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„Das ist Abzocke“: S-Bahn-Kontrolle treibt Rentner zur Weißglut - Strafe trotz Ticket

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Von: Marius Epp

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Rentner Thomas Ritter aus Baldham zeigt seine Streifenkarte und seine Fahrpreisnacherhebung.
Er fühlt sich ungerecht behandelt: Thomas Ritter aus Baldham-Vaterstetten. © Stefan Rossmann

Rentner Thomas Ritter aus Baldham erlebte am Samstag einen Horror-Tag, der ihn auch noch teuer zu stehen kam. Schuld daran: Die Münchner S-Bahn.

München - Am Samstag, den 16. Oktober lief so ziemlich alles schief im bis dato unbelasteten Verhältnis zwischen Thomas Ritter und dem MVV. „So sauer war ich selten“, ärgert sich der 72-Jährige noch Tage später. Es war der berühmte Tag zum Vergessen - wie ihn wohl jeder schon einmal erlebt hat. Doch der Reihe nach.

Ritter macht sich an jenem Samstag frohen Gemütes auf den Weg zu einem Familientreffen. An der Donnersbergerbrücke will ihn sein Neffe abholen. Dafür nutzt der Rentner die S-Bahn*, die ihn von seinem Wohnort Baldham in einer guten halben Stunde ans Ziel bringt - eigentlich, denn: Die Bahn fährt nicht.

München: S-Bahn-Fahrt wird zum Alptraum für 72-Jährigen

„Es stand nichts auf der Anzeigentafel, sie kam einfach nicht“, erinnert sich Ritter. Kurzerhand steigt er ins Auto und fährt damit zur S-Bahn-Station Haar, wo wieder ein Zug fährt. Praktisch: Ritter hat noch eine alte Streifenkarte, stempelt die letzten beiden Streifen und kauft sich gleich eine neue für die Rückfahrt.

Drei Stationen später taucht in Berg am Laim* eine Kontrolleurin auf. Ritters Streifenkarte sei abgelaufen, er fahre somit ohne gültigen Fahrschein. „Die Dame war extrem unfreundlich und hat mir nicht einmal gesagt, dass ich eine Strafe zahlen muss - sondern mir nur einen Zettel in die Hand gedrückt“, echauffiert sich der Fahrgast.

Die Streifenkarte (rechts) war nicht mehr gültig, weil sich der Fahrpreis geändert hat. Es folgte eine Fahrpreisnacherhebung - sprich Strafe - von 60 Euro (links).
Die Streifenkarte (rechts) war nicht mehr gültig, weil sich der Fahrpreis geändert hat. Es folgte eine Fahrpreisnacherhebung - sprich Strafe - von 60 Euro (links). © Stefan Rossmann

München: Rentner ärgert sich über ungerechte Bahn-Kontrolle - MVV reagiert

Damit nicht genug - wenig später folgt der nächste Tiefschlag: Am Ostbahnhof müssen alle Fahrgäste aussteigen. Wegen eines Polizeieinsatzes an der Hackerbrücke geht es nicht mehr weiter, Teile der Stammstrecke sind dicht. Ritter ist sowieso schon zu spät dran - jetzt hat er endgültig keine Chance mehr, sein Ziel zu erreichen. Mächtig frustriert tritt er den mit der Bahn wieder den Heimweg an.

Besonders verärgert ist der Rentner über die Strafe von 60 Euro. MVV-Sprecherin Franziska Hartmann stellt auf Anfrage allerdings klar: Die „Fahrpreisnacherhebung“ war in diesem Fall hart, aber rechtens. „Wird der Preis eines bestimmten Tickets wie zum Beispiel der Streifenkarte erhöht, hat der Kunde drei Monate Zeit, es gegen Bezahlung der Differenz umzutauschen.“ Zudem werde eine Bearbeitungsgebühr von zwei Euro fällig.

München: MVV erhöht Ticketpreise im Dezember 2021

Eine Streifenkarte kostet seit Dezember 2020 14,60 statt 14 Euro. Von der Preiserhöhung hat Thomas Ritter nichts mitbekommen. „Für mich ist das Abzocke. Ich erwarte in einem solchen Fall ein bisschen Kulanz und Fingerspitzengefühl. Wenn man es genau nimmt, habe ich den MVV für die Fahrt mit der alten Karte um sage und schreibe 12 Cent ‚betrogen‘ und werde dafür behandelt wie ein Schwarzfahrer.“

Ab dem 12. Dezember 2021 müssen Fahrgäste des Münchner ÖPNV mehr bezahlen: Der MVV hebt die Ticketpreise um durchschnittlich 3,7 Prozent an. Eine Streifenkarte etwa kostet künftig 15,20 €. Alte Fahrkarten, die von einer Preiserhöhung betroffen sind, können noch bis zum 31. März 2022 aufgebraucht werden. Danach sind sie ungültig. (epp) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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