Nach Fahrscheinkontrolle

Polizist kniet auf Mann in München: Prozess um umstrittenen Einsatz läuft - aber nicht gegen den Beamten

Der Angeklagte steht in München vor Gericht.
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Der Angeklagte steht in München vor Gericht.

Der umstrittene Polizei-Einsatz in München hat nun rechtliche Folgen. Allerdings nicht für den Beamten. Bei der Gerichtsverhandlung kamen neue Informationen zutage.

München - Ein Video über einen Polizeieinsatz sorgte im Juli für großen Wirbel. Zu sehen: Ein Polizist der minutenlang auf dem Hals eines Mannes an einem Münchner Bahnsteig kniet. Immer wieder schreit der Mann „Hilfe, Hilfe!“ und stößt Geräusche aus, die wie ein Röcheln klingen. Die Szene ereignete sich im Februar 2020 an der S-Bahn-Station Isartor, sie ist festgehalten im Video aus der Bodycam einer Polizistin. Seit diesem Freitag hat sie ein gerichtliches Nachspiel - allerdings nicht für den Beamten.

Nach umstrittenen Polizei-Einsatz: Prozess gegen Fahrgast läuft - dieser bestreitet Angriff auf Kontrolleure

Vor dem Amtsgericht München muss sich der 54-Jährige verantworten, der am Bahnsteig von den Kräften der Bundespolizei niedergerungen wurde. Der Mann bestreitet die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft. Denen zufolge war er in einer S-Bahn von Kontrolleuren konfrontiert worden, weil er ein mutmaßlich ungültiges Ticket dabeihatte. Er habe einen von ihnen als „Nazi und Rassist“ beleidigt. Nachdem die Ausweisprüfer mit ihm an der Station Isartor ausgestiegen waren und die Polizei gerufen hatten, sei der Mann gewalttätig geworden.

Beim Eintreffen der Bundespolizei sei es zu einer Rangelei gekommen. Der Angeklagte habe zu Boden gebracht und von fünf Beamten festgehalten werden müssen. Er habe einer Polizistin ins Gesicht geschlagen und in die Hand gebissen. Die Anklage lautet unter anderem auf Körperverletzung, Beleidigung und tätlichen Angriff auf Vollstreckungsbeamte.

Prozess in München: Angeklagter beschreibt Geschehnisse völlig anders

In einer Erklärung, die sein Anwalt David Mühlenberger verliest, klingt der Vorgang deutlich anders. Demnach griff ihn einer der Kontrolleure nach der Kontrolle grundlos auf dem Bahnsteig an. Er habe den späteren Angeklagten gegen eine Wand gedrückt und in den Bauch geschlagen. Schließlich seien die Polizisten hinzugekommen, die ihn ohne Anlass zu Boden gebracht hätten und ihm so auf Brustkorb und Hals gedrückt hätten, „dass ich fast erstickt bin“. Wegen des Vorfalls sei er psychisch geschädigt und könne nicht mehr arbeiten.

In der Verhandlung wurde auch einer der Kontrolleure befragt, der zunächst bestätigte, dass der Angeklagte zuerst aggressiv geworden sei. Kurz darauf verstrickte er sich jedoch immer weiter in Widersprüche. Schließlich gab er an, dass sein Kollege den Mann tatsächlich gegen einen Pfeiler gedrückt und in Richtung seines Bauchs geschlagen habe. In einem schriftlichen Protokoll hätten die beiden Kontrolleure den Angriff absichtlich verschwiegen.

Fehlendes Videomaterial könnte Angeklagten entlasten

Weitere Erkenntnisse über das Geschehen am Münchner Bahnsteig sollen unter anderem Videos von Überwachungskameras liefern. Von deren Material fehlt laut Verteidiger Mühlenberger bislang eine Viertelstunde, in der der mutmaßliche Angriff der Ticketkontrolleure zu sehen sein soll. Das Verfahren wird Anfang September fortgesetzt. (dpa)

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