S-Bahn dürfe „nur noch Langzüge einsetzen“ und müsse weitere Züge beschaffen. „Der Kapazitätszuwachs hält mit dem Fahrgastzuwachs nicht Schritt.“ Ohnehin bereitet die S-Bahn den Kauf neuer Züge vor. Das wird aber noch Jahre dauern. Derzeit laufen Verhandlungen zwischen Freistaat und DB. Im ersten Münchner* S-Bahn-Vertrag soll geregelt werden, dass die S-Bahn zunächst ihre alten Züge weiterfahren darf, dann aber sukzessive auf Neufahrzeuge umstellt.

Wie diese Züge ausehen werden, ist unklar. Das wird in einem Lastenheft definiert. Denkbar ist ein bis zu 210 Meter langer durchgängiger Gliederzug – ähnlich wie bei den neuen Münchner U-Bahnen. Die fällige Milliardeninvestition kann selbst ein Konzern wie die DB nicht leicht schultern, nach Corona schon gar nicht. Daher wird der Freistaat einen Teil der finanziellen Risiken abnehmen – erhält im Gegenzug aber Zugriff auf die Züge. Der Abschluss des Vertrags hat sich schon um ein Jahr verzögert, Ende 2020 soll es aber soweit sein, wie der Sprecher der Bayerischen Eisenbahngesellschaft, Wolfgang Oeser, gegenüber unserer Zeitung versichert. Überraschend ist die Laufzeit des Vertrags: 14 Jahre – „bis voraussichtlich Ende 2034“. Ursprünglich sollten es zwölf Jahre sein.

S-Bahn München: Kommt der 24-Stunden-Betrieb?

Einen Grund für die verlängerte Laufzeit nennt die BEG nicht. Auch schweigt sie sich über die Modalitäten aus – ob zum Beispiel die vom Abgeordneten von Brunn gewünschten Langzüge kommen oder auch ein immer wieder angemahnter 24-Stunden-Betrieb – also S-Bahnen tief in der Nacht. Bekannt ist aber: Angestrebt wird ein Bruttovertrag mit Anreizelementen.

Das heißt: Der Freistaat garantiert dem Betreiber ein festes Bestellerentgelt, für Leistungen wie Pünktlichkeit oder Sauberkeit gibt es Bonuszahlungen. Das Bestellerentgelt ist der größte Kostenfaktor. Derzeit erhält die S-Bahn über 200 Millionen Euro im Jahr vom Freistaat, ergibt sich aus der Anfrage des SPD-Abgeordneten von Brunn. Den genauen Betrag nennt das Ministerium nicht. Dies sei „Geschäftsgeheimnis“. So viel aber sagt das Ministerium dann doch: die Kosten für die S-Bahn stiegen bisher Jahr für Jahr: um im Schnitt 4,7 Prozent.

S-Bahn München: Neue Züge auf zweiter Stammstrecke

Sicher ist, dass in die Laufzeit des ersten S-Bahn-Vertrags die Inbetriebnahme der zweiten Stammstrecke fällt. Der zweite Tunnel zwischen Laim und Ostbahnhof soll Ende 2028 fahrtauglich sein – nach derzeitigem Kenntnisstand. Der Betrieb im zweiten Tunnel müsse stabil laufen, ehe man über einen zweiten S-Bahn-Vertrag reden könne, heißt es bei der BEG.

Wie es ab 2034 weitergehen könnte, ist erst skizzenhaft bekannt. Geplant ist, dass dann einzelne S-Bahn-Linien ausgeschrieben werden. Danach könnte im Extremfall (willkürlich gewähltes Beispiel) die S4 einen anderen Betreiber haben als etwa die S7. *tz.de gehört zum Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk.

Ein junger Mann aus München hat mit einer mehr als unbedachten Aktion für Ausfälle im Zug- und S-Bahn-Verkehr gesorgt.

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