Schlachthof-Areal

Für Öko-Projekt in München: Hier müssen 14 alte Ulmen sterben - „Ob nachgepflanzt wird, erfahren wir nicht“

Arne Brach vom Bezirksausschuss steht vor der SWM-Baustelle in der Thalkirchner Straße.
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Braun, weiß und grau statt grün: Arne Brach vom Bezirksausschuss steht vor der SWM-Baustelle - für die eine Reihe alter Bäume weg mussten .

München ist vor allem grau. Das wenige Grün muss immer häufiger weichen. Im Schlachthof-Viertel sollen Bäume einem Öko-Projekt um Opfer fallen.

München - München* hat die Isar, den Englischen Garten* und viele Parks. Aber: München ist auch eine der am dichtesten bebauten Städte Deutschlands. Das zeigt sich zum Beispiel in den Häuserschluchten der Ludwigs- und Isarvorstadt. Mehr Grün könnte dort nicht schaden. Zumal immer mehr Bäume Bauvorhaben weichen müssen - wie etwa aktuell in der Thalkirchner Straße im Schlachthof-Viertel, wo die Stadtwerke Fernkälterohre verlegen. Die Baumaßnahme für das Öko-Projekt bedeutete für 14 alte Ulmen und Grün-Erlen das Aus.

Das will der Bezirksausschuss (BA) Ludwigs-/Isarvorstadt so nicht mehr akzeptieren. „Wir können uns schleichenden Baumverlust nicht leisten“, meint Grünen*-Fraktionssprecher Arne Brach. Das gesamte Gremium fordert nun von der Stadt mehr Transparenz und ein langfristiges Baumerhaltungskonzept.

Politiker wehren sich gegen Baumfällung: Bußgelder oder Kaution seien „ein Witz“

Denn während es bei städtischem Kahlschlag Ersatzpflanzungen gibt, ist die Handhabe bei privaten Bauvorhaben schwer. Der Grundsatz lautet: Baurecht bricht Baumschutz. So verliert München auf privatem Grund rund 2000 Bäume jedes Jahr. Und Bußgelder beziehungsweise die Kaution pro gefälltem Baum sind nach Meinung Brachs „ein Witz“. 750 Euro etwa betrage die Kaution für Bau­unternehmen.

Investoren sollten mindestens 5000 Euro pro gefälltem Baum bezahlen, fordert Brach. Dieses Geld könne die Stadt dann für Begrünungsmaßnahmen nutzen. Auch Privatpersonen sollten mehr zahlen. Eine Verdopplung auf 1500 Euro schlägt der Baumschutzbeauftragte des BA vor. Ihm geht’s um Ersatzpflanzungen: Dass sie überhaupt kommen - und dass sie schneller kommen als bisher.

So sah’s vorher aus: Die alten Ulmen und Grünen Erlen gehörten im Schlachthof-Viertel zum Straßenbild.

Politiker wehren sich gegen Baumfällung: Neue Anpflanzungen auf Parkplätzen vorgeschlagen

Laut Brach gibt es noch ein weiteres Problem: „Ob, wann und wo nachgepflanzt wird, erfahren wir nicht.“ Zwar gebe es auf Druck fast aller Bezirksausschüsse das Bestreben, einen stadtweiten Baumkataster anzulegen. Der allein würde aber keinen Baum schützen. Damit schon diesen Sommer mehr Grün in die Isarvorstadt und das Südliche Bahnhofsviertel kommt, schlägt der BA jetzt vor, auf Parkplätzen neue Bäume zu pflanzen - zum Beispiel an der Dreimühlenstraße, in der Landwehrstraße und in der Pestalozzistraße.

Auf öffentlichen Flächen ist die Baum-Bilanz laut Stadt im Jahr 2020 zwar insgesamt positiv - rund 2600 Bäume wurden neu gepflanzt, 70 mehr als gefällt wurden. Aber da sind Privatprojekte eben nicht eingerechnet. Einer weiteren Statistik der Stadt zufolge wurden im Jahr 2019 etwa 70 Verfahren im Rahmen der Baumschutzverordnung angestrengt. Die dabei verhängten Strafen beliefen sich zwischen 200 und 20.000 Euro. Insgesamt kassierte die Stadt auf diesem Wege 70.000 Euro. *tz.de und merkur.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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