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Die Liste des Leidens: Münchner S-Bahn-Pendlerin dokumentiert einen Monat lang alle Pannen

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Von: Leoni Billina

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Gabi Steinbrecher (60) hat über einen Zeitraum von etwa einem Monat die Störungen der S4 aufgeschrieben.
Gabi Steinbrecher (60) hat über einen Zeitraum von etwa einem Monat die Störungen der S4 aufgeschrieben. © Achim Schmidt

Münchner Pendler aus dem Umland haben es nicht leicht. Eine S-Bahn-Kundin hat im November alle Verspätungen ihrer Linie S4 aufgeschrieben - 161 an der Zahl.

München - Die S-Bahn ist das Sorgenkind im Münchner* Nahverkehr – das weiß jeder, der die Züge ab und zu nutzt. Pannen, Ausfälle, Verspätungen: Die Pendler verzweifeln angesichts der Häufung von Störungen. Wie schlimm es wirklich ist, das sehen wir jetzt schwarz auf weiß. Denn: Gabi Steinbrecher (60) hat einen Monat lang dokumentiert, wie viele Probleme es allein auf ihrer S-Bahnlinie S4/S6 und der Stammstrecke gab. Für den November zählte sie 161 Meldungen und damit einen Schnitt von 5,37 Pannenmeldungen pro Tag.

Steinbrechers Liste der Pendler-Leiden – von der Signal-Reparatur über die Stellwerks-Störung bis zum defekten Zug – füllt drei DIN-A-4-Seiten. Zusammengestellt hat die Türkenfelderin das Dokument mit Meldungen des Streckenagenten der Bahn. Dieses Programm informiert Pendler per E-Mail über Probleme. Dabei gilt zwar: Eine Störung kann auch für mehrere Nachrichten sorgen (etwa wenn sie länger dauert), trotzdem bleibt eine erschütternde Pannen-Bilanz.

S-Bahn München: Häufige Störungen auf der Stammstrecke führen zu Verspätungen im Umland

Wie belastend die Situation an der Haltestelle Türkenfeld (Kreis Fürstenfeldbruck) für Reisende ist, von der aus Gabi Steinbrecher mehrmals wöchentlich in die Stadt fährt, zeigt sich bei unserem Fototermin für diesen Artikel: Sie und unser Fotograf warten auf die S4. Eine halbe Stunde lang. Es kommt keine. Zwei Züge sind angeschrieben, beide fallen aus. Menschen stehen mit steinernen Mienen am Gleis, rund die Hälfte geht wieder.

Ein Sprecher der Bahn sagt, dass es auf den Außenästen häufig zu Ausfällen komme, weil Bahnen vorzeitig wendeten, um Verspätungen aufzufangen: „Wenn eine S-Bahn* 30 Minuten Verspätung hat und man fährt sie bis zur Endstation, dann muss sie die Rückfahrt verspätet antreten. So setzen sich die Verspätungen fort.“ Gerade die häufigen Störungen durch den Ausbau an der Stammstrecke führten demnach zu Verspätungen und Ausfällen im Umland.

Es gibt im Münchner Umland wenig Alternativen zur S-Bahn

Ärgerlich, weil’s gerade dort wenig Alternativen zur ­S-Bahn gibt. Und: Immerhin zahlen Speckgürtel-Pendler auch mehr als Stadtbewohner.

Einige S-Bahnstrecken seien auch anderweitig viel befahren, so der Bahn-Sprecher. Auf Steinbrechers Verdrusslinie S4 gibt’s auch Güterverkehr, Fern- und Regionalzüge. Alles davon kann für Ärger sorgen… Der Bahn-Sprecher stellt zwar fest: „Jede Störung ist eine zu viel und für unsere Fahrgäste und uns ein Ärgernis“. Klar sei aber auch: Die Münchner S-Bahn leiste mit über 270 Fahrzeugen mehr als 1000 Fahrten am Tag. In einem so hochkomplexen System ließen sich Störungen nicht vollends vermeiden.

LinieStörungen im November
S122
S230
S311
S417
S622
S730
S830
Stammstrecke46

Für Gabi Steinbrecher bleibt die Situation ein Ärgernis – und nicht nur für sie allein. Denn Pannen gibt’s auf allen Linien, wie auch die tz-Auswertung unten zeigt. *tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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