Städtische Toiletten bleiben vorerst offen

München - Der Kampf ums Klo in München findet kein Ende. Nun haben die Gegner der Toilettenschließungen doch noch einen kleinen Erfolg errungen. Die geplante Abschaffung von 34 öffentlichen Häusln ist noch einmal verschoben. Die Toilette am Odeonsplatz soll dauerhaft erhalten bleiben.

Es gibt nicht viele Themen, die in München so emotional diskutiert werden, wie die städtischen öffentlichen Toiletten. „In Rage“ seien etwa die Münchner Senioren ob der WC-Situation an der Isar, berichtet die Vizechefin des Seniorenbeirats, Franziska Miroschnikoff. Die Häusl, gerade für ältere Menschen wichtig, seien in „erbärmlichem Zustand“.

Den Politikern im Rathaus ist das wohlbewusst. Doch das Lösungskonzept, das das städtische Kommunalreferat nun erarbeitete, rief bei den Kämpfern für den Erhalt der Häusl sogar noch mehr Empörung hervor. Dem Plan nach sollen 34 der 70 Toiletten in der Verantwortung des Kommunalreferats geschlossen werden. Dabei handelt es sich um diejenigen Anlagen, die am wenigsten genutzt werden – betroffen sind unter anderem Häusl am Stiglmaierplatz und im Lehel.

Im Gegenzug sollten die verbleibenden 36 Toiletten jedoch saniert und in einen guten Zustand versetzt werden. Mehr lasse der städtische Haushalt einfach nicht zu. Auch Bürgermeisterin Christine Strobl (SPD) hatte die Pläne verteidigt: Die Stadt habe nach den Schließungen immer noch mehr öffentliche Toiletten als andere Großstädte.

In seiner gestrigen Sitzung stimmte der Stadtrat dem Plan zwar grundsätzlich zu, allerdings mit Einschränkungen. Auf Antrag von SPD und Grünen beschloss man, mit den Schließungen der Häusl noch zu warten. Erst wenn ein genaues Konzept vorliegt, wann welche der verbleibenden Toiletten saniert werden, soll mit Schließungen begonnen werden. Das dürfte keinesfalls vor Ende des Jahres der Fall sein. So will SPD-Fraktionschef Alexander Reissl sicherstellen, dass der Bürger nicht nur mit Schließungen konfrontiert wird, sondern zeitgleich auch mit Verbesserungen der WC-Situation.

Zudem entschied sich der Stadtrat, einige der zur Schließung vorgesehenen Toiletten nun doch dauerhaft zu erhalten: Dazu zählen die Häusl am Odeonsplatz, in Milbertshofen, Großhadern und der Messestadt Ost (jeweils im Untergeschoss bzw. U-Bahnhof). Stattdessen soll auf Toiletten an den Stationen Klinikum Großhadern und Messestadt West verzichtet werden. Das geschlossene WC im U-Bahnhof Münchner Freiheit soll jedoch unverzüglich saniert und wieder geöffnet werden.

Nicht überall stößt dieser Klo-Kompromiss auf Begeisterung. Der CSU reicht er nicht aus – sie fordert den Erhalt aller Toiletten. Fraktionsvize Hans Podiuk bat deshalb, die Toilettenfrage noch einmal neu zu verhandeln – scheiterte aber an der rot-grünen Mehrheit. Ungeklärt ist auch die Frage, wer die verbleibenden WCs künftig saniert und betreibt. Die Stadt würde dies gern den Stadtwerken aufbürden – befinden sich doch die meisten Häusl in U-Bahnhöfen. Doch die Werke wehren sich bislang strikt gegen die Rolle als Klo-Betreiber. Hier stehen noch harte Verhandlungen ins Haus, denn Stadträte von SPD und FDP betonten: Sie sehen die Stadtwerke in der Verantwortung.

Johannes Patzig

Rubriklistenbild: © dpa

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