Tränen um die Schwabinger 7

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Johanna Schmölders, Florian Raabe, Markus Onur und Tobias Rutloff stellen die Aktivitäten der Bürgerinitiative vor.

München - Eine Bürgerinitiative kämpft gegen die Luxussanierung in ganz München. Das Areal in der Feilitzschstraße rund um die Schwabinger 7 lässt die Emotionen hochkochen.

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Es sind Tränen der Wut, Tränen der Trauer, Tränen der Entschlossenheit: Florian Raabe, Vorsitzender der Grünen Jugend München und Mitbegründer der Bürgerinitiative „Rettet die Münchner Freiheit“ kämpft um Worte, als er in einer Pressekonferenz in der Kultkneipe Schwabinger 7 erklären will, wieso sich innerhalb von fünf Tagen über 1.000 Münchner auf Facebook gegen die Umwandlung Schwabings und des Restes der Innenstadt eingetragen haben, und wieso eine Gruppe von 35 Aktivisten das Projekt eines luxuriösen Wohn- und Geschäftshauses in der Feilitzschstraße 7 verhindern will. „Wir wollen München wachrütteln, wir werden dieses Viertel retten,“ so Raabe.

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Wie die tz exklusiv berichtete, müssen die Mieter des nach dem Krieg mit Baracken bebauten Grundstückes Ende Juni ausziehen: Neben der Kultkneipe Schwabinger 7 unter anderem, das Programmkino Monopol, Mamas Kebab, der Hip-Hop-Laden Tight Shop. Der Hamburger Immobilien-Entwickler HIH Immobilien hatte das Grundstück Ende vergangenen Jahres gekauft und plant dort ein neues Wohn- und Geschäftshaus.

Auch Tobias Rutloff ist besorgt, er fürchtet, „dass das Projekt weitere Luxussanierungen nach sich ziehen wird und Menschen mit durchschnittlichen und unterdurchschnittlichem Einkommen, junge Menschen und Rentner an den Stadtrand gedrängt werden zuunsten der Millionäre.“ Denn die zunehmenden Luxussanierungen würden die Struktur der Stadt ins Ungleichgewicht bringen. „Wo das hinführt: Schauen Sie mal in Pariser Vororte. Ich möchten nicht, dass in 20 Jahren im Hasenbergl nachts die Autos brennen.“

Die Bürgerinitiative will den Abriss der Schwabinger 7 und ähnliche Bauprojekte im Viertel mit dem Erlass einen Bebauungsplanes verhindern. Für das Haus gibt es allerdings bereits einen rechtsgültigen Bauvorbescheid, für den dieser Bebauungsplan nicht mehr angewendete werden könnte. Doch auch ohne Bebauungsplan müsse sich ein Haus in die Eigenart der Umgebung einfügen. Ausnahmen seien nur möglich, wenn sie mit dem öffentlichen Interesse vereinbar sind. Doch Rutloff ist überzeugt: „Dieser Bau ist nicht mit dem öffentlichen Interesse vereinbar, da mit diesem Vorhaben eine Wohnstraße entsteht im wichtigsten Verbindungsweg zwischen einem Ausgeh- und Kulturviertel und dem öffentlichen Nahverkehr.“

In den kommenden Wochen will die Bürgerinitiative, unterstützt von vielen Wirten und Kulturinstitutionen des Stadtteils, die Werbetrommel rühren für den Erhalt des Kultviertels und gegen weitere Luxusbauten. Am 27. Mai ist eine Großdemo geplant. Markus Okur: „Ich habe in der Feilitzschstraße das Laufen gelernt, ich will nicht, dass man mir den Boden meiner Jugend unter den Füßen weg zieht.“

Weitere Infos unter: www.kulturelles-schwabing.de

Johannes Welte

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