Schmiergeld-Prozess: 250.000 Euro überwiesen

München - Schmiergeld oder nicht? Eine Unternehmerin aus Norddeutschland will der Mitarbeiterin eines Münchner Auftraggebers aus reiner Hilfsbereitschaft in fünf Jahren gut 250000 Euro zugewendet haben.

„Ich wollte nur helfen“, hat die 53-Jährige am Dienstag vor dem Münchner Landgericht ihre Zahlungen verteidigt. Die Staatsanwaltschaft geht aber von Schmiergeldzahlungen aus. Laut Anklage hat die Frau von der Firma für Drucker und Monitore im Gegenzug Verpackungs- und Vertriebsaufträge mit erheblichen Preisvorteilen bekommen, dadurch sei dem Münchner Unternehmen ein Gesamtschaden von über 615 000 Euro entstanden.

Der Angeklagten zufolge hat die Geschäftspartnerin sie eines Tages angerufen und weinend über ihre Geldprobleme geklagt. Sie habe eine Schrottimmobilie erworben und sei hoch verschuldet, der Gerichtsvollzieher bedränge sie, ob die 53-Jährige ihr helfen könne. Die Angeklagte hat sich darauf eingelassen, „das hat sich dann wiederholt“. Ob die Münchnerin gedroht habe, bei Einstellung der Zahlungen keine Aufträge mehr zu erteilen, wollte die Vorsitzende Richter wissen. „Das nicht“, erwiderte die Angeklagte, „sie hat dann einfach den Hörer drei Tage nicht abgenommen und mich spüren lassen: wenn du nicht zahlst, dann weißt du, was passiert“. Irgendwann sei es zu spät gewesen, „ich kam da nicht mehr raus“.

Als das Münchner Unternehmen dahinterkam, hat es bei einem Großauftrag im Herbst 2010 den Rechnungsbetrag von über einer halben Million Euro vollumfänglich gegen den Schaden aufgerechnet. Im Dezember 2010 musste die Angeklagte Insolvenz beantragen. Ihr wurde für ihr Geständnis eine Bewährungsstrafe von höchstens zwei Jahren in Aussicht gestellt. Gegen ihre Geschäftspartnerin wird zu einem späteren Zeitpunkt verhandelt.

dpa

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