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Pünktlich kommt hier nur der Ärger: Münchner S-Bahn sorgt mit traurigem Rekord für Aufsehen

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Von: Dirk Walter

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Störfaktor: Immer wieder gibt es neuralgische Schwachstellen im S-Bahn-Netz. Hier reparieren Arbeiter eine Weiche nahe der Hackerbrücke
Störfaktor: Immer wieder gibt es neuralgische Schwachstellen im S-Bahn-Netz. Hier reparieren Arbeiter eine Weiche nahe der Hackerbrücke. © Achim Schmidt

Die Ticketpreise sind stolz. Doch in Sachen Zuverlässigkeit hat die Münchner S-Bahn eine schwarze Serie. Es gibt Druck vom Verkehrsministerium: Schwachstelle ist die Infrastruktur.

München – Verspätungen und Ausfälle – das erlebten die Pendler mit der Münchner S-Bahn* zuletzt in Serie. Nun gibt es einen amtlichen Rüffel: Die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG), die den Bahnverkehr im Auftrag des Verkehrsministeriums managt, rüffelt die Bahn: „Die aktuelle Betriebsqualität der S-Bahn München ist für die BEG nicht zufriedenstellend und liegt unter den Zielwerten.“

Besonders die Bahntochter DB Netz steht im Zentrum der Kritik. „Ein großer Anteil von Verspätungen und Zugausfällen ist durch Beeinträchtigungen der Infrastruktur ausgelöst worden.“ Insbesondere die Leit- und Sicherungstechnik lasse zu wünschen übrig, schreibt BEG-Qualitätsmanager Wolfgang Oeser. Auch Störungen von Signalen und Weichen nehmen zu. Daneben werden noch übliche Störfälle wie „Personen im Gleis“ und Fahrzeugpannen aufgelistet.

München: Zuverlässigkeit der S-Bahn schlechter als in früheren Jahren

Die BEG hat auf Anfrage unserer Zeitung die Pünktlichkeitswerte ermittelt. Im Oktober sank dieser auf 90,7 Prozent. Das heißt, dass jeder zehnte Zug verspätet war. In der ersten Novemberwoche (1. bis 7. November) fiel die Pünktlichkeit auf 87,8 Prozent. Die Werte sind weit schlechter als in früheren Jahren. 2016 etwa erreichte die S-Bahn eine Jahrespünktlichkeit von 96,4 Prozent, 2017 waren es 95,6 Prozent. Ausfallende Züge wurden und werden in diesen Statistiken nicht gewertet.

Verspätung heißt: Ein Zug war an bestimmten Zählpunkten mindestens drei Minuten zu spät. Die BEG hat den Wert verschärft: Früher zählte ein Zug nur dann in der Verspätungsstatistik, wenn er sechs Minuten oder mehr verspätet war.

Besonders krass war es am 25. Oktober, einem Montag: Bei Reparaturarbeiten im S-Bahn-Tunnel zwischen Ostbahnhof und Rosenheimer Platz hatten Arbeiter ein Kabel beschädigt. Ab Betriebsbeginn lief es bei der S-Bahn nur rumpelig. Viele Züge fuhren nur auf den Außenästen, in Pasing oder Ostbahnhof musste man umsteigen.

Wie man mehr Menschen zum Umstieg auf den ÖPNV motivieren könnte, hat derweil kürzlich ein Mobilitätsforscher erklärt:

München: Bald weniger Zugausfälle und Verspätungen? Die Prognose ist düster

Für die Pannenserie bekommt die S-Bahn nun die Quittung: Es gibt Vertragsstrafen, sogenannte Pönalen. Über die Höhe macht die BEG keine Angaben. Aber sie berichtet, dass eigenverschuldete Zugausfälle sowie Abweichungen von der Regelzugbildung – wenn also eine S-Bahn nur aus zwei statt drei Einheiten besteht – zusätzlich sanktioniert werden.

Für die Zukunft verheißt der BEG-Bericht nichts Gutes: Es gebe in Bayern einen Abarbeitungsstau bei Baumaßnahmen. Dieser „wird sich auch in den nächsten Jahren auf einem hohem Niveau bewegen“. Im Klartext: Mit Infrastruktur-Störungen wird der Pendler weiter leben müssen.

Derweil sollen die MVV-Tarife überarbeitet und dabei ein Ticket entwickelt werden, dass die neuen Arbeitsmodelle mit Home Office mit einpreist. Das fordern ÖDP und München Liste in einem Antrag. Unser München-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Isar-Metropole. Melden Sie sich hier an. *tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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