Unmut macht sich breit

Leerstand am Waldfriedhof: Die Ungeduld wächst - Wann kommt der Klotz endlich weg?

So stellt sich der Investor das Grundstück vor - wann der Abriss beginnt, ist aber offen.
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So stellt sich der Investor das Grundstück vor - wann der Abriss beginnt, ist aber offen.

Ein trister Gebäudekomplex am Waldfriedhof steht leer - seit Jahren. Bei den Anwohnern wächst die Wut.

  • Am Waldfriedhof steht ein Gebäudekomplex leer - seit fünf Jahren.
  • Das bringt die Münchner in Rage.
  • Es gibt Neubau-Pläne - aber die kommen nicht voran.

München - Verlassen steht der graue Koloss an der Ecke Waldfriedhof-/Fürstenrieder Straße. An der Fassade hängt ein Werbebanner – „zu vermieten provisionsfrei“ steht darauf. Am Fuß des sechsstöckigen Gebäudes gammelt ein Flachbau vor sich hin. Der Tengelmann ist seit Jahren weg. Zuletzt ist der Drogeriemarkt ausgezogen. Die Tristesse zieht sich bis zur Schongauerstraße. Früher gab es in dem Komplex am Waldfriedhof einen Supermarkt, einen Bäcker, ein Café und Arztpraxen.

Seit fünf Jahren ist geplant, die verlotterten Gebäude abzureißen und durch ein neues Quartierszentrum zu ersetzen. Eigentümer des Komplexes ist die Rock Capital Group* aus Grünwald. Man befinde sich „sehr intensiv in der Entwicklung dieses Vorhabens“, teilt der Investor auf Anfrage mit. Was den zeitlichen Ablauf betrifft, hält er sich bedeckt. Nur so viel: Ein Architektenwettbewerb habe bereits stattgefunden. Derzeit befinde man sich bei der Auswahl des Siegers. Auf der Website des Investors wird das Projekt unter dem Namen „Lena“ in Szene gesetzt – ein schickes Quartierszentrum „mit hochwertigen Einzelhandelsflächen und studentischem Wohnen in den Obergeschossen“.

SPD-Politiker zu Leerstand am Waldfriedhof: „Schleichender Verlust durch Umwandlung“

Im Bezirksausschuss (BA) Sendling-Westpark hat sich Unmut breitgemacht. Die Stadtteilpolitiker waren wiederholt mit Anträgen auf Vorbescheid befasst. Getan hat sich nichts. BA-Chef Günter Keller (SPD) hofft, dass jetzt endlich Bewegung in die Sache kommt. „Wir hatten ein Gespräch mit dem Investor, in dem er uns glaubhaft versichert hat, dass es noch in diesem Jahr vorangehen soll.“ Die Befürchtungen von Bürgern, man lasse die Gebäude absichtlich leer stehen, um sie wertsteigernd zu verkaufen, sind aus Kellers Sicht unbegründet.

Das verwaiste Ladenzentrum ist nur ein Beispiel für eine Entwicklung im Viertel, die Alfred Schmidt Sorgen bereitet. Schmidt ist Kellers Fraktionskollege im BA und war Gründer der Initiative „Lebendige Waldfriedhofstraße“, die zwischen 1996 und 2000 gemeinsam mit Geschäftsleuten versuchte, den Einzelhandel* im Viertel zu stärken. Davon ausgehend hat Keller den langfristigen Strukturwandel von 1998 bis 2019 an der Waldfriedhofstraße analysiert. Sein Fazit: „Schleichender Verlust durch Umwandlung von Einzelhandelsangeboten in Büroflächen oder seltener genutzte Angebote.“ Bei fast einem Drittel der 72 untersuchten Läden habe sich das Angebot verschlechtert.

Gebäudekomplex in Sendling-Westpark steht seit Jahren leer - Antrag an Stadtverwaltung

Zwei Beispiele: Statt des Eisenwarengeschäfts gibt es jetzt eine Fahrschule, das Feinkostgeschäft ist einem einem Kosmetik-Studio gewichen. Bezeichnend auch: Während die Anzahl der Geschäfte für den häufigen Bedarf wie Bekleidung, Schuhe oder Blumen fast um die Hälfte abgenommen habe, hätten Dienstleister wie Friseure, Kosmetikstudios und Versicherungen um knapp 40 Prozent zugenommen.

Der BA hat auf Kellers Initiative im Dezember 2019 einen Antrag an die Stadtverwaltung gestellt. Das Gremium will wissen, wie es mittlerweile um die Infrastruktur im Waldfriedhofviertel mit seinen etwa 6000 Bewohnern bestellt ist und fragt, welche Möglichkeiten die Stadt sehe, die urbane Lebensqualität durch die Stadtentwicklungsplanung zu erhalten und zu stärken.

Daniela Schmitt

*tz.de und Merkur.de sind Teil des bundesweiten Redaktionsnetzwerks von Ippen-Digital.

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