ÖPNV-Ausbau

S-Bahn München: SPD fordert Ring-Linie und 10-Minuten-Takt - 20 Milliarden Euro Kosten?

 Eine S-Bahn fährt in München aus einem Tunnel.
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Neben einer zweiten Stammstrecke wünscht sich die SPD einen S-Bahn-Ring für München.

Wer weniger Autos in der Stadt möchte, braucht einen besseren Nahverkehr. Dafür hat die SPD in München einen neuen 10-Punkte-Plan erarbeitet.

München – Der Ort für die Pressekonferenz war wohl gewählt. Keine 15 Meter neben der Eisenbahnbrücke über die Lindwurmstraße, wo in Zukunft der Regionalhalt Poccistraße eingerichtet wird, der Pendlern das Umsteigen vom Zug zur U-Bahn erleichtern soll. Und mehr solcher Möglichkeiten wünscht sich die SPD* auch für die S-Bahn. Dazu haben Stadtratsfraktion und Bayern-SPD einen Zehn-Punkte-Katalog mit Forderungen vorgestellt.

Die S-Bahn* ist das Rückgrat des ÖPNV in der Metropolregion. 60 Prozent des Regionalverkehrs, sagt Bayern-SPD-Chef Florian von Brunn, würden mit der S-Bahn abgewickelt. Das entspricht rund 840 000 Fahrgästen täglich. Allein an Zuverlässigkeit mangelt es. Zudem ist das S-Bahn-Netz in München* zentral angelegt, Umstiege zur U-Bahn* sind lediglich an den Knotenpunkten möglich.

S-Bahn München: SPD fordert Ring-Linie und neue Haltestellen - „Ausbau dauert zu lange“

Die SPD bringt als Lösung dazu eine Ringbahn in Spiel. Der Ringschluss sei zusätzlich zur zweiten Stammstrecke notwendig, um zu entlasten und weitere Kapazitäten zu schaffen. Dazu sollen Süd- und Nordring verknüpft und ausgebaut werden. „Das heutige Netz ist zu stark auf das Stadtzentrum ausgerichtet“, sagt SPD-Stadtrat Nikolaus Gradl. „Wenn wir spürbar weniger Autos in der Stadt haben wollen, brauchen wir eine innerstädtische Ringbahn zusätzlich zur zweiten Stammstrecke*.“

Der Plan der MVV in München.

Die Genossen wollen zudem neue Haltestellen an der Berduxstraße (Pasing*) und Großhesseloher Brücke. Planungen für die Berduxstraße gibt es bereits. Der Halt soll das neue Wohngebiet an der Paul-Gerhardt-Allee anbinden. Die SPD will nun ein beschleunigtes Verfahren. „Das Gerangel um die Haltestelle Berduxstraße zeigt im Kleinen das große Problem, das wir mit der Deutschen Bahn und dem Freistaat haben“, sagt Münchens SPD-Fraktionschef Christian Müller. „Der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs dauert einfach zu lange. Wenn wir bei jedem neuen Bahnhof jedes Mal jahrelang verhandeln müssen, wird nichts vorangehen.“

München: Barrierefreiheit und Zehn-Minuten-Takt - was sich die SPD von der S-Bahn wünscht

Überdies sollen bestehende Haltestellen barrierefrei und sicher ausgebaut werden, allein in München gebe es laut SPD-Stadtrat Gradl 14 Haltestellen, die mit dem Rollstuhl nicht erreicht werden können, weil es an einem barrierefreien Zugang fehle. Oder es sei der Höhenunterschied zwischen Bahnsteigkante und Zugeingang für Rollstuhlfahrer schlicht nicht zu überbrücken, sodass diese nicht einsteigen könnten.

Eine weitere Forderung der SPD ist ein durchgängiger Zehn-Minuten-Takt für die gesamte S-Bahn München werktags von 6 bis 21 Uhr. Außerhalb dieses Zeitraums sei mindestens ein flächendeckender 20-Minuten-Takt anzustreben.

München: 20 Milliarden Euro in 20 Jahren - schneller S-Bahn-Ausbau für den Klimaschutz

Darüber hinaus soll die Deutsche Bahn die Infrastruktur ausbauen, konsequent Langzüge einsetzen sowie die S4-Trasse nach Westen vierspurig ausbauen. Überdies gewünscht sind bessere Umsteigeverbindungen zwischen S-Bahn-Linie und U5 in Neuperlach*-Süd. Die Trasse Daglfing-Johanneskirchen soll viergleisig in einem Tunnel ausgebaut werden. Die SPD fordert ferner die pünktliche Fertigstellung der zweiten Stammstrecke, zeitgemäße Radabstellanlagen an allen S-Bahn-Haltestellen und den Erhalt des Autozug-Terminal am Ostbahnhof.

Wie viel das alles kosten soll, ist unklar. SPD-Chef Müller rechnet, dass allein für den Nahverkehr in München in 20 Jahren etwa 20 Milliarden Euro ausgegeben werden. Das Geld sei aber gut investiert. „Der Verkehr verursacht den größten Teil der Treibhausgas-Emissionen in Bayern“, sagt Bayern-SPD-Chef von Brunn. „Für Klimaschutz ist ein viel schnellerer Ausbau der S-Bahn deshalb notwendig.“ (ska) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Wir haben für jede S-Bahn-Linie eine Facebook-Gruppe gegründet, in der sich Fahrgäste selbst organisieren können: Bilden Sie Fahrgemeinschaften, wenn Ihre S-Bahn ausfällt. Organisieren Sie ein Taxi und teilen Sie sich mit mehreren die Kosten. Oder bitten Sie andere Betroffene schlicht um Hilfe - oder bieten Sie einen Platz in Ihrem Auto an. Zusammen mit anderen Pendlern sind Sie im S-Bahn-Chaos weniger allein. Nutzen Sie die Gruppe Ihrer S-Bahn-Linie auch, um sich und andere darüber zu informieren, bis wann ungefähr mit Zug-Ausfällen und -Verspätungen zu rechnen ist. Hier gelangen Sie zur Liste aller S-Bahn-Gruppen auf Facebook.

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