„Die ticken doch nicht richtig“

Maximilianstraße ohne Parkplätze? quer-Beitrag polarisiert Münchner - Schickeria in Angst vor „Ökis in Tupperdosen“

Ein Lamborghini auf der Maximilianstraße in München
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An der Maximilianstraße sollen Parkplätze wegfallen - zum Ärger der Ladenbesitzer.

Münchens Schickeria zeigt sich besorgt über einen Vorstoß der rot-grünen Stadträte: An der Maximilianstraße sollen schrittweise Parkplätze wegfallen.

  • Die rot-grüne Mehrheit im Münchner Stadtrat will Parkplätze an der Maximilianstraße schrittweise abschaffen.
  • Noch heuer soll ein Drittel der Stellplätze wegfallen - für alternative Konzepte.
  • Ladenbesitzer sorgen sich um Kunden, Facebook-Nutzer spotten.

München - Dass die Schere zwischen Arm und Reich auch in der bayerischen Landeshauptstadt auseinanderklafft, dürfte den meisten Münchnern hinlänglich bekannt sein. Eine neu entfachte Diskussion im Stadtrat - ausgelöst von dessen rot-grüner Mehrheit - dürfte jedoch nur einen Teil dieser Schere direkt betreffen. Denn: Es geht um nichts Geringeres als die Parkplätze der Reichen und Schönen. Entlang der Maximilianstraße soll es auf Wunsch der Grünen- und SPD-Vertreter künftig keine Ferraris, Lamborghinis oder Starnberger SUVs mehr geben - die Parkplätze sollen „schrittweise“ abgeschafft werden. Glaubt man den Stimmen aus dem Netz, würde man die autofreie Innenstadt aber auch mit einer kundenfreien Zone bezahlen.

Als teuerste Einkaufsmeile Münchens hat die Maximilianstraße die Eigenschaft, zu polarisieren. Wo extremer Reichtum herrscht, gibt es auch extreme Meinungen. Und die ließen nicht lange auf sich warten, nachdem der Bayerische Rundfunk ein Video zu der Debatte veröffentlicht hat. Mit viel Augenzwinkern dokumentiert der quer-Beitrag das Absurdum der Extreme - und heizt die Diskussion zwischen beiden Seiten der Schere kräftig an. Doch zwischen den Kommentaren finden sich auch Nutzer, die sich eine Lösung zwischen den Klingen wünschen - am liebsten in der Mitte.

Münchens Maximilianstraße: Parkplatz-Diskussion und Edelkarossen - BR-Video polarisiert

Einige Nutzer scheinen sich aufgrund des Videos vor neuem Klientel an der Maximilianstraße zu fürchten. Ganz besonders im Fokus eines Mannes sind „die grün alternativen Ökis mit Tupperdosen und Jutebeuteln auf dem Fahrrad“ - eine für ihn schreckliche Vorstellung eines Einkaufs. Ganz ähnlich sieht das ein anderer: „Die Grünen ticken doch nicht richtig“, urteilt der Nutzer. Seine Begründung: „Vom Strickpullover hat der Staat wenig Steuereinnahmen.“

Diskussion um Maximilianstraße in München: Meinungen gespalten - „Vor Schreck Schampus verschüttet“

Doch auch humorvolle und weniger giftige Beiträge finden sich in den zahlreichen Kommentaren. Ein Nutzer sorgte sich mit einem Augenzwinkern vor allem um die Autos: „Da haben vor Schreck die ganzen Porsche- und Ferrari-Fahrer gleich den ganzen Schampus auf den Ledersitzen verschüttet“. Für unerheblich erklärte ein anderer die gesamte Diskussion, da die Geschäfte wegen der Mutationen ohnehin nie wieder öffnen dürften - so die Befürchtung des Nutzers. Nicht lachen konnte darüber eine Facebook-Userin - sie würde gar andere Prioritäten setzen: „Gegen diese gravierenden Probleme, ist ein Planet, dem die Puste ausgeht doch nur Peanuts“, monierte sie reichlich sarkastisch in Bezug auf den Klimawandel.

Näher am Thema blieben einige konstruktive Argumente: „In Wien sind ähnliche Straßenzüge (Kärntnerstraße, Graben etc.) Fußgängerzonen. Trotzdem findet die Kundschaft den Weg zu Valentino, Versace und Co.“, meint die Frau. Städte könnten davon nur profitieren. Ein anderer kannte ein ähnliches Beispiel: „In Zürich sind die gleichen Luxus Boutiquen in einer Fußgängerzone - und trotzdem ständig voll.“ Auch Graz hätte gezeigt, dass es sehr gut ohne Autos gehe, betonte ein Mann. Die Lösung könnte wie so oft in der Mitte liegen, meint ein Facebook-User. „Gehört doch auch dazu in einer Gesellschaft, was soll die Neiddebatte? Klüger wäre es, würden die Reichen mehr Steuern zahlen“, befand er. Wie und ob die Parkplätze erhalten bleiben oder wegfallen, wird sich zeigen.

Maximilianstraße in München: Ein Drittel der Stellplätze soll noch heuer wegfallen

Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung wünscht sich die Rathausmehrheit unter Oberbürgermeister Dieter Reiter, in der Maximilianstraße etwa ein Drittel der Stellplätze noch dieses Jahr zu entfernen, um mehr Raum mit Aufenthaltsqualität zu schaffen. „An einer neuen Gestaltung der Straße sollen dann auch Anwohner, Gewerbetreibende und der Bezirksausschuss Altstadt-Lehel beteiligt werden.“ Ziel sei es, Parkraum etwa für den Fuß- und Radverkehr oder für neue Mobilitätsformen zu nutzen. Auch Freischankflächen und Platz für Anlieferung gehöre zu den Ideen der Stadträte.

Das Mobilitätsreferat solle zudem ein Konzept erstellen, wie bis 2022 der Abschnitt zwischen Residenzstraße und Marstallstraße (Bereich des Opernhauses) weitgehend von Durchgangsverkehr befreit werden kann. In einem zweiten Schritt schwebt den Räten dann eine Neugestaltung des gesamten Bereichs bis zum Karl-Scharnagl-Ring vor - komplett ohne Stellplätze. Klarheit soll ein Realisierungswettbewerb schaffen, zu dem auch die Neugestaltung des Max-Joseph-Platzes gehören soll. CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl schlug kürzlich eine Prüfung dieses Platzes als unterirdische Kompensationsfläche für wegfallende Parkplätze vor. (nap)

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